In einem Versuch, den Currey und Kollegen 2010 im Journal of Horticultural Science and Biotechnology veröffentlicht haben, wuchsen Kalanchoe-Pflanzen unter Tageslicht von 300 Mikromol pro Quadratmeter und Sekunde. Das ist die Lichtmenge, mit der Gewächshäuser rechnen. Die Nacht unterbrachen die Forscher mit einem Licht von gerade einmal 2 Mikromol. Ein Hundertfünfzigstel des Tageslichts, und die Nacht galt nicht mehr als lange Nacht. Wer abends im Wohnzimmer eine Stehlampe brennen lässt, hat also keine Kleinigkeit angerichtet.

Dabei ging es in dem Versuch um drei Verwandte des Flammenden Käthchens (K. glaucescens, K. manginii und K. uniflora), nicht um die Topfpflanze aus dem Supermarkt, Kalanchoe blossfeldiana. Das Prinzip ist dasselbe: Beide sind Kurztagpflanzen. Dieser Artikel geht der Reihe nach durch, was die Quellen zur Dunkelheit sagen, wie lange die Behandlung dauert, was Störlicht wirklich anrichtet und ob der Kalender bis Weihnachten noch aufgeht.

Kurz gesagt

  • Dunkelheit: NC State (Plant Toolbox) nennt für Kalanchoe blossfeldiana 14 Stunden totale Dunkelheit pro Tag, im Herbst und Winter, mindestens 6 Wochen lang. Die Clemson University schreibt von einer Nacht von 14 bis 16 Stunden.
  • Dauer bis zur Blüte: Etwa 6 Wochen lange Nächte für den Knospenansatz. Wer Anfang Oktober beginnt, sieht laut Clemson ab Januar Blüten, also rund 12 Wochen nach Beginn der langen Nächte.
  • Tageslicht: NC State empfiehlt 6 bis 8 Stunden helles Licht pro Tag. Clemson beschreibt "bright indoor light" als gut verträglich, bei wenig Licht wird die Pflanze spindelig.
  • Temperatur: Über 80 °F (27 °C) in der langen Nacht kann zu einer "Hitzeverzögerung" führen.
  • Lux: Keine der Quellen nennt für das Blühen eine Luxzahl. Sie rechnen in Stunden. Allgemeine Lux-Werte für Fensterplätze stehen in der Lux-Tabelle für Natur und Innenraum.

Warum die Pflanze nach der Nacht rechnet

Die Kalanchoe ist eine Kurztagpflanze. Das Wort führt in die Irre, denn gemessen wird nicht die Länge des Tages, sondern die der ununterbrochenen Dunkelheit. Kamath und Kollegen beschreiben sie 2021 im Journal of Ornamental Horticulture als "qualitative" Kurztagpflanze. Qualitativ heißt: Ohne die richtige Tageslänge blüht sie nicht, auch nicht schwach und nicht verspätet.

Die Pflanze selbst stammt aus Madagaskar. Der NC State Plant Toolbox zufolge benannte man die Art nach Robert Blossfeld, einem deutschen Gärtner, der sie in den 1920er bis 1940er Jahren dort entdeckte und nach Europa brachte.

Das Problem beginnt, wenn die gekaufte Pflanze abgeblüht ist. Sie wächst grün weiter, sieht gesund aus und setzt keine Knospen mehr an. Pflege, Wasser und Dünger erklären das nicht. Die Länge der Nacht schon.

Wie viele Stunden Dunkelheit

Zwei Extension-Quellen, die in der Praxis zusammenpassen:

QuelleAussage
NC State Plant ToolboxIm Herbst und Winter totale Dunkelheit für 14 Stunden am Tag, mindestens 6 Wochen lang; dazu 6 bis 8 Stunden helles Licht täglich
Clemson University, Home & Garden Information Center (Millie Davenport, 2007)Natürliche Wintertage liefern eine Nacht von 14 bis 16 Stunden; etwa 6 Wochen davon braucht die Knospenbildung
Die Clemson-Angabe ist deshalb interessant, weil sie nicht von einer künstlichen Behandlung ausgeht, sondern von der Natur. Laut dem Factsheet erlauben die natürlichen Tageslängen zwischen dem 1. Oktober und dem 1. März die Knospenbildung. Clemson liegt in South Carolina. In Mitteleuropa liegt die Sonne im Winter noch kürzer am Himmel, die Nächte sind länger. Als Faustregel gilt trotzdem derselbe Grundsatz: Die Pflanze braucht die lange Nacht ungestört, nicht nur den Kalender.

Wie lang die Nacht mindestens sein muss, hängt von der Sorte und der Art ab. Currey und Kollegen setzten ihre drei Arten 2010 über 20 Wochen Photoperioden von 9 bis 15 Stunden aus. Bei 9 bis 12 Stunden Licht blühten alle drei Arten. Zwischen 12 und 14 Stunden Licht sank der Anteil blühender Pflanzen bei allen. Bei 15 Stunden Licht, also 9 Stunden Nacht, blühte keine einzige. Für die Topfkalanchoe lässt sich das nicht eins zu eins übertragen, es zeigt aber, wie scharf die Grenze verläuft: Zwischen voller Blüte und gar keiner liegen drei Stunden Licht.

