Badbeleuchtung richtig geplant: IP-Zonen, Spiegelleuchten und Lux-Werte nach VDE 0100-701

Die Verpackung einer Badleuchte trägt häufig die Aufschrift "IP44 geeignet für Nassräume" und das soll reichen. Ob die Leuchte im richtigen Schutzbereich hängt, ob die Helligkeit am Spiegel zum Rasieren taugt oder ob der Farbwiedergabeindex den Lippenstift so verfärbt, dass man ihn draußen direkt wieder abwischt, steht dort nicht.
Die Norm hinter dem IP44-Kürzel heißt DIN VDE 0100-701 und wurde im Juni 2025 grundlegend überarbeitet. Die aktuelle Fassung unterscheidet drei Schutzbereiche mit unterschiedlichen Anforderungen, hat den bisherigen Bereich 3 abgeschafft und die Anforderungen an Steckdosen und Fehlerstromschutzschalter verschärft (Quelle: elektro-federico.de, "DIN VDE 0100-701:2025-06 - Neue Vorschriften für Elektroinstallationen im Bad", 2026).
Wer heute ein Bad neu einrichtet oder eine Leuchte tauscht, sollte die aktuellen Regeln kennen, bevor er auf einer Leiter steht.
Die drei Schutzbereiche: Was gilt wo
Die DIN VDE 0100-701:2025-06 teilt den Badraum in drei Zonen. Die Abmessungen und die jeweils zulässigen Geräte sind präzise festgelegt.
Schutzbereich 0 ist der Innenraum der Badewanne oder der bodengleichen Dusche bis 10 cm über dem Boden und bis 120 cm Radius um den Brausekopf. Hier sind ausschließlich Leuchten mit SELV zulässig, also Schutzkleinspannung bis 12 V AC oder 30 V DC. Die IP-Mindestklasse ist IPX7, Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen. Normale 230-V-Leuchten sind verboten, keine Ausnahme.
Schutzbereich 1 erstreckt sich senkrecht über dem Bereich 0 bis auf 2,25 m Höhe. Die neue Fassung der Norm schreibt hier mindestens IPX4 vor, empfiehlt aber IPX5, also Schutz gegen Strahlwasser. Dieser Bereich liegt direkt über Wanne und Dusche. Transformatoren dürfen dort nicht montiert werden, Schalter und Steckdosen sind grundsätzlich verboten.
Schutzbereich 2 umfasst einen 60 cm breiten Streifen rund um den Bereich 1, ebenfalls bis 2,25 m Höhe. Mindestanforderung: IPX4. Rasiersteckdosen mit eingebautem Trenntransformator nach DIN EN 61558-2-5 sind hier zulässig. Normale Steckdosen sind verboten.
Alles außerhalb dieser drei Bereiche ist der sogenannte außenliegende Bereich. Hier gilt formal IP20, also kein besonderer Wasserschutz. In der Praxis empfehlen Elektriker dennoch IP44, weil Dampf keine Zonengrenzen kennt.
Eine wichtige Neuregelung seit 2025: Alle Badezimmer-Steckdosen müssen, unabhängig vom Ort im Raum, mit einem Fehlerstromschutzschalter von höchstens 30 mA gesichert sein.
Wo hängt der Spiegel und welche Leuchte gehört dort hin
Der Spiegel hängt in den meisten Bädern direkt über dem Waschtisch, also an der Wand außerhalb der Schutzbereiche 0 und 1. Trotzdem kann er in Bereich 2 fallen, wenn der Waschtisch nah genug an Wanne oder Dusche steht. 60 cm klingen weit, sind es in einem kleinen Bad aber nicht.
Die Mindestklasse für eine Spiegelleuchte im Bereich 2 ist IP44. Im außenliegenden Bereich würde IP20 ausreichen, aber da der Spiegel im Bad immer mit Dampf und Spritzern zu rechnen hat, ist IP44 die vernünftige Wahl. IP65 kostet selten mehr als 5 bis 10 Euro Aufpreis pro Leuchte und dichtet dauerhaft besser ab.
Wie viel Licht braucht der Spiegel wirklich
Das ist die Frage, bei der sich die meisten Ratgeber vage halten. Die Brancheninitiative licht.de nennt 300 Lux als Minimum für die Allgemeinbeleuchtung im Bad. Für die Spiegelzone liegt die sinnvolle Schwelle höher.
