Mein Schwiegervater hat letzten Herbst im Baumarkt eine LED gekauft, Energieklasse D, und war empört. "Die verkaufen hier Schrott!", sagte er am Telefon. "D! Das ist ja fast durchgefallen!"

Ich habe zwanzig Minuten gebraucht, ihm zu erklären, dass D bei Lampen heute ungefähr das ist, was A++ vor fünf Jahren war. Er hat mir nicht geglaubt. Er hat die Lampe zurückgebracht und eine teurere mit C genommen. Die hat exakt das gleiche Licht produziert, nur drei Euro mehr gekostet.

Diese Verwirrung ist kein Einzelfall. Die EU hat das Energielabel für Lampen 2021 absichtlich so reskaliert, dass selbst gute LEDs mittelmäßig aussehen. Warum das Absicht ist, was sich 2025 und 2026 nochmal verschärft, und warum du bald Lampen mit einem digitalen Produktpass im Regal findest — alles hier.

Warum das alte System am Ende war

Das System vor 2021 kannte Klassen von A++ bis E. Klingt nach Differenzierung. In der Praxis trugen fast alle LEDs und Energiesparlampen mindestens A+. Wer etwas Besseres wollte, griff zu A++. Aber A++ war schlicht der Standard. Das Label hatte sich selbst die Zähne gezogen.

Jeder Hersteller konnte "A++" groß auf die Packung drucken und damit nichts Besonderes sagen. Die EU hat reagiert: Neues System, eingeführt am 1. September 2021, basierend auf der Verordnung 2019/2015 zusammen mit der Ökodesign-Verordnung 2019/2020. Keine Pluszeichen mehr. A bis G. Fertig.

Der Clou: Klasse A wurde so hoch angesetzt, dass sie zum Start kein einziges Produkt im Handel erreichte. Das war kein Versehen. Das war der Plan. Raum nach oben, damit die nächste Technologiegeneration sichtbar besser sein kann, ohne sofort wieder ein neues Labelsystem zu brauchen.

Was die Klassen heute bedeuten

Die Effizienzklasse berechnet sich aus Lumen pro Watt — wie viel sichtbares Licht kommt aus einem Watt Strom raus. Mehr ist besser.

Klasse A

Seit 2025 nicht mehr leer. Philips hat mit der Ultra Efficient Serie die erste Serienlampe in Klasse A gebracht. Die Philips Classic Ultra Efficient E27 schafft 485 Lumen aus 2,3 Watt — das sind 211 Lumen pro Watt. Fünfzigmal so effizient wie eine Glühbirne. Allerdings: CRI nur 80 und nicht dimmbar. Klasse A hat seinen Preis an anderer Stelle. Ab etwa 6 EUR im Handel. [AFFILIATE-LINK: Philips Ultra Efficient Klasse A]

Klasse B

Erste Premium-LEDs tauchen hier auf. 160 bis 210 lm/W. Noch selten im Einzelhandel, häufiger bei professioneller Beleuchtung.

Klasse C

Sehr effizient, oft Premiumsegment. Typisch 120 bis 150 lm/W. Eine Philips E27 mit 7,3W und 1535 Lumen — also 210 lm/W und Klasse A — zeigt, wie schnell sich das verschiebt. Aber die meisten C-Lampen liegen eher bei 130 lm/W.

Klasse D

Der ganz normale Standard. 85 bis 110 lm/W. Das ist, was du in jedem Baumarkt kaufst. Absolut solide. Kein Mangel.

Klasse E und F

Ältere oder sehr günstige Modelle. Und hier wird es 2025/2026 relevant, weil genau diese Klassen unter Druck geraten.

So liest du das neue Label

Das Label ist übersichtlich. Links die Farbskala von Dunkelgrün bis Rot, der Pfeil zeigt auf deine Klasse. Darunter steht der Energieverbrauch in kWh pro 1.000 Betriebsstunden. Das ist die Zahl, die dein Portemonnaie direkt betrifft.

Eine 10-Watt-LED: 10 kWh pro 1.000 Stunden. Beim aktuellen Strompreis von etwa 23 Cent pro kWh für Neukunden (Stand Anfang 2026, laut Strom-Report) sind das 2,30 EUR. Bestandskunden zahlen allerdings oft noch 33 Cent — da wären es 3,30 EUR. Klingt wenig, summiert sich aber, wenn 15 Lampen im Haushalt je vier Stunden am Tag laufen.

Das Neue seit 2021: der QR-Code. Er führt in die EU-Produktdatenbank EPREL (European Product Registry for Energy Labelling). Dort liegen die technischen Daten unabhängig davon, was der Hersteller auf die Verpackung schreibt. EPREL ist öffentlich, kein Login nötig. Wenn du wissen willst, ob die Angaben auf der Schachtel stimmen: einfach scannen. Zehn Sekunden.

EPREL hat noch einen Vorteil, den kaum jemand kennt: Du siehst dort, ob ein Produkt noch aktiv gelistet ist oder still zurückgezogen wurde. Letzteres passiert manchmal kurz bevor ein Modell vom Markt genommen wird. Wenn du zehn identische Strahler für eine Spotleiste kaufen willst, check vorher, ob es das Modell überhaupt noch gibt.

Halogen: seit September 2023 endgültig raus

Hat länger gedauert als erwartet, aber seit September 2023 gilt: Halogenlampen der gängigen Typen dürfen in der EU nicht mehr neu in den Handel. Betroffen sind klassische Birnenformen und Reflektorlampen, alles, was jahrelang als Übergangstechnologie zwischen Glühlampe und LED diente.