Wie lange die Behandlung dauert

Die Extension-Angaben sind eindeutig: Rund sechs Wochen lange Nächte. NC State schreibt "mindestens 6 Wochen", Clemson "etwa sechs Wochen". Die Blüten selbst sind dann noch nicht da. Clemson rechnet vom Beginn der langen Nächte bis zur Blüte mit etwa 12 Wochen. Das Beispiel im Factsheet: Pflanzen, die Anfang Oktober natürlichen kurzen Tagen ausgesetzt werden, beginnen im Januar zu blühen.

Dass sechs Wochen nicht für jede Art gelten, zeigt Curreys Versuch aus 2010. Die drei Arten wurden mit unterschiedlich vielen Wochen Kurztag (8 Stunden Licht) behandelt und danach durch nächtliches Zusatzlicht wieder auf langen Tag gesetzt. Alle Pflanzen von K. glaucescens blühten nach mehr als einer Woche Kurztag, K. manginii nach mehr als drei Wochen, K. uniflora nach mehr als sechs. Danach brachte jede weitere Woche keine zusätzlichen Blüten oder frühere Blüte. Die Länge der Behandlung ist also eine Mindestzeit, kein Wettbewerb: Mehr Kurztag als nötig bringt nichts. Zu wenig bringt dagegen nichts.

Was Raumlampen anrichten

Hier wird es für Wohnungen heikel. Das Clemson-Factsheet empfiehlt, die Pflanze in der Zeit der langen Nächte in einen Raum zu stellen, in dem während der natürlichen Dunkelheit kein Licht brennt. Alternativ soll man den Tag steuern: nachmittags in einen Schrank stellen und morgens wieder an einen hellen Platz holen.

Die Forschung erklärt, warum das so streng gemeint ist. Zwei Versuche mit Nachtunterbrechung zeigen es:

Kamath und Kollegen (2021) unterbrachen die Nacht von Kalanchoe blossfeldiana 30 oder 60 Minuten lang, über 20, 30 oder 40 Tage. Die Pflanzen waren danach niedriger, hatten weniger Triebe und weniger Blüten pro Pflanze als die Kontrollgruppe ohne Unterbrechung.

Kang und Kollegen (2019) setzten in einer Pflanzenfabrik die Sorten 'Lipstick' und 'Spain' unter einen Kurztag mit 8 Stunden Licht bei 250 Mikromol und unterbrachen die lange Nacht mit 4 Stunden Zusatzlicht bei 10 oder 20 Mikromol, in Blau, Rot, Weiß oder Blau-Weiß. Das Ergebnis hing von der Sorte ab. Bei 'Lipstick' beeinflusste die Lichtfarbe die Blüte nicht, 'Spain' blühte nur im Kurztag und bei der Unterbrechung mit schwachem Blaulicht (10 Mikromol). Die Autoren schreiben selbst, die Wirkung sei sortenabhängig und es brauche weitere Versuche.

Was folgt daraus für das Wohnzimmer? Meine Einschätzung aus diesen Zahlen: Die Frage ist nicht, ob eine Lampe hell genug ist, um die Pflanze zu stören. Schon sehr wenig Licht reicht in den Versuchen. Ein Flur mit Bewegungsmelder, eine Straßenlaterne vor dem Fenster oder ein Fernseher im selben Raum sind Kandidaten. Wer sichergehen will, folgt Clemson: Die Pflanze kommt abends in einen Raum, in dem niemand das Licht anmacht, oder unter einen lichtdichten Karton. Der Karton ist weniger albern, wie er klingt: Clemson empfiehlt ihn sinngemäß selbst.

Dieselbe Mechanik beschreibt der Artikel zum Weihnachtskaktus mit anderen Zahlen. Beim Weihnachtsstern ist der Lichtkonflikt ein anderer, dort geht es meist ums Blattwerfen: Weihnachtsstern verliert Blätter.

Das Tageslicht: Wie hell es sein muss

Die Nacht ist nur eine Hälfte der Rechnung. Die Pflanze braucht tagsüber genug Licht, um die Blüten überhaupt aufzubauen. NC State nennt 6 bis 8 Stunden helles Licht pro Tag, die Pflanze bevorzuge helles indirektes Licht oder Halbschatten, vor praller Nachmittagssonne solle man sie schützen. Clemson formuliert es lockerer: Kalanchoe wachse am besten in voller Sonne, vertrage aber auch helles Licht im Innenraum gut. Bei zu wenig Licht werde sie spindelig.

Eine Luxzahl nennt keine der beiden Quellen. Das ist insofern ehrlich, als die Pflanze keinen scharfen Grenzwert hat: In den Gewächshausversuchen liegt das Tageslicht bei 250 bis 300 Mikromol, aber das sind Laborwerte für Pflanzenfabriken und keine Zielmarke für die Fensterbank. Praktisch heißt das: ein heller Platz am Süd-, West- oder Ostfenster, mit Abstand zur Scheibe im Hochsommer. Was Fensterplätze im Vergleich zu Außenlicht liefern, zeigt die Lux-Tabelle.

