In einem Schrebergarten am Rand von Karlsruhe-Knielingen, fünfzig Meter vom Naturschutzgebiet Burgau, hat Hans Birkenmaier vor sechs Jahren einen kleinen Teich angelegt, weil er wollte, dass die Frösche und Libellen wiederkommen. Sie kamen wieder. Was nicht zurückkam, waren die Nachtfalter. "Als Kind", sagt Birkenmaier, "als ich in den achtziger Jahren in Pforzheim aufgewachsen bin, war eine Sommernacht mit Außenlampe ein Wirbelsturm aus Faltern. Da kamen Eulenfalter, Schwärmer, Bärenspinner — drei, vier Arten gleichzeitig an der Lampe. Heute, an einem Junitag in Knielingen, sehe ich vielleicht zwei Falter pro Stunde."

Birkenmaier ist nicht allein mit dem Eindruck. Eine vielzitierte Krefelder Studie hat 2017 gezeigt, dass die Biomasse fliegender Insekten in deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 um 76 Prozent zurückgegangen ist. [^1] Über die Hauptursachen wird seither gestritten — Pestizide, Habitatverlust, intensive Landwirtschaft —, aber eine Ursache hat in den letzten fünf Jahren überraschend an Gewicht gewonnen: künstliches Licht in der Nacht. Die englische Abkürzung ALAN für "Artificial Light at Night" ist mittlerweile in Forschungspublikationen so geläufig wie CO₂ in der Klimadebatte. [^2]

Wenn du eine Außenbeleuchtung im Garten hast, bist du Teil dieses Problems. Nicht in einem moralischen Sinn, sondern in einem ganz mechanischen: Jede Lampe, die nachts ihr Licht in die Nachbarschaft strahlt, lockt Insekten aus ihren Habitaten, hält sie von Reproduktion und Nahrungssuche ab und tötet einen Teil von ihnen direkt am Leuchtkörper. Die Forschungsfrage hat sich in den letzten Jahren verschoben. Sie lautet nicht mehr "Schadet Licht den Insekten?", sondern "Welches Licht schadet wie?" — und die Antworten sind nicht so einfach, wie der Baumarkt es dir verkaufen will.

Wo die Falter hinwollen, wenn sie deine Lampe sehen

Nachtaktive Insekten orientieren sich evolutionär an Mond- und Sternenlicht. Eine künstliche Lichtquelle stört dieses Navigationssystem auf eine Weise, die in der Forschung mittlerweile gut verstanden ist. Eine Studie des Imperial College London und der University of Florida aus dem Jahr 2024 hat mit Hochgeschwindigkeitskameras gezeigt, dass Insekten nicht zur Lampe fliegen, wie es die Volksweisheit will, sondern dass sie versuchen, das Licht in einer festen Position zu ihrem Körper zu halten — was bei einer punktförmigen Lichtquelle in eine Spirale endet, die sie näher und näher an die Lampe bringt. Sie sind nicht angezogen, sie sind orientierungslos. [^3]

Das hat Konsequenzen für die Gestaltung von Lampen. Eine vollständig nach unten abgeschirmte Leuchte hat für einen vorbeifliegenden Falter ein viel kleineres "Lockwirkungsfeld" als eine ungeschirmte Kugelleuchte, die in alle Richtungen strahlt. Wenn die Forschungsgruppe Lichtverschmutzung am Leibniz-Institut für Gewässerökologie in Berlin von "insektenfreundlich" spricht, meint sie als allererstes: abgeschirmt. Die Farbtemperatur kommt erst danach.

Im Sommer 2025 hat das IGB zusammen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe in drei Naturschutzgebieten in Baden-Württemberg ein Großexperiment ausgewertet. Die Hälfte der Straßenlaternen entlang von Schutzgebieten wurde auf abgeschirmte LEDs mit reduziertem Streulicht umgerüstet, die andere Hälfte blieb unverändert. Das Ergebnis nach zwei Saisons: An den umgerüsteten Lampen wurden in etwa die Hälfte weniger Insekten in den Lichtfallen gefangen als an den unveränderten Lampen. [^4] Die Forschenden konnten den zusätzlichen Effekt einer reduzierten Farbtemperatur in dieser Studie statistisch nicht eindeutig nachweisen — wohlgemerkt nicht, weil er nicht da wäre, sondern weil die Abschirmung allein schon einen so großen Effekt hatte, dass die zusätzliche Spektralwirkung im Rauschen unterging.

Das ist die erste wichtige Erkenntnis, die du in jeder Baumarktwerbung über "insektenfreundliches Licht" suchst: Abschirmung ist wichtiger als Farbtemperatur.

