Solarleuchten überwintern: Warum der Frost nicht das Problem ist, sondern das Laden

Im November stellt sich jedes Jahr dieselbe Frage: Bleiben die Solarleuchten draußen oder kommen sie rein? Die verbreitete Antwort lautet, Frost sei schlecht für Akkus. Das stimmt so nicht, und der Irrtum führt dazu, dass viele das Falsche tun.
Ein Lithium-Akku übersteht tiefe Temperaturen im entladenen oder ruhenden Zustand meist unbeschadet. Manche Zelltypen, etwa Lithium-Eisenphosphat, lassen sich sogar bis etwa minus zwanzig Grad sicher entladen. Was Akkus tatsächlich zerstört, ist etwas anderes: das Laden bei Minusgraden.
Was beim Laden im Frost passiert
Beim Laden wandern Lithium-Ionen in die Graphitschicht der negativen Elektrode und lagern sich dort ein. Dieser Vorgang braucht eine Mindesttemperatur, um schnell genug abzulaufen.
Ist die Zelle zu kalt, kommen die Ionen nicht mehr hinterher. Statt sich einzulagern, schlagen sie sich als metallisches Lithium auf der Oberfläche nieder. Fachleute nennen das Lithium-Plating. Diese Ablagerungen bilden sich nicht zurück. Sie verringern die Kapazität dauerhaft und können im ungünstigen Fall zu inneren Kurzschlüssen führen.
Genau diese Situation entsteht bei einer Solarleuchte im Januar mit erschreckender Zuverlässigkeit. Die Sonne scheint auf das Modul, das Modul liefert Strom, der Akku ist bei minus drei Grad, und die Elektronik lädt trotzdem.
Ob das passiert, entscheidet ein Bauteil, das in Datenblättern selten auftaucht: ein Batteriemanagementsystem, das den Ladevorgang bei kritischen Temperaturen abschaltet. Hochwertige Zellen bringen es mit, günstige Gartenleuchten aus dem Baumarkt in der Regel nicht.
Was das für die Praxis heißt
Leuchten mit einfacher Elektronik gehören im Winter abgeschaltet oder abgebaut. Nicht wegen der Kälte, sondern weil sie bei jedem sonnigen Frosttag laden und dabei Substanz verlieren. Ein Winter kostet so schnell ein Drittel der Kapazität, und im Frühjahr wundert man sich, dass die Leuchte nur noch zwei Stunden brennt.
Leuchten mit Temperaturschutz können draußen bleiben. Sie laden bei Frost einfach nicht und nehmen keinen Schaden. Ob eine Leuchte das kann, steht selten im Prospekt. Ein Hinweis auf ein BMS oder auf LiFePO4-Zellen spricht dafür, eine namenlose Akkuangabe dagegen.
Der Schalter ist die einfachste Lösung. Viele Leuchten haben einen Ein-Aus-Schalter, der den Verbraucher trennt, aber nicht das Laden. Wo es einen Schalter für beides gibt, ist er im Winter die richtige Stellung. Im Zweifel hilft nur Abdecken oder Abbauen.
Wie eine Leuchte richtig eingelagert wird
Wenn Sie abbauen, entscheidet der Ladezustand über den Zustand im Frühjahr.
Auf 40 bis 50 Prozent laden, nicht voll und nicht leer. Ein voll geladener Lithium-Akku altert schneller, ein tiefentladener kann irreversibel schaden nehmen. Der mittlere Bereich ist der schonendste für die Lagerung.
Kühl, aber frostfrei lagern. Als günstiger Bereich gelten etwa 10 bis 35 Grad. Ein ungeheizter Keller ist ideal, ein Dachboden im Sommer nicht.
Alle drei Monate nachladen. Lithium-Akkus entladen sich langsam selbst. Ein Zyklus im Winter verhindert, dass die Zelle unter die kritische Spannung fällt.
Vorher reinigen. Erde und Laub auf dem Modul sind im Frühjahr eingetrocknet und schwerer zu entfernen. Ein feuchtes Tuch im November spart im März Arbeit.
Was viele unterschätzen: die Modulverschmutzung
Unabhängig vom Akku gibt es einen zweiten Grund, warum Solarleuchten im Frühjahr schlechter laufen als im Herbst. Das Modul ist dreckig.
Über den Winter setzen sich Staub, Pollenreste, Laubabrieb und Kalkränder aus Regenwasser ab. Eine Schicht, die man kaum sieht, kostet leicht zwanzig bis dreißig Prozent des Ertrags. Bei einer Leuchte, die im Sommer knapp ausreicht, ist das der Unterschied zwischen einer durchgehenden Nacht und drei Stunden Licht.
Wer die Leuchten draußen lässt, sollte deshalb im Frühjahr zuerst das Modul putzen, bevor er über einen neuen Akku nachdenkt. In vielen Fällen erledigt sich das Problem damit.
Wann sich der Aufwand nicht lohnt
Bei sehr günstigen Leuchten mit fest verbautem Akku steht der Aufwand in keinem Verhältnis. Wenn der Akku nach zwei Jahren schwächelt und sich nicht tauschen lässt, ist die Leuchte ohnehin am Ende ihres Lebens.
Die Überwinterung lohnt dort, wo der Akku tauschbar ist oder die Leuchte einen nennenswerten Anschaffungspreis hatte. Ein Kriterium beim Kauf, das wir in unseren Vergleichen berücksichtigen: Ein Modell mit Standardakku, den man für wenige Euro ersetzen kann, ist langfristig günstiger als eines mit verklebter Zelle. Welche Modelle den deutschen Winter tatsächlich überstehen, haben wir im Test winterfester Solarleuchten untersucht.
Kurz zusammengefasst
Frost allein schadet einer ruhenden Zelle wenig. Gefährlich wird das Laden bei Minusgraden, und ob eine Leuchte das verhindert, hängt an ihrer Elektronik. Wer unsicher ist, schaltet ab oder baut ab, lagert bei halbem Ladestand kühl und frostfrei und lädt alle drei Monate nach. Und im Frühjahr wird zuerst das Modul geputzt, bevor über Ersatz nachgedacht wird.
Quellen: priwatt.de, "LiFePO4-Lebensdauer: Tipps für maximale Effizienz und Haltbarkeit" (abgerufen 2026), zu Zyklenzahlen und Entladung bis minus zwanzig Grad; drbo-greenenergy.de, "Balkonspeicher im Winter und Sommer: Überleben LiFePO4-Akkus Frost" (abgerufen 2026), zur Beschreibung des Lithium-Platings beim Laden unter null Grad und zur Rolle des Batteriemanagementsystems; 3dkuestendruck.de, "Lithium-Batterien richtig laden und lagern" sowie evlithium.com, "So lagern Sie LiFePO4-Batterien sicher" (abgerufen 2026), zu Lagerladestand von 40 bis 50 Prozent, Lagertemperatur zwischen 10 und 35 Grad und Nachladeintervall.