Die Empfehlung von hausundinterieur.de, deren Redakteur Felix Brandt im Juni 2026 konkrete Messwerte zusammengestellt hat: 500 bis 1.000 Lux auf Gesichtshöhe für den Waschtisch- und Spiegelbereich. Zur Einordnung: Ein typischer Schreibtischarbeitsplatz nach DIN EN 12464-1 braucht 500 Lux. Rasieren oder Schminken erfordert ähnlich viel, wenn nicht mehr, weil das Auge Hauttöne, Bartschatten und Lidkanten beurteilen muss.
Die Allgemeinbeleuchtung des Bades, also die Deckenleuchte über dem Raum, liefert 150 bis 300 Lux auf Bodenhöhe. Das reicht für Orientierung, nicht für Pflege. Deswegen ist eine eigenständige Beleuchtung am Spiegel keine Designfrage, sondern eine funktionale.
Für einen typischen Badezimmerspiegel von 80 cm Breite ergeben sich folgende Richtwerte für die Lumenleistung der Spiegelleuchte:
| Spiegelgröße | Empfohlene Lumen | Ziel-Lux auf Gesicht |
|---|---|---|
| 60 cm Breite | 1.000 bis 1.500 lm | 300 bis 500 Lux |
| 80 bis 100 cm | 1.500 bis 2.000 lm | 400 bis 600 Lux |
| Über 100 cm | 2.000 bis 3.000 lm | 500 bis 1.000 Lux |
Licht von oben oder von der Seite: der unterschätzte Unterschied
Eine Deckenleuchte direkt über dem Spiegel wirft Schatten unter Augen, Nase und Kinn. Das Ergebnis sieht im Alltag aus wie schlechte Filmbeleuchtung für Verhörszenen. Nicht ideal zum Kontaktlinsen einsetzen oder Augenbrauen formen.
Zwei Wandleuchten links und rechts neben dem Spiegel beleuchten das Gesicht von vorn und von beiden Seiten gleichzeitig. Schatten werden eliminiert, das Licht ist gleichmäßiger. Die Montagehöhe sollte bei etwa 160 bis 170 cm liegen, also auf Augenhöhe. Wer dort eine Leuchte befestigt, leuchtet das Gesicht frontal aus, ohne den Spiegel selbst anzustrahlen und Reflexionen zu erzeugen.
Eine Leuchte über dem Spiegel ist besser als keine, weil sie zumindest das Gesicht von vorn anleuchtet und nicht von der Seite Schatten wirft. Zwei seitliche Leuchten sind besser als eine über dem Spiegel. Beide zusammen kombiniert, also oben und seitlich, ist das Optimum, und entspricht dem, was Filmsets für gut beleuchtete Close-ups einsetzen.
CRI über 90: warum das am Spiegel wirklich zählt
CRI, der Farbwiedergabeindex, misst wie natürlich Farben unter einer Lichtquelle erscheinen. Skala 0 bis 100, 100 ist Sonnenlicht. Günstige LED-Leuchten liegen oft bei CRI 70 bis 80.
Was das konkret bedeutet, hat mirlux.de beschrieben: Bei CRI unter 80 erscheinen Gesichter fahl, Rot wirkt bräunlich statt lebendig, Lippenstiftfarben sehen stumpf aus. Wer morgens im Bad Foundation aufträgt und draußen erschrickt, weil der Ton im Tageslicht ganz anders aussieht, hat wahrscheinlich eine Leuchte mit CRI unter 80 am Spiegel hängen.
Für den Spiegelbereich empfehlen Lichtplaner CRI 90 als Untergrenze, CRI 95 für anspruchsvollere Anwendungen. Der sogenannte R9-Wert für gesättigtes Rot sollte über 50 liegen, bei Schminkbeleuchtung über 80. R9 steht selten auf der Verpackung, aber Hersteller wie Helestra und Paulmann geben ihn in den technischen Datenblättern an.