Warum kaltweiß so schlecht ist

Trotzdem spielt die Wellenlänge eine Rolle, vor allem in Innenstädten und Vorgärten, in denen die Lampen nicht oder kaum abschirmbar sind. Insekten sehen anders als Menschen. Während wir die Welt in einem Spektrum zwischen rund 400 und 700 Nanometern wahrnehmen, sind viele Nachtfalter und Käfer besonders empfindlich für Wellenlängen unter 500 Nanometern — also Blau, Violett und Ultraviolett. Eine kaltweiße LED mit 6.500 Kelvin hat einen erheblichen Anteil an Licht im 450-Nanometer-Bereich, das blau aussieht und für Falter wie ein Leuchtfeuer wirkt. Eine warmweiße LED mit 2.700 Kelvin hat in diesem Bereich rund 60 Prozent weniger Strahlungsanteil. Eine amberfarbene LED mit 1.800 bis 2.000 Kelvin hat dort fast nichts. [^5]

In einer österreichischen Vergleichsstudie der Tiroler Landesumweltanwaltschaft mit dem Tiroler Landesmuseum, in der zwischen 2009 und 2010 verschiedene Leuchtmittel an drei Standorten parallel ausgehängt wurden, kamen Quecksilberdampflampen (mit hohem UV-Anteil) auf 152 angeflogene Insekten pro Lampe und Nacht im Durchschnitt. Natriumdampf-Hochdrucklampen mit ihrer warmgelben Farbe kamen auf 48. Eine warmweiße LED mit 3.000 Kelvin lag bei rund 31 angeflogenen Insekten. [^6] Der Faktor 5 zwischen den schlimmsten und den besten Lichtquellen ist real und gut belegt.

Zwischen warmweiß und amber wird der Unterschied dünner. Und genau hier wird die Geschichte interessant.

Die Exeter-Studie: amber ist nicht das Versprechen, das es zu sein scheint

Im April 2026 hat die University of Exeter zusammen mit der Universität Stirling in Schottland eine Studie veröffentlicht, die in Forschungskreisen für Aufsehen gesorgt hat. Mehr als 800 Nachtfalter aus 23 Arten, gefangen auf dem Penryn-Campus in Cornwall, wurden im Freiland einzelnen Lichtbedingungen ausgesetzt: natürliche Dunkelheit, weiße LED-Beleuchtung und amberfarbene LED-Beleuchtung in jeweils mehreren Intensitätsstufen. Die Aktivität der Falter wurde per Videografie erfasst.

Das Ergebnis: Bei einer Lichtintensität von 10 Lux (das entspricht ungefähr dem, was unter einer typischen Wohnstraßen-Laterne in einigen Metern Abstand ankommt) war die Aktivität der Falter um 85 Prozent reduziert gegenüber natürlicher Dunkelheit. Und — das ist die Pointe — die amberfarbene Beleuchtung reduzierte die Aktivität bei gleicher Lux-Intensität genauso stark wie die weiße Beleuchtung. [^7] Selbst bei nur 0,1 Lux, was ungefähr dem Skyglow am Stadtrand entspricht, waren bei einigen Arten messbare Effekte vorhanden — und zwar bei beiden Lichtfarben.

Dr. Jolyon Troscianko, einer der Studienautoren, formuliert die Konsequenz so: "Wir hatten gehofft, dass amberfarbenes Licht eine echte Alternative wäre. Was wir sehen, ist, dass das Spektrum eine kleinere Rolle spielt als die Intensität und vor allem die schiere Anwesenheit von Licht in der Nacht." Anders gesagt: Eine helle amberfarbene Lampe ist für nachtaktive Falter genauso schlimm wie eine helle weiße Lampe.

Diese Erkenntnis verändert, was wir Hobbygärtnern empfehlen sollten. Es reicht nicht, eine warmweiße LED auf 2.700 Kelvin auszuwählen, sich beim Naturschutzgedanken auf die Schulter zu klopfen und die Lampe weiter die ganze Nacht brennen zu lassen.

Was wirklich hilft, wenn du Insekten im Garten haben willst

Aus den Forschungsergebnissen der letzten zwei Jahre leiten sich vier konkrete Empfehlungen ab, die in dieser Reihenfolge wichtig sind. Wenn du nur eine umsetzen willst, fang mit der ersten an.

1. Schalt das Licht aus, wenn niemand da ist. Eine Lampe, die nicht brennt, lockt keine Insekten. Bewegungsmelder im Vorgarten und am Hauseingang sind die einzige nachweislich wirksame "Lichtverschmutzungsmaßnahme" mit nahezu null Kompromissen für die Wohnqualität. Wer eine Außenleuchte abends 30 Sekunden brauchst, statt sie sieben Stunden brennen zu lassen, hat seinen Beitrag zur Lichtverschmutzung um den Faktor 800 reduziert. Das schlägt jede Farbtemperatur-Optimierung um Längen.