Restbestände benutzen: kein Problem. Nachkaufen: nicht mehr. Was heute als "Halogen-Optik" im Regal steht, ist fast immer eine LED mit Filament-Design. Sieht ähnlich aus, zieht ein Zehntel des Stroms.

Kompaktleuchtstofflampen: auch Geschichte

Die gewendelten Energiesparlampen sind ebenfalls raus. Seit 2023 dürfen die meisten Typen nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Zwei Gründe: Effizienz und Quecksilber. Diese Lampen enthalten eine kleine Menge davon. Wenn du noch welche zuhause hast: nicht in den Restmüll, sondern zum Wertstoffhof oder in die Sammelbox im Baumarkt.

Was sich 2025 und 2026 konkret ändert

Das wird jetzt wichtiger, als die meisten denken.

Die Verordnung 2019/2020 schreibt gestaffelte Verschärfungen vor. Seit September 2024 gelten bereits strengere Anforderungen an Flicker und stroboskopische Effekte — der SVM-Wert (Stroboscopic Visibility Measure) muss für die meisten LED-Lampen unter 0,4 liegen. Billige LEDs mit nervigem Flackern, das man auf Smartphone-Videos sieht, werden damit nach und nach aus dem Markt gedrängt.

Die nächste Stufe: Lampen der Klassen E und F werden die verschärften Mindestschwellen nicht mehr erfüllen. Sie dürfen dann nicht mehr neu produziert und eingeführt werden. Lagerbestände dürfen noch abverkauft werden, Nachschub gibt es keinen.

Das merkst du im Einkauf. Wenn ein bestimmter Lampentyp plötzlich nicht mehr lieferbar ist oder nur noch vereinzelt im Discounter auftaucht, liegt das oft daran, dass er die Mindestschwelle nicht mehr schafft. Kein Engpass, sondern Absicht.

Und dann kommt der große Umbruch: Die neue ESPR-Verordnung (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) ersetzt bis Ende 2026 die alte Ökodesign-Richtlinie komplett. Das klingt bürokratisch. Was es bedeutet:

  • Digitale Produktpässe werden Pflicht — maschinenlesbare Daten zu Materialien, Recyclierbarkeit, CO2-Fußabdruck. Für LED-Beleuchtung voraussichtlich ab 2028/2029.
  • Replaceability-Anforderungen werden härter. Hersteller müssen dokumentieren, ob Leuchtmittel vom Endnutzer oder nur vom Fachmann getauscht werden können. Das steht auf der Verpackung.
  • Marktüberwachung wird systematischer. Die EU bekommt bessere Werkzeuge, um nicht-konforme Produkte online und im Handel zu identifizieren.
[INTERNER LINK: "LED Grundlagen: Alles über Lumen, Kelvin, CRI und Co."]

Lohnt sich der Tausch alter Lampen?

Bei Halogenstrahlern: ja, fast immer. Rechnen wir.

Ein 50-Watt-Halogenstrahler verbraucht 50 kWh pro 1.000 Betriebsstunden. Bei 23 Cent pro kWh (Neukundentarif 2026): 11,50 EUR. Eine LED mit gleichem Lichtstrom zieht 6 bis 8 Watt, also 6 bis 8 kWh. Kosten: knapp 1,60 EUR. Ersparnis pro Lampe: knapp 10 EUR pro 1.000 Stunden.

Zehn Halogenstrahler, täglich vier Stunden: etwa 1.460 Betriebsstunden im Jahr. Ersparnis: rund 145 EUR jährlich. Eine passende LED kostet 3 bis 8 EUR und ist in wenigen Wochen abbezahlt.

Bei Bestandskundentarifen um 33 Cent pro kWh ist die Rechnung noch deutlicher. Da sparst du mit denselben zehn Lampen über 200 EUR im Jahr.

Bei Kompaktleuchtstofflampen ist der Unterschied kleiner. Die waren schon effizienter als Halogen. Aber eine aktuelle LED mit 100 bis 150 lm/W schlägt die 50 bis 65 lm/W einer alten Energiesparlampe immer noch deutlich. Und ohne Quecksilber, ohne Wartezeit beim Einschalten, ohne das deprimierende Licht.

Einen Vorbehalt gibt es: Wenn eine Energiesparlampe noch funktioniert und in einer Leuchte brennt, die dreimal im Jahr eingeschaltet wird — Keller, Speicher, Weihnachtsdeko — ist der sofortige Tausch wirtschaftlich kein Gewinn. Die Lampe hat auch in der Herstellung einen CO2-Fußabdruck. Bei der Keller-Birne, die ich nur beim Suchen nach dem Weihnachtskarton anmache, warte ich auf den nächsten Defekt.

Was das für den nächsten Kauf bedeutet

Klasse D kaufen und gut ist

Für Lampen, die viele Stunden am Tag brennen, lohnt sich Klasse C. Für Lampen, die selten laufen, spielt die Klasse kaum eine Rolle. Klasse E kaufe ich persönlich nicht mehr — der kleine Aufpreis für D lohnt sich immer.

Aber die Effizienzklasse ist nicht alles. Eine D-Lampe mit CRI unter Ra 80 macht Farben flau und ist für Wohnräume trotzdem eine schlechte Wahl. Flackern bei Dimmern, schlechte Lichtverteilung, harter Farbton — das zeigt das Label nicht. Da muss man auf die anderen Kennzahlen achten oder in EPREL nachschauen. [INTERNER LINK: "Was ist der CRI-Wert? Farbwiedergabe bei LED einfach erklärt"]

Und falls mein Schwiegervater das hier liest: Eine D-Lampe ist eine gute Lampe. Sie ist kein Schrott. Der Buchstabe D ist das neue A++. Nur schöner sortiert.