Werkstatt und Garage beleuchten: 500 Lux, und die Gefahr, die niemand auf dem Schirm hat

Bei der Werkstattbeleuchtung wird fast ausschließlich über Helligkeit geredet. Die Lux-Zahl ist aber nur die halbe Antwort, und die andere Hälfte ist die, bei der es gefährlich werden kann.
Was die Regel verlangt
Für Arbeitsstätten gilt die Technische Regel ASR A3.4. Sie nennt für Maschinenarbeit nach Feinheit gestaffelte Werte: 300 Lux für grobe und mittlere Maschinenarbeit, 500 Lux für feine Maschinenarbeit. Für Schlossereien, Maschinenarbeit und Kfz-Werkstätten wird als Grundbeleuchtung ein Mindestwert von 500 Lux genannt.
Zum Einordnen: Eine normal beleuchtete Wohnküche liegt bei 200 bis 300 Lux, ein Büroarbeitsplatz bei 500. Eine typische Garage mit einer Deckenlampe kommt auf 50 bis 100.
Für die private Garage gilt die ASR nicht, sie ist aber der beste verfügbare Maßstab. Wer dort schraubt, arbeitet an denselben Maschinen wie ein Betrieb.
| Tätigkeit | Richtwert |
|---|---|
| Garage, nur Abstellen | 100 Lux |
| Grobe und mittlere Maschinenarbeit | 300 Lux |
| Feine Maschinenarbeit, Kfz-Werkstatt | 500 Lux |
| Sehr feine Arbeiten, Messen, Prüfen | 750 bis 1.000 Lux |
Die Gefahr, über die selten gesprochen wird
Und jetzt der Teil, der diesen Artikel von einer Lumen-Tabelle unterscheidet.
Licht, das mit Netzfrequenz betrieben wird, ist nicht konstant hell. Es schwankt, und zwar schnell genug, dass das Auge es nicht als Flackern wahrnimmt. Bei einer rotierenden Maschine kann diese Schwankung dazu führen, dass eine laufende Welle, ein Bohrfutter oder ein Sägeblatt stillstehend oder langsam rückwärts laufend erscheint. Das ist der stroboskopische Effekt.
Die ASR A3.4 nimmt das ausdrücklich auf: Flackern oder Pulsation dürfen keine Unfallgefahren durch stroboskopische Effekte oder Ermüdung hervorrufen. Und weiter: Maschinen mit zugänglichen, ungeschützten bewegten Teilen dürfen nicht zusammen mit einer Beleuchtung betrieben werden, die einen solchen Effekt erzeugt.
Der Irrtum dabei ist, das für ein Problem alter Leuchtstoffröhren zu halten. Es kann auch bei LED auftreten, und besonders dann, wenn die Leuchte über Pulsweitenmodulation gedimmt wird. Billige LED-Treiber ohne saubere Glättung erzeugen eine stärkere Schwankung als eine Leuchtstoffröhre mit elektronischem Vorschaltgerät.
Was dagegen hilft
Die klassischen Gegenmaßnahmen sind elektronische Vorschaltgeräte und die Verteilung der Leuchten auf verschiedene Phasen eines Drehstromnetzes. Beides sorgt dafür, dass die Helligkeitsschwankungen sich gegenseitig ausgleichen statt zu addieren.
Für die kleine Werkstatt und die private Garage, wo kein Drehstrom für die Beleuchtung anliegt, gelten drei praktische Regeln:
Mehrere Leuchten statt einer. Schon zwei getrennt versorgte Leuchten mit unterschiedlichen Treibern verringern den Effekt, weil ihre Schwankungen nicht synchron laufen.
Auf den Flimmerwert achten. Hersteller geben das teilweise als Flicker-Prozentsatz oder über Kennwerte wie PstLM und SVM an. Je niedriger, desto besser. Leuchten ohne jede Angabe sind kein gutes Zeichen. Mehr dazu im Artikel über LED-Flimmern und Gesundheit.
Nicht über PWM dimmen, wo Maschinen laufen. Wenn gedimmt werden soll, dann über eine Konstantstromregelung.
Eine einfache Prüfung ohne Messgerät: Mit der Zeitlupenfunktion des Telefons auf die eingeschaltete Leuchte halten. Sichtbare Streifen oder Helligkeitswellen im Zeitlupenvideo bedeuten starke Modulation. Das ist keine normgerechte Messung, aber es trennt zuverlässig die unauffälligen von den auffälligen Leuchten.
Was sonst zählt
Blendfreiheit. In einer Werkstatt schaut man nach oben, unter Fahrzeuge, in Maschinen hinein. Eine nackte LED-Röhre im Sichtfeld blendet und ermüdet. Leuchten mit Abdeckung oder milchiger Wanne sind hier klar im Vorteil.
Schutzart. In Garage und Werkstatt herrschen Staub und Feuchtigkeit. IP65 ist der übliche Standard für Feuchtraumleuchten, IP54 die Untergrenze. Die Einordnung steht im Artikel über IP-Schutzarten.
Farbwiedergabe. Wer Farben unterscheiden muss, also bei Lackarbeiten, bei Kabelfarben, beim Erkennen von Oxidation, braucht einen ordentlichen Farbwiedergabeindex. Unter 80 wird es schwierig, ab 90 ist es komfortabel. Dazu der Artikel über den CRI-Wert.
Lichtfarbe. In der Werkstatt hat sich neutralweiß um 4000 Kelvin bewährt. Wärmer wirkt gemütlich und erschwert das Erkennen von Details, kälter wirkt ungemütlich und ermüdet über längere Zeit.
Zusätzliches Licht am Arbeitsplatz. Die Grundbeleuchtung deckt den Raum ab, die Feinarbeit braucht eine eigene Leuchte direkt an der Werkbank. Das ist wirksamer und billiger, als die gesamte Halle auf 1.000 Lux zu bringen.
Wie viele Leuchten für welche Fläche
Eine überschlägige Rechnung: Für 300 Lux in einer Garage von 20 Quadratmetern brauchen Sie rund 6.000 Lumen an der Arbeitsebene. Wegen Verlusten durch Abstrahlwinkel, Verschmutzung und Reflexion rechnet man in der Praxis mit einem Zuschlag und landet bei etwa 8.000 bis 10.000 Lumen installierter Lichtstrom.
Das entspricht drei bis vier Feuchtraumleuchten der üblichen Bauform. Wer auf 500 Lux will, verdoppelt ungefähr.
Wichtiger als die Gesamtzahl ist die Verteilung. Vier schwächere Leuchten, gleichmäßig verteilt, liefern ein besseres Ergebnis als zwei starke in der Mitte, weil sie Schatten vermeiden. Und Schatten sind in der Werkstatt das eigentliche Problem: Man arbeitet mit den Händen zwischen Lichtquelle und Werkstück.
Quellen: Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.4 Beleuchtung, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, mit den Beleuchtungsstärken für grobe, mittlere und feine Maschinenarbeit und den Anforderungen zu Flackern und stroboskopischen Effekten · KomNet-Dialog des Landesamts für Arbeitsschutz NRW zur erforderlichen Beleuchtungsstärke bei der Bedienung von Maschinen · Fachbeitrag der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse zum stroboskopischen Effekt bei LED-Beleuchtung


