Es gibt eine Zimmerpflanze, die ihre Lichtverhältnisse jeden Abend selbst kommentiert. Die Calathea klappt bei Einbruch der Dunkelheit die Blätter nach oben, oft hörbar, und senkt sie am Morgen wieder. Wer sie nachts im Wohnzimmer stehen hat, kennt das leise Rascheln.

Das ist kein Zeichen von Stress, sondern die Grundfunktion der ganzen Familie. Die Marantaceae heißen im Englischen nicht umsonst prayer plants.

Die Mechanik der Blattbewegung

Am Ansatz jedes Blattstiels sitzt eine Verdickung, das Pulvinus, eine Art Gelenk. Es besteht aus Motorzellen, die Kalium-Ionen aktiv hinein- oder herauspumpen. Wo Kalium hineinwandert, folgt Wasser durch Osmose, die Zellen schwellen an, und das Blatt bewegt sich. Es ist ein hydraulisches Scharnier, gesteuert von der inneren Uhr der Pflanze.

Der Vorgang heißt Nyktinastie und läuft auch dann weiter, wenn man die Pflanze in Dauerdunkelheit stellt. Der Rhythmus sitzt also in der Pflanze, nicht im Lichtwechsel. Diskutiert werden mehrere Funktionen: bessere Ausnutzung des spärlichen Lichts im Regenwaldunterwuchs am Tag, Aufnahme von Tau in der Nacht, und weniger Feuchtigkeit auf der Blattoberfläche, was Pilzbefall entgegenwirkt.

Für die Praxis am Fensterbrett ist daraus vor allem eines abzuleiten: Eine Calathea, die abends die Blätter hochstellt, ist gesund. Eine, die das tagsüber tut, hat ein Problem. Und das ist meistens nicht das Licht.

Die Zahlen

Die Calathea stammt aus dem Unterwuchs tropischer Wälder. Dort steht sie unter einem geschlossenen Kronendach, in Licht, das mehrfach gefiltert wurde. Genau diese Situation gilt es nachzubauen.

SituationBeleuchtungsstärkeBewertung
Absolutes Minimumab etwa 750 Luxüberlebt, wächst kaum
Guter Bereich1.500 bis 3.000 LuxWunschbereich
Kritische Grenzeab etwa 5.000 Luxdirekte Sonne, Blattschäden
Südfenster, Mittagssonne30.000 bis 80.000 Luxverbrennt zuverlässig
Diese Zahlen sind erstaunlich niedrig, und das ist der Grund, warum die Calathea als schwierig gilt, obwohl sie beim Licht eigentlich genügsam ist. Sie wird zu hell gestellt, nicht zu dunkel. Der gut gemeinte Platz am Südfenster ist ein Todesurteil auf Raten.

Welcher Platz trifft den Wunschbereich? Ein helles Nordfenster liegt oft genau richtig. Ein Ost- oder Westfenster funktioniert, wenn die Pflanze nicht direkt in der Morgen- oder Abendsonne steht. Am Südfenster geht es nur mit Abstand: etwa zwei Meter zurückversetzt oder hinter einer dünnen Gardine.

Wer es genau wissen will, misst. Ein Luxmeter kostet wenig, und eine Handy-App reicht für die Größenordnung, wenn auch nicht für die zweite Nachkommastelle. Der Messwert überrascht fast immer: Was das Auge als hell empfindet, ist für eine Kamera oder ein Messgerät oft erschreckend dunkel, weil das Auge über mehrere Größenordnungen ausgleicht. Die Lux-Tabelle für Innenräume zeigt, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind.

Wenn sich die Blätter einrollen

Das ist die mit Abstand häufigste Frage zu dieser Pflanze, und die Antwort lautet in den meisten Fällen: nicht das Licht.

Luftfeuchtigkeit. Calathea-Arten rollen die Blätter reflexartig ein, sobald die relative Luftfeuchte unter etwa 50 Prozent fällt. In einer beheizten Wohnung im Winter sind 30 Prozent normal. Das ist der Klassiker, und er tritt typischerweise im November auf, kurz nachdem die Heizung angeht. Das Einrollen ist dabei eine sinnvolle Reaktion: Es verkleinert die verdunstende Fläche.

