Lux bei Dämmerung 2026: Vollständige Tabelle für bürgerliche, nautische und astronomische Phase (mit Werten für Straßenverkehr, Beleuchtung und Auge)

Frau Adamczyk aus einem Reihenhaus in Regensburg-Kumpfmühl hat im November 2025 an einem Sonntagnachmittag versucht herauszufinden, ab welcher Uhrzeit sie ihr Fahrrad mit dem Licht anmachen muss, wenn sie den Weg zum Bahnhof fährt. Die Straßenverkehrsordnung schreibt in Paragraf 17 vor, dass bei Dunkelheit oder bei erheblicher Sichtbehinderung während der Dämmerung die Beleuchtung eingeschaltet werden muss, ohne eine konkrete Lux-Grenze zu nennen. Frau Adamczyk hat eine halbe Stunde recherchiert und dabei gelernt, dass es drei verschiedene astronomische Dämmerungsphasen gibt, dass die bürgerliche Phase in etwa dem entspricht, was ein Radfahrer als noch tageshell empfindet, und dass die konkrete Beleuchtungsstärke in Lux stark davon abhängt, ob der Himmel klar oder bewölkt ist, ob sie im Wald oder auf freiem Feld unterwegs ist und wie hoch die Sonne aktuell unter dem Horizont steht. Sie hat sich am Ende eine Faustregel gemerkt: Sobald die eigene Uhr die Uhrzeit des Sonnenuntergangs zeigt, geht das Licht an, unabhängig davon, wie hell es noch draußen scheint.
Dieser Artikel liefert die vollständige Lux-Tabelle für alle drei Dämmerungsphasen, ordnet die Werte den physiologischen Sehbereichen des menschlichen Auges zu, dokumentiert die konkreten Vorschriften für Straßenverkehr und Arbeitsplätze und erklärt, warum eine Kaffeetasse bei nautischer Dämmerung genau richtig steht, ein Buch aber nicht mehr gelesen werden kann. Er ist geschrieben für Fahrradfahrer, Fotografen, Astronomen, Anlagenbauer und alle, die zwischen den Uhrzeiten des Sonnenuntergangs und der Sternennacht einen präzisen Anhaltspunkt für die tatsächliche Helligkeit suchen.
Die drei offiziellen Dämmerungsphasen
Der Wechsel vom sonnenhellen Tag zur dunklen Nacht ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein gradueller Übergang über mehrere Stunden. Die Astronomie unterscheidet dabei drei klar definierte Phasen, die sich am Sonnenstand unterhalb des Horizonts orientieren. Die erste Phase ist die bürgerliche Dämmerung, die vom Sonnenuntergang bis zu einem Sonnenstand von sechs Grad unter dem Horizont dauert. In dieser Phase kann eine Person auf freiem Feld ohne künstliches Licht bequem eine Zeitung lesen, das Straßenbild ist noch farbig wahrnehmbar und die hellsten Planeten Venus und Jupiter werden am Abendhimmel sichtbar.
Die zweite Phase ist die nautische Dämmerung, die vom Sonnenstand sechs Grad bis zwölf Grad unter dem Horizont dauert. Der Name stammt aus der Seefahrt, weil in dieser Phase am Meer die Horizontlinie noch klar erkennbar ist, was für die Navigation mit dem Sextanten wichtig war, und gleichzeitig die ersten helleren Sterne sichtbar werden, was die Sternnavigation ermöglicht. In dieser Phase lässt sich ein Buch nicht mehr ohne künstliches Licht lesen, aber die Umrisse der Landschaft und die groben Farben sind noch erkennbar.
Die dritte Phase ist die astronomische Dämmerung, die vom Sonnenstand zwölf Grad bis achtzehn Grad unter dem Horizont dauert. Erst mit dem Ende dieser Phase ist es astronomisch vollständig dunkel und der Himmel wird mit allen Sternen bis zur sechsten Größenklasse sichtbar. Für die Astrofotografie und die Deep-Sky-Beobachtung ist erst dieser Zustand nutzbar, weil das Restlicht vor der astronomischen Dunkelheit die schwachen Nebel und Galaxien überstrahlt.