2. Schirm die Lampe nach unten ab. Wenn deine Lampe leuchten muss — etwa als Wegebeleuchtung oder als Teichleuchte —, sollte sie zwingend nach unten gerichtet sein. Die Karlsruher Studie hat bewiesen, dass eine vollständig nach unten abgeschirmte Lampe rund 50 Prozent weniger Insekten anlockt als eine ungeschirmte. Pollerleuchten mit Top-Cap, Wandleuchten mit Schirm, Bodeneinbauleuchten — alles besser als die klassische Kugelleuchte oder die alte Hofleuchte ohne Hut. [^4]

3. Reduzier die Lichtintensität. Eine 800-Lumen-Wegeleuchte ist eine winzige Sonne im Garten. Eine 100-Lumen-Leuchte reicht für die meisten Wege völlig aus, wenn sie gut platziert ist. Die Lichtmenge ist nach der Exeter-Studie der zweitwichtigste Faktor nach der Anwesenheit von Licht überhaupt. Wer auf 200 statt 800 Lumen geht, reduziert die Lockwirkung der Lampe deutlich, oft um Faktor 2 bis 3 in Bezug auf Falteraktivität. [^7]

4. Wähl die Farbtemperatur warm — aber rechne nicht mit Wundern. Eine warmweiße LED mit 2.700 Kelvin oder amber mit 1.800 bis 2.200 Kelvin ist immer besser als eine kaltweiße mit 5.000 oder 6.500 Kelvin. Aber nach der Exeter-Studie ist der Unterschied zwischen 2.700 K und 2.000 K für viele Insektenarten nicht mehr so dramatisch wie zwischen 6.500 K und 2.700 K. Geh auf warmweiß, lass die "amber Premium"-Leuchten im Baumarkt aber nicht für mehr Geld aussehen, als sie wert sind.

In Norddeutschland, im Ostseebad Ahrenshoop, hat man 2024 fünfzehn Straßenlaternen installiert, die in den Dämmerungsstunden gelb-orange leuchten und in den späten Nachtstunden auf rot umschalten. "Insekten sehen rotes Licht in der Regel nicht", begründete Annett Storm, die Projektleiterin, das System. [^8] Das ist die letzte Stufe der Stadt-Beleuchtungs-Optimierung — adaptive Lichtfarben, die sich an die Aktivitätszyklen der Tiere anpassen. Im Privatgarten ist das übertrieben, aber als Vorbild lohnt es sich: rot ist für die meisten Falter unsichtbar, und ein roter LED-Strip am Gartenteich, mit Bewegungsmelder, ist ungefähr das insektenfreundlichste Licht, das man bauen kann.

Was du im Frühjahr 2026 noch ändern kannst

Birkenmaier hat in seinem Schrebergarten in Knielingen letzten Winter alle drei Außenleuchten umgerüstet. Die Hofleuchte am Geräteschuppen mit ihrer 11-Watt-LED-Birne, die kaltweiß strahlte, hat er gegen eine Wandleuchte mit Schirm und 4-Watt-Warmweiß-LED ersetzt — angeschlossen an einen Bewegungsmelder, der sie nach 60 Sekunden wieder auslöscht. Den Beleuchtungsstrahler, der den Garten als Solarlampe theoretisch grün-romantisch beleuchten sollte, hat er ganz abmontiert; er hatte ihn ohnehin nie wirklich genutzt. Und am Teich klebt jetzt ein 2-Meter-Streifen roter LEDs unter der Holzeinfassung, gespeist aus einer kleinen Solar-Powerbank, der 20 Sekunden anspringt, wenn jemand die Treppe runtergeht.

Die Falter, sagt er, sind dadurch nicht zurückgekommen. Aber er hat aufgehört, sie aktiv zu töten. Das ist mehr, als er vorher wusste, und es kostete ihn am Ende rund 90 Euro Material plus drei Stunden Arbeit. Manchmal ist das, was man im eigenen Garten beitragen kann, kein Naturschutzprogramm, sondern eine sehr leise Form von Anstand.

[^1]: Hallmann CA et al. (2017): "More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas." PLOS ONE 12(10).

[^2]: DarkSky International (2025): "Artificial Light at Night: State of the Science 2025". DarkSky.org. ALAN ist mittlerweile als anerkannte Form von Umweltverschmutzung in Forschungsliteratur etabliert.

[^3]: Fabian ST et al. (2024): "Why flying insects gather at artificial light." Nature Communications 15. Studie mit Hochgeschwindigkeitsvideografie an Imperial College London und University of Florida.

[^4]: Regierungspräsidium Karlsruhe / Leibniz-Institut für Gewässerökologie (IGB) Berlin (2025): Projekt "NaturLicht" — Feldstudie in drei Naturschutzgebieten Baden-Württembergs. Veröffentlichung 2025-07.

[^5]: Spektrale Anteile berechnet aus typischen LED-Datenblättern (CRI 80, BBL-konform). Werte variieren je nach Hersteller; die Tendenz ist robust.

[^6]: Huemer P, Kühtreiber H, Tarmann G (2010): "Anlockwirkung moderner Leuchtmittel auf nachtaktive Insekten — Ergebnisse einer Feldstudie in Tirol." Tiroler Landesumweltanwaltschaft / Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft. Innsbruck.

[^7]: Briolat ES et al. (2026): "Artificial light at night reduces moth activity regardless of spectrum." University of Exeter, veröffentlicht im April 2026. Über 800 Falter aus 23 Arten unter Freilandbedingungen getestet.

[^8]: Pilotprojekt Ostseebad Ahrenshoop, Mecklenburg-Vorpommern, 2024: 15 Rotlichtlaternen mit Seitenblenden und adaptiver Farbsteuerung.