Neulich bei meinen Eltern. Mein Vater steht im Keller vor dem Lampenregal und hält eine LED in der Hand. "Sieben Watt", sagt er verächtlich. "Das reicht ja nicht mal zum Lesen." Er dreht die Packung um, sieht "806 Lumen", und fragt mich: "Was soll das heißen?"

Mein Vater hat 40 Jahre lang 60-Watt-Birnen in Fassungen geschraubt und nie über Licht nachgedacht. Warum auch? 60 Watt war hell genug. 100 Watt war sehr hell. Das System war simpel und es funktionierte. Bis es nicht mehr funktionierte.

Watt misst Stromverbrauch. Lumen misst Licht. Zwei komplett verschiedene Dinge, die zufällig bei Glühbirnen in einem festen Verhältnis standen, weil alle Glühbirnen ungefähr gleich miserabel darin waren, Strom in Licht umzuwandeln. Sobald du verschiedene Technologien vergleichst, bricht dieses System zusammen wie ein Kartenhaus bei offener Balkontür.


Watt ist nicht Licht

Eine 60-Watt-Glühbirne verbrauchte 60 Watt Strom. Davon wurden etwa 90 Prozent als Wärme abgegeben. Nur 5 bis 10 Prozent landeten als sichtbares Licht im Raum. Eine Glühbirne ist technisch ein Heizstrahler mit Lichtnebeneffekt.

Lumen (lm) misst den Lichtstrom — wie viel Licht tatsächlich rauskommt. Eine 60-Watt-Glühbirne lieferte ungefähr 700 bis 810 Lumen. Eine LED mit demselben Output braucht dafür 6 bis 9 Watt. Eine Premium-LED von Philips schafft es mit 7 Watt.

Die Watt-Zahl, die wir jahrzehntelang als Helligkeitsindikator benutzt haben, war immer nur ein Trick. Er funktionierte, solange alle Lampen gleich schlecht waren.


Die Umrechnungstabellen

Glühbirne zu LED

GlühbirneLumen (ca.)LED-Äquivalent (2026)
25 W220–250 lm2–3 W
40 W410–470 lm3–5 W
60 W700–810 lm6–8 W
75 W920–1.050 lm8–11 W
100 W1.350–1.520 lm10–14 W
Die LED-Watt-Werte sind 2026 niedriger als noch vor drei Jahren. Die Technik wird effizienter. Eine Philips Ultra Efficient E27 schafft 1.535 Lumen aus 7,3 Watt — das entspricht einer 100-Watt-Glühbirne für den Stromverbrauch einer Nachtlischlampe. Energieklasse A, ab etwa 6,34 EUR im Handel. [AFFILIATE-LINK: Philips Ultra Efficient E27]

Halogen zu LED

Halogen war etwas effizienter als die Glühbirne — etwa 16 lm/W statt 12. Der Abstand zur LED bleibt trotzdem riesig.

HalogenLumen (ca.)LED-Äquivalent
28 W300–350 lm3–4 W
42 W400–480 lm4–5 W
53 W700–800 lm6–8 W
70 W900–1.000 lm8–10 W
Seit September 2023 dürfen Halogenlampen der gängigen Typen nicht mehr neu in der EU verkauft werden. Wer noch Halogenstrahler im Einsatz hat: Jeder einzelne Tausch gegen LED spart Geld. Zehn 50-Watt-Halogenstrahler, vier Stunden täglich, verursachen bei 23 Cent/kWh (Neukundentarif 2026) über 165 EUR Stromkosten im Jahr. Zehn LEDs mit gleichem Lichtstrom: unter 20 EUR. Die Lampen haben sich in wenigen Wochen bezahlt gemacht. [INTERNER LINK: "EU-Energielabel für Lampen 2026"]

Energiesparlampe (CFL) zu LED

Energiesparlampen haben ihre Zeit gehabt. Die 55 lm/W waren ein Fortschritt gegenüber Glühbirnen, aber sie sind langsam beim Start, enthalten Quecksilber, und die Lichtqualität reicht nicht an aktuelle LEDs heran.

CFLLumen (ca.)LED-Äquivalent
7 W380–400 lm3–4 W
11 W600–650 lm5–7 W
15 W820–900 lm7–9 W
20 W1.100–1.250 lm9–12 W

Lumen pro Watt: Die Zahl hinter den Tabellen

Eine einzige Kennzahl erklärt alles oben: Lumen pro Watt (lm/W). Wie viel nutzbares Licht macht eine Lampe aus einem Watt Strom?

Technologielm/W (typisch)
Glühbirne~12 lm/W
Halogen~16 lm/W
Energiesparlampe~55 lm/W
Standard-LED90–120 lm/W
Premium-LED130–170 lm/W
Ultra-Efficient LED200–210 lm/W
Der Unterschied zwischen Glühbirne und guter LED: Faktor 10 bis 15. Eine 8-Watt-LED kann dasselbe Licht liefern wie eine 100-Watt-Glühbirne. Das ist keine Werbung, das ist Physik.

Zwischen Standard- und Premium-LEDs ist der Abstand kleiner, aber er existiert und er summiert sich. Eine Premium-LED mit 150 lm/W braucht für 800 Lumen etwa 5,3 Watt. Eine Standard-LED mit 95 lm/W braucht 8,4 Watt. Pro Lampe wenig. Bei 15 Lampen im Haus über zehn Jahre: merkbar.