In Süddeutschland dauert die gesamte Dämmerung im Frühjahr und Herbst rund eine Stunde und 46 Minuten vom Sonnenuntergang bis zur astronomischen Nacht, im Sommer rund drei Stunden und 25 Minuten, im Winter etwas kürzer als im Frühjahr. In nördlicheren Breitengraden verschieben sich diese Zeiten deutlich, in Hamburg endet die astronomische Dämmerung im Juni gar nicht, weil die Sonne nicht die nötigen 18 Grad unter den Horizont sinkt, was zu den sogenannten weißen Nächten führt.
Die Lux-Tabelle für alle Dämmerungsphasen und Referenzwerte
Die Beleuchtungsstärke in Lux während der drei Dämmerungsphasen variiert innerhalb der Phase deutlich, weil der Sonnenstand kontinuierlich sinkt und die Helligkeit exponentiell abnimmt. Die folgende Tabelle gibt die typischen Werte für einen wolkenfreien Himmel auf freiem Feld an, gemessen mit einem geeichten Luxmeter in horizontaler Ausrichtung auf halber Körperhöhe:
| Situation | Beleuchtungsstärke |
|---|---|
| Sonniger Sommertag, direktes Sonnenlicht | 80.000 bis 120.000 Lux |
| Bedeckter Sommertag, außen | 5.000 bis 20.000 Lux |
| Bedeckter Wintertag, außen | 500 bis 5.000 Lux |
| Sonnenuntergang mit klarem Himmel | 300 bis 500 Lux |
| Bürgerliche Dämmerung, klarer Himmel (0 bis -3 Grad) | 30 bis 300 Lux |
| Bürgerliche Dämmerung, spät (-3 bis -6 Grad) | 3 bis 30 Lux |
| Nautische Dämmerung, früh (-6 bis -9 Grad) | 0,3 bis 3 Lux |
| Nautische Dämmerung, spät (-9 bis -12 Grad) | 0,05 bis 0,3 Lux |
| Astronomische Dämmerung (-12 bis -18 Grad) | 0,005 bis 0,05 Lux |
| Vollmond in klarer Nacht | 0,25 bis 1 Lux |
| Halbmond in klarer Nacht | 0,05 bis 0,1 Lux |
| Sternenhimmel ohne Mond | 0,001 bis 0,003 Lux |
Wo das menschliche Auge in den mesopischen Bereich wechselt
Das menschliche Auge arbeitet in drei physiologischen Bereichen, die sich in der Nutzung der beiden Rezeptorarten Zapfen und Stäbchen unterscheiden. Der photopische Bereich, das klassische Tagsehen, nutzt ausschließlich die Zapfen und ist für Farbwahrnehmung und Detailerkennung optimiert. Er beginnt bei einer Leuchtdichte von rund 3 bis 30 Candela pro Quadratmeter, was einer Beleuchtungsstärke von rund 10 bis 100 Lux auf einer weißen Wand entspricht. Der skotopische Bereich, das reine Nachtsehen, nutzt ausschließlich die Stäbchen und verzichtet komplett auf Farbwahrnehmung, dafür arbeitet er mit einer rund tausendfach höheren Lichtempfindlichkeit. Er endet bei einer Leuchtdichte von rund 0,003 bis 0,03 Candela pro Quadratmeter, was einer Beleuchtungsstärke von rund 0,01 bis 0,1 Lux entspricht.
Der mesopische Bereich dazwischen ist der Dämmerungsbereich, in dem beide Rezeptorarten gleichzeitig aktiv sind. In diesem Bereich verändert sich die Farbwahrnehmung deutlich, blaue Farbtöne erscheinen leuchtender als in der Tagesbeleuchtung, rote und braune Töne dagegen dumpfer. Der Effekt wird als Purkinje-Verschiebung bezeichnet und ist der Grund, warum Filmaufnahmen zur Simulation von Nachtaufnahmen oft mit einem Blaufilter arbeiten, obwohl die reine Physik keinen blauen Farbverlauf begründet. Das Sprichwort "Nachts sind alle Katzen grau" beschreibt genau diese Situation, in der die Zapfen keine ausreichende Farbwahrnehmung mehr liefern.
Der Übergang vom photopischen in den mesopischen Bereich liegt bei rund 3 Lux und fällt damit in die späte bürgerliche Dämmerung, der Übergang vom mesopischen in den skotopischen Bereich bei rund 0,03 Lux und fällt damit in die späte nautische Dämmerung. Diese physiologischen Grenzen erklären, warum Radfahrer und Autofahrer in der bürgerlichen Dämmerung noch alle Farben wahrnehmen, im Verlauf der nautischen Dämmerung die Farbunterscheidung zunehmend verlieren und in der astronomischen Dunkelheit nur noch schwarz-weiß sehen.