Eine weitere Variante, die im Spiegelbereich sinnvoll ist: Tunable White, also einstellbare Farbtemperatur. Morgens bei 4.000 K neutralweiß rasieren, abends bei 2.700 K warmweiß entspannen. Die Paulmann Tova (78944) kombiniert das mit Dimmbarkeit und IP44 bei 600 Lumen und 6,2 W, aktueller Preis 138 Euro. Für das tägliche Schminken ist die einstellbare Farbtemperatur eher ein Komfortmerkmal, weil 4.000 K ohnehin die bessere Wahl für Pflegeroutinen ist.
Was am Markt zu haben ist
IP44-Spiegelleuchten mit CRI über 90 gibt es im mittleren Preissegment, aber man muss gezielt suchen. Auf die CRI-Angabe im Datenblatt achten, nicht nur auf das IP-Kürzel auf der Verpackung.
Die Helestra LADO 60 (18-1812-040) ist 60 cm lang, liefert 1.040 Lumen bei 12 W, Farbtemperatur 2.900 K warmweiß, CRI über 90, IP44. Preis bei ks-licht.de: 133 Euro, in Chrom oder Mattschwarz. Die LADO 90 (gleiche Linie, 90 cm) liefert 1.560 Lumen bei 18 W, CRI über 90, IP44, Preis ab 150 Euro.
Die Paulmann Mizar (79716) ist eine kompaktere IP44-Leuchte mit 835 Lumen bei 10,5 W, 3.000 K warmweiß, CRI über 80. Für Spiegel über 80 cm eher zu schwach, für kleine Badspiegel ausreichend.
Die Paulmann Luno (78949) in der 8-W-Version liefert 770 Lumen mit White-Switch-Funktion, also Farbtemperaturwechsel per Schalter. IP44, AL-Gehäuse. Wer kein Dimmsystem einbauen möchte, aber gelegentlich zwischen Lichtfarben wechseln will, kommt damit ohne zusätzliche Verkabelung aus.
Für Spiegel über 80 cm und das Ziel von 500 Lux auf Gesichtshöhe reicht eine einzelne 12-W-Leuchte meist nicht aus. Entweder zwei Leuchten, eine links und eine rechts, oder eine längere Leuchte mit 1.500 Lumen und mehr. Die Paulmann White Switch Luno 8 W mit 770 Lumen wäre für einen 60-cm-Spiegel gut dimensioniert, für einen 100-cm-Spiegel aber zu schwach.
Die Allgemeinbeleuchtung: was die Deckenleuchte leisten soll
Ein typisches 8-m²-Bad braucht für 200 bis 300 Lux auf Bodenhöhe rund 3.200 bis 4.000 Lumen aus der Deckenbeleuchtung. Das lässt sich mit vier Einbaustrahlern à 1.000 Lumen (je 8 W) erreichen, also 32 W Gesamtleistung für die Grundbeleuchtung. Für die Spiegelleuchte kommen zusätzlich 10 bis 18 W hinzu.
Wo die Einbauspots sitzen, bestimmt, ob das Licht gleichmäßig verteilt oder fleckig ist. Die Faustregel: Abstand zwischen zwei Spots entspricht etwa dem 1,2-fachen Abstand von der Decke zur Arbeitsfläche. Bei 2,5 m Deckenhöhe also rund 75 cm zwischen den Leuchten. Das verhindert helle Inseln und dunkle Zwischenzonen.
Wer Einbaustrahler in der Duschzone plant, braucht IP65 für Bereich 1. IP44-Strahler, die oft als "Badezimmer geeignet" verkauft werden, sind in Zone 1 nach der neuen Norm nicht mehr ausreichend, weil dort IPX5 empfohlen wird.
Farbtemperatur: was wo stimmt
Im Badezimmer prallen zwei Nutzungsarten aufeinander, die unterschiedliche Farbtemperaturen brauchen.
Für Pflege, Rasur und Schminken am Spiegel: 3.500 bis 4.500 K neutralweiß. Hausundinterieur.de fasst das so zusammen: Warmweiß bei 3.000 K schmeichelt dem Teint, verfälscht aber Hauttöne. Neutralweiß bei 4.000 K gibt natürlichere Farben wieder. Tageslichtweiß ab 5.000 K ist für Kontaktlinsen und Detailarbeiten, für die meisten anderen Zwecke aber zu hart.
Für die Entspannungszone, also Badewanne oder Duschbereich, wenn man abends abtaucht: 2.700 K warmweiß. Das ist die Farbtemperatur, bei der das Gehirn nicht mehr in Betriebsbereitschaft schaltet.