Die lm/W-Angabe steht nicht immer auf der Verpackung. Aber sie lässt sich ausrechnen. Lumen geteilt durch Watt. Drei Sekunden Taschenrechner.


Warum billige LEDs weniger leisten als versprochen

Wenn eine günstige LED schwächer wirkt als die Verpackung behauptet, liegt es fast immer an einem von zwei Dingen.

Der Treiber

Er wandelt Wechselstrom in Gleichstrom um und versorgt die LED-Chips. Billige Treiber arbeiten unpräzise, der Wirkungsgrad ist schlechter, die Chips bekommen nicht konstant die optimale Spannung. Die Lampe ist direkt schwächer, als sie sein könnte. Und sie flackert möglicherweise — seit September 2024 schreibt die EU einen SVM-Wert unter 0,4 vor, aber im Discounter-Regal stehen noch ältere Chargen, die das nicht erfüllen.

Die Temperatur

LED-Chips werden mit steigender Temperatur schwächer — Fachbegriff: thermisches Droop. Hochwertige Lampen haben größere Kühlkörper. Bei günstigen Modellen überhitzen die Chips schneller, die Helligkeit fällt früher ab, und nach ein, zwei Jahren ist die Lampe merklich dunkler als am ersten Tag.

Zwei LEDs mit identischer Watt-Angabe können sich spürbar in der Helligkeit unterscheiden. Wer Lumen kauft statt Watt, kauft tatsächliches Licht.


Der Trick mit "100-Watt-Äquivalent"

Auf vielen LED-Verpackungen steht groß "Ersetzt 100W". Als grober Orientierungspunkt ist das fair. Aber schau gleichzeitig auf die Lumen.

Manche Hersteller bezeichnen LEDs mit 1.200 Lumen als "100-Watt-Äquivalent", obwohl eine echte 100-Watt-Glühbirne 1.350 bis 1.520 Lumen hatte. Das ist ein Unterschied von 10 bis 20 Prozent. Wem das egal ist, der merkt es vielleicht nie. Wer einen Raum komplett umrüsten will und dasselbe Helligkeitsniveau erwartet, wird enttäuscht sein.

Daumenregel: Bei allem, was als "100W-Äquivalent" beworben wird, sollten es mindestens 1.350 Lumen sein. Weniger ist kein ehrliches Äquivalent. Mehr ist besser — die genannte Philips Ultra Efficient schafft 1.535 Lumen als "100W-Ersatz".


Wie viel Lumen brauchst du?

Die Tabellen oben helfen beim direkten Austausch einzelner Lampen. Aber wenn du einen Raum neu einrichtest, ist die relevantere Frage: Wie viel Lumen braucht der Raum insgesamt?

Das hängt von Raumgröße, Deckenhöhe, Wandfarbe und Nutzung ab. Dunkle Wände schlucken mehr Licht. Hohe Decken brauchen stärkere Leuchtmittel. Grobe Richtwerte:

RaumLumen pro m²
Schlafzimmer100–150 lm/m²
Wohnzimmer100–200 lm/m²
Küche (Arbeitsfläche)300–500 lm/m²
Bad200–300 lm/m²
Büro / Homeoffice300–500 lm/m²
Werkstatt300–500 lm/m²
Ein 20-m²-Wohnzimmer mit 150 lm/m² braucht 3.000 Lumen insgesamt. Das können vier LEDs mit je 800 Lumen sein, oder drei mit je 1.000 — oder eine einzige Deckenleuchte mit einem LED-Panel. [INTERNER LINK: "Wie viel Lumen pro Quadratmeter?"]

Stromkosten: Was der Unterschied kostet

Konkret durchgerechnet, mit aktuellen Strompreisen (2026):

SzenarioVerbrauch/JahrKosten bei 23 ct/kWhKosten bei 33 ct/kWh
10x 60W Glühbirne, 4h/Tag876 kWh201 EUR289 EUR
10x 42W Halogen, 4h/Tag613 kWh141 EUR202 EUR
10x 8W LED, 4h/Tag117 kWh27 EUR39 EUR
10x 4W Ultra-LED, 4h/Tag58 kWh13 EUR19 EUR
Von Glühbirne auf Standard-LED: 174 EUR Ersparnis im Jahr (bei 23 ct). Von Halogen auf LED: 114 EUR. Die LEDs kosten zusammen vielleicht 40 bis 60 EUR und haben sich in wenigen Monaten amortisiert.

23 Cent/kWh ist der aktuelle Neukundentarif laut Strom-Report (Januar 2026). Viele Bestandskunden zahlen noch 33 Cent. In beiden Fällen rechnet sich der Tausch.


Watt steht noch auf jeder Verpackung, weil die EU es vorschreibt. Nützlich ist die Zahl aber nur noch als Verbrauchsangabe. Wer wirklich wissen will, wie hell eine Lampe ist, schaut auf Lumen. Wer wissen will, wie effizient sie ist, teilt Lumen durch Watt. Alles andere ist Gewohnheit.

Und mein Vater? Hat sich die 7-Watt-LED mit 806 Lumen dann doch mitgenommen. Brennt jetzt im Keller. Er sagt, sie sei "gar nicht schlecht". Für seine Verhältnisse ein Ritterschlag.