Wassermangel. Eine durstige Calathea rollt ebenfalls ein. Die Unterscheidung ist einfach: Finger in die Erde. Ist sie trocken, war es der Durst.

Zugluft. Wird oft übersehen. Ein Platz neben einer Tür, die regelmäßig aufgeht, oder über einem Heizkörper mit aufsteigender trockener Luft reicht aus.

Und erst dann das Licht. Zu viel davon, also direkte Sonne, führt zusätzlich zu braunen, trockenen Stellen und ausgeblichenen Zeichnungen. Das Muster auf den Blättern, wegen dem man die Pflanze überhaupt kauft, ist der erste Indikator: Verblasst es, steht sie zu hell.

Zu wenig Licht sieht anders aus. Die Pflanze wächst dann langsam bis gar nicht, neue Blätter bleiben kleiner als die alten, und die Abstände zwischen den Blattansätzen werden länger. Eingerollt ist dabei nichts.

Braucht sie eine Pflanzenlampe?

In den meisten Wohnungen: von Oktober bis März durchaus sinnvoll, im Sommer selten nötig.

Der Grund liegt im Jahresgang. Ein Nordfenster, das im Juni 2.000 Lux liefert, kommt im Dezember an einem trüben Tag auf ein paar hundert. Die Calathea überlebt das, weil sie aus dem Schattenbereich stammt, aber sie stellt das Wachstum ein. Wer durchwachsen möchte, ergänzt.

Dafür braucht es kein starkes Gerät. Eine kleine Vollspektrum-Leuchte in 40 bis 60 Zentimetern Abstand, zehn bis zwölf Stunden am Tag, reicht aus, um den Wunschbereich zu halten. Wichtig ist eher, was man nicht tut: eine Pflanzenlampe für Tomaten direkt über eine Calathea hängen. Die liefert ein Vielfaches dessen, was die Pflanze verträgt.

Zur Auswahl passender Geräte gibt es einen eigenen Pflanzenlampen-Test, zur Frage des richtigen Abstands den Artikel über den Abstand der Pflanzenlampe, und wer keine Steckdose in der Nähe hat, findet im Artikel über Pflanzenlampen mit Akku die kabellosen Varianten.

Die Sache mit dem Gießwasser

Ein Punkt, der streng genommen nicht zum Licht gehört, aber bei dieser Pflanze so oft die eigentliche Ursache ist, dass er hierher gehört: Calatheas reagieren empfindlich auf hartes Wasser und auf Fluorid.

Braune Blattränder, die aussehen wie Trockenschäden, kommen bei dieser Gattung häufig aus der Gießkanne. Abgestandenes Leitungswasser hilft wenig, weil Kalk und Fluorid nicht ausgasen. Regenwasser oder entsalztes Wasser lösen das Problem dauerhaft.

Wer also das Licht optimiert hat, die Luftfeuchte auf 60 Prozent gebracht hat und trotzdem braune Ränder sieht, sollte dort nachsehen, bevor der Standort noch einmal gewechselt wird.

Kurz zusammengefasst

Die Calathea ist keine Pflanze, die viel Licht braucht, sondern eine, die gleichmäßiges Licht braucht: hell genug zum Wachsen, nie direkte Sonne. 1.500 bis 3.000 Lux treffen das gut, und dieser Bereich liegt an einem hellen Nordfenster oder zwei Meter zurück von Süden.

Die meisten Probleme, die dann noch auftreten, kommen aus einer anderen Richtung: trockene Heizungsluft, Zugluft und Leitungswasser. Und das nächtliche Hochklappen der Blätter ist kein Problem, sondern das Gegenteil davon.

Quellen: Herstellerübergreifende Pflege- und Standortangaben zu Calathea, unter anderem Compo, Plantura und feey · Fachbeiträge zur Nyktinastie und zur Funktion des Pulvinus bei Marantaceae, unter anderem Brooklyn Botanic Garden sowie Übersichtsdarstellungen zum Pulvinus-Mechanismus · Praxisberichte zu eingerollten Blättern und deren Ursachen