Dazu kommt die Temperatur. Clemson nennt als Wohlfühlbereich 45 bis 65 °F nachts (7 bis 18 °C) und 50 bis 70 °F tagsüber (10 bis 21 °C). Über 80 °F (27 °C) in der langen Nacht kann zur erwähnten Hitzeverzögerung führen. Eine Kalanchoe auf der Fensterbank über der Heizung hat also im Dezember zwei Nachteile auf einmal.

Der Ablauf bis Weihnachten

Die Rechnung ist schlicht, und sie ist unbequem. Nach Clemson dauert es etwa 12 Wochen vom Beginn der langen Nächte bis zur Blüte. Zwölf Wochen sind 84 Tage. Rückwärts gezählt vom 24. Dezember landet man am 1. Oktober.

Das ist meine Rechnung aus den Clemson-Zahlen, keine Messung. Sie hat Folgen:

  1. Start am 1. Oktober oder früher: Blüte um Weihnachten ist realistisch, wenn die Nächte wirklich dunkel sind.
  2. Start heute, am 31. Oktober: Die 84 Tage enden am 23. Januar. Weihnachten klappt damit nicht mehr, ein blühendes Käthchen im Januar dagegen schon.
  3. Pflanze trotzdem jetzt umstellen: Der Plan bleibt derselbe, nur das Ziel verschiebt sich. Jeden Tag ohne lange Nacht verlängert den Weg.
Wer nicht warten will, kauft zu Weihnachten eine Pflanze, die der Gärtner bereits behandelt hat. Die Kalanchoe aus dem Vorjahr ist dann das Projekt für den Januar.

Praktische Anleitung in sechs Schritten

Aus den beiden Extension-Quellen und den Versuchen ergibt sich eine Routine:

  1. Pflanze ab Spätsommer oder Herbst morgens an einen hellen Platz stellen, 6 bis 8 Stunden Licht am Tag.
  2. Abends um 18 Uhr in einen Raum ohne Licht stellen oder unter einen lichtdichten Karton. Wecker für den nächsten Morgen um 8 Uhr, dann sind es 14 Stunden.
  3. Keine Unterbrechung: Auch Gießen im Dunkeln mit eingeschalteter Lampe zählt. Besser tagsüber gießen.
  4. Temperatur nachts zwischen 7 und 18 °C halten, nie über 27 °C.
  5. Etwa sechs Wochen durchhalten. Dann zeigen sich die Knospen, der Karton kann weg.
  6. Verblühtes ausputzen, so empfiehlt es auch NC State.
Die 14 Stunden stammen aus der NC-State-Quelle und decken sich mit Clemson. Wer weniger macht, verlässt sich auf die Sorte.

Wenn trotzdem nichts blüht

Die Liste der Verdächtigen in der Reihenfolge, die zu den Quellen passt:

  • Zu kurze oder gestörte Nacht. Siehe oben.
  • Zu wenig Tageslicht. Clemson nennt Spindeligkeit als Zeichen. Wer lange, dünne Triebe sieht, hat auch ein Lichtproblem am Tag.
  • Zu warme Nächte. Über 27 °C wird die Blüte verzögert.
  • Zu früh abgebrochen. Sechs Wochen sind ein Mindestwert, kein Zielwert.
Auch eine Pflanzenlampe kann das Problem verursachen, wenn sie abends zu lange läuft. Wer ohnehin mit Zusatzlicht arbeitet, findet Hinweise zur Laufzeit in Pflanzenbeleuchtung im Winter. Eine andere Zimmerpflanze für die Weihnachtszeit mit ganz eigenen Lichtregeln ist die Amaryllis: Amaryllis und Licht.

Fazit

Das Flammende Käthchen ist nicht anspruchsvoll, sondern genau: Es zählt Stunden. 14 Stunden Dunkelheit, sechs Wochen lang, ohne Unterbrechung, dazu ein heller Platz am Tag und keine zu warme Nacht. Das steht bei NC State und Clemson. Die Versuche zeigen, wie wenig Licht in der Nacht reicht, um es zu verderben.

Quellen

  • NC State Extension, Plant Toolbox: Kalanchoe blossfeldiana (plants.ces.ncsu.edu/plants/kalanchoe-blossfeldiana/)
  • Clemson University, Home & Garden Information Center: Kalanchoe, Millie Davenport, 2007 (hgic.clemson.edu/factsheet/kalanchoe/)
  • Currey, C. J., et al. (2010): Variation among Kalanchoe species in their flowering responses to photoperiod and short-day cycle number. Journal of Horticultural Science and Biotechnology (doi:10.1080/14620316.2010.11512679)
  • Kamath et al. (2021): Response of night interruption regimes on vegetative and reproductive growth of Kalanchoe blossfeldiana Poelln. Journal of Ornamental Horticulture (doi:10.5958/2249-880x.2021.00014.1)
  • Kang et al. (2019): Flowering and Morphogenesis of Kalanchoe in Response to Quality and Intensity of Night Interruption Light. Plants 8(4):90 (doi:10.3390/plants8040090)