Eine dimmbare Allgemeinbeleuchtung kombiniert beides: morgens helles Neutralweiß, abends gedimmtes Warmweiß. Günstige dimmbare Einbaustrahler mit Neutralweiß 4.000 K und IP44 beginnen im Fachhandel ab etwa 15 Euro pro Stück. Für die Duschzone mit IP65 ab 20 Euro.
Was man beim Kauf tatsächlich prüfen muss
IP44 steht auf vielen Badleuchten, ist aber nicht das einzige Kriterium. Wer nachmisst, stellt manchmal fest, dass der Spiegel in Bereich 2 hängt, obwohl das Bad gar nicht besonders klein wirkt. 60 cm sind schnell überschritten. IP65 kostet wenig mehr und ist langfristig die unkompliziertere Wahl.
Der CRI-Wert steht seltener auf der Verpackung als das IP-Kürzel. "Warmweiß" ohne weitere Angabe deutet meist auf Werte unter 80 hin. Wer die Leuchte für tägliches Schminken oder Rasieren kauft, sollte das technische Datenblatt des Herstellers aufrufen. Dort steht der Ra-Wert, manchmal auch der R9-Wert. Beides sagt mehr über die Lichtqualität aus als die Wattzahl.
Die Lumenleistung in Relation zur Spiegelgröße wird fast überall unterschätzt. 600 Lumen für einen 80-cm-Spiegel klingen nach genug, weil die Deckenleuchte ja auch noch leuchtet. Sie tut es, aber nicht dort, wo man sie braucht. Spiegelbeleuchtung und Allgemeinbeleuchtung erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht gegeneinander aufgerechnet werden.
Beim Montageort gilt: Wer eine Leuchte in Bereich 1 einbauen möchte, also direkt über Wanne oder Dusche, muss entweder eine SELV-Leuchte mit 12 V nehmen oder sicherstellen, dass ein Elektriker die Installation abnimmt. Das ist seit der Normüberarbeitung 2025 nicht weniger wichtig geworden, sondern eher mehr. Die neue Fassung hat die Anforderungen an den Bereich über der Dusche verschärft, nicht gelockert.
Quellen:
- elektro-federico.de: "DIN VDE 0100-701:2025-06 - Neue Vorschriften für Elektroinstallationen im Bad", 2026. Änderungen seit 2008, Schutzbereiche, RCD-Anforderungen
- licht.de: "Installation im Bad: Schutzbereiche nach DIN VDE 0100", Abmessungen Schutzbereich 0/1/2, Spannungsgrenzen SELV, Montageverbote Transformatoren
- myelectricplan.com: "Schutzbereiche im Bad: Elektroinstallation nach DIN VDE 0100-701", Bereichsdefinitionen und IP-Anforderungen nach neuer Norm
- hausundinterieur.de: Felix Brandt, "Wie viel Lux braucht ein Badezimmer wirklich?", 16.06.2026. Lux-Werte nach Bereich, Farbtemperatur-Empfehlungen, CRI-Anforderungen
- beleuchtungs-ratgeber.de: "Wie viele Lumen braucht meine Spiegelleuchte pro Meter Spiegel?". Lumenwerte nach Spiegelgröße, Berechnungsformel mit Nutzungsfaktor
- hapa-design.com: "Wie viel Lumen braucht ein Spiegelschrank?", Guide 2026. Beispielprodukte mit Lumenwerten, licht.de-Empfehlung 300 Lux Minimum
- mirlux.de: "Was bedeutet CRI bei einem beleuchteten Badezimmerspiegel?". CRI-Stufen 70-100, R9-Wert, Alltagsauswirkungen schlechter Farbwiedergabe
- de.paulmann.com: Produktdaten Spiegelleuchte Tova 78944 (600 lm, 6,2 W, IP44, Tunable White, 138 Euro), Luno 78949 (770 lm, 8 W, IP44, White Switch), Mizar 79716 (835 lm, 10,5 W, IP44)
- ks-licht.de: Helestra LADO 60 (1.040 lm, 12 W, 2.900 K, CRI >90, IP44, 133 Euro), LADO 90 (1.560 lm, 18 W, CRI >90, IP44)