Ein wichtiger Punkt für den Straßenverkehr: Die Adaptationszeit vom hellen ins dunkle Sehen ist deutlich länger als umgekehrt. Wer aus einer beleuchteten Bar auf eine dunkle Straße tritt, braucht rund 20 bis 30 Minuten, bis das skotopische Sehen voll aktiviert ist. In dieser Übergangsphase ist die Sehleistung eingeschränkt, was insbesondere für Autofahrer in der Dämmerung eine erhöhte Unfallgefahr bedeutet.
Vorschriften für den Straßenverkehr
Die deutsche Straßenverkehrsordnung schreibt in Paragraf 17 vor: "Während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen zu benutzen." Der Gesetzgeber verzichtet auf eine konkrete Lux-Grenze und überlässt die Beurteilung der subjektiven Sichteinschätzung des Fahrzeugführers, weil die Verhältnisse je nach Ort, Wetter, Straßenzustand und Fahrgeschwindigkeit stark variieren. Für Radfahrer und Motorradfahrer gilt die gleiche Regel.
In der Praxis empfehlen Verkehrsexperten und der ADAC, die Beleuchtung eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang einzuschalten und eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang auszuschalten. Diese Faustregel entspricht ungefähr der bürgerlichen Dämmerung und liegt im Bereich zwischen 3 und 300 Lux, in dem die Erkennbarkeit anderer Verkehrsteilnehmer bereits eingeschränkt ist, insbesondere für Fußgänger in dunkler Kleidung an schlecht beleuchteten Landstraßen. Für Traktoren und andere langsam fahrende Fahrzeuge im landwirtschaftlichen Bereich empfiehlt die Berufsgenossenschaft eine noch frühere Einschaltung.
Für die Auslösung der automatischen Lichtsteuerung in modernen Fahrzeugen setzen die Hersteller Grenzwerte im Bereich von 250 bis 400 Lux, gemessen mit dem eingebauten Lichtsensor an der Frontscheibe. Diese Schwelle liegt in der frühen bürgerlichen Dämmerung, entspricht also einem eher konservativen Anspruch an die Sichtverhältnisse. Wer den Automatikmodus deaktiviert und die Beleuchtung selbst steuert, sollte sich an dieser Grenze orientieren oder etwas früher einschalten, um den Sicherheitsgewinn nicht durch verzögertes Anmachen zu vergeuden.
Ein spezieller Fall sind Fahrzeuge mit Tagfahrlicht, das nach EU-Verordnung 87/2009 seit 2011 an allen neuen Pkw verpflichtend ist. Das Tagfahrlicht ersetzt nicht die Frontscheinwerfer und wird in der Regel bei einsetzender Dämmerung automatisch durch die vollen Scheinwerfer ergänzt oder abgeschaltet. Autofahrer sollten diesen Wechsel im Dashboard beobachten und bei Zweifeln den Beleuchtungsschalter manuell auf Abblendlicht stellen, weil bei aktivem Tagfahrlicht ohne Schlussleuchten das eigene Fahrzeug für Nachfolger schlechter erkennbar ist.
Vorschriften für Innenraumbeleuchtung nach DIN EN 12464-1
Für Innenraumarbeitsplätze schreibt die europäische Norm DIN EN 12464-1 in der aktuellen Fassung von 2021 konkrete Mindest-Beleuchtungsstärken vor, die deutlich über den Dämmerungswerten liegen. Ein Standardbüroplatz muss mindestens 500 Lux Wartungswert am Arbeitsplatz erreichen, ein Konferenzraum 500 Lux, ein Reinigungsraum 200 Lux, ein Flur und Nebenraum 100 Lux. Diese Werte sind Wartungswerte, das heißt, sie müssen bei nachlassender Leuchtmittelalterung und verschmutzter Leuchte weiterhin garantiert sein, weshalb bei der Neuinstallation typischerweise 20 bis 30 Prozent Reserve eingeplant werden.
Für spezielle Arbeitsplätze wie CAD-Arbeitsplätze, Nähbereiche mit dunklen Stoffen oder feinmechanische Prüfarbeit liegen die Anforderungen bei 750 bis 1500 Lux, für sehr präzise Arbeit wie Uhrenmontage oder chirurgische Eingriffe bei 2000 bis 5000 Lux. Die genauen Zuordnungen sind in der Norm nach Tätigkeit gestaffelt und für den privaten Wohnbereich nicht verbindlich, dienen aber als Referenz für die Innenraumplanung. Ein Wohnzimmer mit einer Grundhelligkeit von 100 bis 200 Lux und einer Leselampe von 500 Lux am Sessel entspricht ungefähr den norm-inspirierten Empfehlungen für den Wohnbereich.
Ein Vergleich der Innenraumvorgaben mit den Dämmerungswerten zeigt die Größenordnungen: Ein normkonform beleuchtetes Büro liefert am Arbeitsplatz die 500-fache Beleuchtungsstärke einer klaren Vollmondnacht auf freiem Feld. Umgekehrt liegt die Grundbeleuchtung eines dämmerhellen Wohnzimmers bei rund 3 bis 10 Lux, was der späten bürgerlichen Dämmerung im Freien entspricht. Für die abendliche Wohnatmosphäre ist das eine bewusste Wahl, für konzentrierte Arbeit dagegen deutlich zu wenig und führt bei Dauereinsatz zu Ermüdung und Konzentrationsverlust.
Lux-Werte für Fotografie und Astronomie
Für die Fotografie sind die Dämmerungswerte in Lux ein wichtiger Anhaltspunkt für die Belichtungsplanung. Ein Beispiel: In der klaren bürgerlichen Dämmerung mit rund 30 Lux Umgebungsbeleuchtung benötigt eine Landschaftsaufnahme mit ISO 100 und Blende f/8 eine Belichtungszeit von rund 2 Sekunden, was ein Stativ zwingend nötig macht. In der nautischen Dämmerung mit rund 0,3 Lux verlängert sich die Belichtungszeit auf rund 3 Minuten, in der astronomischen Dämmerung auf 30 Minuten oder mehr. Fotografen der blauen Stunde arbeiten typischerweise in der bürgerlichen Dämmerung mit einer Beleuchtung zwischen 10 und 30 Lux, weil in diesem Bereich die charakteristische blaue Färbung des Himmels ihre Sättigung erreicht und die Umgebungshelligkeit noch ausreicht, um Fassaden und Landschaftsdetails ohne extreme Belichtungszeiten festzuhalten.
Für die Astrofotografie ist erst der Bereich unter 0,01 Lux nutzbar, weil oberhalb dieser Schwelle das Restlicht des Himmels die schwachen Deep-Sky-Objekte überstrahlt. Amateurastronomen orientieren sich an der Sonnenstand-Regel und beginnen die Beobachtung frühestens 60 Minuten nach Sonnenuntergang, für Deep-Sky-Aufnahmen erst nach dem Ende der astronomischen Dämmerung. Die Bortle-Skala, ein neunstufiges Klassifikationssystem für die Lichtverschmutzung, ordnet den natürlichen dunklen Nachthimmel ohne künstliche Beleuchtung der Klasse 1 zu, mit einer Zenith-Helligkeit von rund 22,0 Magnituden pro Quadratbogensekunde oder umgerechnet einer Beleuchtungsstärke von rund 0,0001 Lux. In einer typischen deutschen Kleinstadt liegt die Klasse bei 5 bis 7 mit einer Beleuchtungsstärke von 0,001 bis 0,01 Lux, was Deep-Sky-Beobachtung deutlich erschwert.
Ein praktischer Hinweis für die Astronomie und die Nachtfotografie: Der Übergang in die Dunkelheit fühlt sich für das dunkeladaptierte Auge langsamer an, als er physikalisch abläuft. Zwei Personen, die zu unterschiedlichen Zeiten an denselben dunklen Ort kommen, nehmen die Helligkeit unterschiedlich wahr, weil die erst vor fünf Minuten aus dem beleuchteten Auto Ausgestiegene noch nicht dunkeladaptiert ist. Für ernsthafte Astronomie ist eine Dunkeladaptationsphase von mindestens 30 Minuten Standard, in dieser Zeit sollte die Rotlichtlampe für Kartennutzung und die vermeidung jedes weißen Lichtblitzes zwingend eingehalten werden.
Der praktische Nutzen der Tabelle
Für den Alltag sind die genauen Lux-Werte selten operationalisierbar, aber die Größenordnungen helfen beim Verständnis akustischer, physiologischer und rechtlicher Zusammenhänge. Wer in der Dämmerung Fahrrad fährt und sich fragt, ob das Licht schon nötig ist, kann die Faustregel Sonnenuntergang plus 20 Minuten anwenden und weiß dann, dass er im Bereich der frühen bürgerlichen Dämmerung mit rund 30 bis 300 Lux liegt. Wer in einem dämmerhellen Wohnzimmer sitzt und sich fragt, warum das Buch nicht mehr klar lesbar ist, kann prüfen, dass die typische Wohnraumhelligkeit bei rund 100 Lux liegt, für konzentriertes Lesen aber mindestens 300 bis 500 Lux nötig sind, was den Griff zur Leselampe erklärt.
Wer eine Anlage für Präsentationen oder Ausstellungen plant und die Wirkung verschiedener Grundbeleuchtungen abschätzen will, kann sich an den Bezugspunkten orientieren: 20 Lux entsprechen einem gemütlichen Restaurant-Ambiente, 200 Lux einer klassischen Wohnzimmerbeleuchtung, 500 Lux einer Bürobeleuchtung, 1000 Lux einer präzisen Werkstattbeleuchtung. Für Kunstausstellungen mit lichtempfindlichen Exponaten wie Aquarellen oder Fotografien schreibt die Museumsakademie 50 Lux als Maximum vor, um die Materialalterung zu minimieren, was einer sehr dämmerhellen Beleuchtung entspricht und für viele Besucher zunächst ungewöhnlich dunkel wirkt.
Für die eigene Wahrnehmung der Dämmerung lohnt sich der Blick auf die eigene Uhrzeit: Wer in Süddeutschland um 20 Uhr im Sommer den Sonnenuntergang beobachtet, kann davon ausgehen, dass die bürgerliche Dämmerung um 20:40 Uhr endet und die nautische um 21:40 Uhr. Die astronomische Dunkelheit stellt sich erst gegen 23:00 Uhr ein, was für Sommerastronomen die späte Beobachtungszeit erklärt. Im Winter verschieben sich alle drei Phasen entsprechend, im November liegt der Sonnenuntergang um 16:30 Uhr und die astronomische Dunkelheit ist bereits um 18:15 Uhr erreicht, was für die winterliche Astrofotografie deutlich mehr Beobachtungszeit ermöglicht.
Fazit
Die Beleuchtungsstärke während der drei Dämmerungsphasen bewegt sich in einem Bereich von rund 300 Lux beim Sonnenuntergang bis unter 0,01 Lux am Ende der astronomischen Dämmerung. Die bürgerliche Phase deckt den Bereich zwischen 3 und 300 Lux ab und lässt Freilesen und Farbwahrnehmung zu, die nautische Phase liegt zwischen 0,05 und 3 Lux und macht ein Buch unlesbar, ohne die groben Landschaftsdetails zu verlieren, die astronomische Phase unter 0,05 Lux ist die einzige Zeit, in der ein reiner Sternenhimmel ohne Restlicht sichtbar wird. Das menschliche Auge wechselt in dieser Reihe vom photopischen ins mesopische Sehen bei rund 3 Lux und vom mesopischen ins skotopische Sehen bei rund 0,03 Lux.
Für den Alltag ist die Frage nach der genauen Beleuchtungsstärke selten präzise beantwortbar, weil Wettereinflüsse, Standort und lokale Beleuchtung die Werte erheblich verändern. Die Größenordnungen der Tabelle sind ein Anhaltspunkt für die eigene Einschätzung und für den Vergleich von Situationen. Wer sich fragt, warum die Wohnzimmerlampe abends dunkler wirkt als tagsüber, obwohl sie identisch bleibt, findet in der Adaptation des Auges an die aktuelle Umgebungshelligkeit die Antwort: Bei 200 Lux Wohnraumhelligkeit gegen 1000 Lux Tageslicht durchs Fenster wirkt die Lampe schwach, bei 200 Lux gegen 0,3 Lux nautische Dämmerung draußen wirkt die gleiche Lampe hell. Die Beleuchtungsstärke ist eine physikalische Größe, die Helligkeitswahrnehmung eine physiologische, und beide bewegen sich in unterschiedlichen Skalen.
Frau Adamczyk hat sich am Ende ihrer Recherche eine kleine Lux-Tabelle auf die Rückseite ihres Fahrradschlüssels geklebt und schaltet ihr Licht heute konsequent bei Sonnenuntergang plus 15 Minuten ein. Sie fühlt sich damit rechtssicher und sichtbar und hat die Diskussionen mit ihrem Mann über die richtige Einschaltzeit endgültig beendet.


