Auf dem Beipackzettel der IKEA-Lichterkette STRÅLA steht ein Satz, den man leicht überliest: „Die Lichterkette darf nicht mit einer anderen Kette gekoppelt oder elektrisch verbunden werden.“ Daneben: „In Verbindung mit dem Produkt nur einen Sicherheitstransformator benutzen.“ Zwei Zeilen, und damit ist der Wunsch vieler Leute erledigt, die zwei kurze Ketten zu einer langen machen wollten. Mich interessiert an diesem Satz weniger das Verbot als die Frage, warum eine Kette, die sich so harmlos anfühlt, so eigensinnig ist.

Die kurze Antwort: Eine Lichterkette ist kein Kabel mit Lampen dran, sondern eine Schaltung, die auf genau ihre Länge und genau ihr Netzteil abgestimmt ist. Ob sich daran etwas ändern lässt, hängt davon ab, welche Bauart in Ihrer Kiste liegt.

Kurz gesagt

Eine normale LED-Kette mit Netzteil kürzen Sie nicht und koppeln sie nur mit anderen Ketten, wenn der Hersteller es ausdrücklich erlaubt. Bei LED-Streifen dürfen Sie schneiden, aber nur an den aufgedruckten Schnittmarken, die je nach Modell 25 bis 100 Millimeter auseinanderliegen. Beim Lichtschlauch sehen die Hersteller es unterschiedlich: Manche kürzen ihn nur ab Werk, andere liefern Markierungen und Endkappen. Systeme mit Steckverbindern lassen sich erweitern, aber nur bis zu der Grenze, die der Hersteller für Trafo und Steckverbindung nennt. Eigenbau-Lötstellen an 230 Volt und Steckdosenleisten hintereinander kommen nicht in Frage.

Warum man eine LED-Kette nicht einfach kürzt

Die Idee leuchtet ein: Zu lange Kette, Schere, fertig. Bei einem Lautsprecherkabel würde das funktionieren. Bei einer Lichterkette scheitert es an der Elektrik dahinter, und die lässt sich in drei Sätzen erklären (das ist meine Darstellung, die Grundlagen stehen in jedem Elektronik-Lehrbuch).

Eine LED verträgt keine freie Spannung. Der Elektronik-Kompendium-Artikel zur Leuchtdiode hält fest: Eine Leuchtdiode muss immer mit einem Vorwiderstand oder einem anderen strombegrenzenden Bauteil beschaltet sein. Bei Lichterketten sitzen oft mehrere LEDs hintereinander an einem Netzteil, dessen Ausgangsspannung auf genau diese Zahl LEDs abgestimmt ist. Schneiden Sie die Kette durch, ist der Stromkreis offen und die Kette bleibt dunkel. Verbinden Sie den Rest wieder, fehlen LEDs, die einen Teil der Spannung hätten aufnehmen sollen. Die übrigen bekommen dann mehr ab, als vorgesehen war.

Dass das Prinzip auch bei alten Glühlämpchenketten gilt, beschreibt Wikipedia: Fällt dort ein Lämpchen aus, erhöht sich die Spannung an den übrigen. Deshalb sitzt in jedem Lämpchen eine Strombrücke, und bei manchen Ketten trägt ein Lämpchen eine Markierung, etwa einen weißen Ring. Es hat keine Brücke und schützt die Kette bei mehreren Ausfällen vor Überlast. Wer Ketten kürzt, nimmt genau diese Rechnung auseinander.

Dazu kommt der Netzteil-Aspekt. Das Netzteil ist auf eine bestimmte Leistung ausgelegt. Die 100er-Kette von lights4fun, die ich im Artikel zur Zahl der Lichter am Weihnachtsbaum herangezogen habe, kommt laut Herstellerangabe auf 3,6 Watt bei 24 Volt Kleinspannung. Daraus folgt ein Strom von 0,15 Ampere (meine Rechnung: 3,6 Watt geteilt durch 24 Volt). Das Netzteil ist für diese Last gebaut. Kürzen Sie die Kette, passt die Auslegung nicht mehr, und welche Folgen das hat, entscheidet die Schaltung im Netzteil, nicht Ihr Augenmaß.

Mein Fazit: Eine Kette, die zu lang ist, ist kein Problem, das man mit der Schere löst. Man wickelt sie am Baum eng, hängt sie doppelt oder kauft die richtige Länge. Wie viel Kette ein Baum braucht, steht im Artikel zur Lichterzahl am Weihnachtsbaum.

LED-Streifen: Schere erlaubt, aber nur an der Markierung

Bei Streifen ist alles anders, und das liegt am Aufbau. Ein Streifen besteht aus vielen kurzen, gleichen Segmenten, die auf der Platine an denselben Leiterbahnen hängen (so stelle ich es vereinfacht dar). Das Segment ist die kleinste Einheit, und an den Segmentgrenzen sind Kupferpads, an denen man trennen darf.

Der Möbelzubehör-Händler Furnica beschreibt es so: LED-Streifen könnten nicht an beliebiger Stelle durchtrennt werden, auf der Platine befänden sich markierte Schnittkanten, meist als kleine Schere oder gerade Linie zwischen kupferfarbenen Lötpads. Je nach Modell und Diodendichte liegen die Marken 25 bis 100 Millimeter auseinander. Wer daneben schneidet, beschädigt die Leiterbahn, und das Stück ist Ausschuss. Die Anleitung dazu steht in LED-Streifen einbauen: Anleitung.

Aus derselben Quelle zwei Zahlen, die man vor dem Verlängern kennen sollte. Erstens die Netzteilreserve: Leistung pro Meter mal Gesamtlänge, plus 20 Prozent. Ein Streifen mit 10 Watt pro Meter und vier Metern braucht damit 48 Watt (meine Rechnung nach der Formel). Zweitens der Spannungsabfall: Ab etwa 5 Metern Länge bei 12 Volt wird laut Furnica am Streifenende ein Helligkeitsverlust sichtbar. Abhilfe schafft eine Einspeisung von beiden Enden oder aus der Mitte.

Das erklärt, warum man Streifen nicht endlos aneinanderreihen kann, auch wenn die Steckverbinder passen. Der Strom muss durch die dünnen Leiterbahnen des ersten Meters, um den letzten zu versorgen.

Lichtschlauch: zwei Hersteller, zwei Antworten

Beim Lichtschlauch widersprechen sich die Quellen. Der Shop leds24 schreibt: „Im Gegensatz zu den meisten anderen Streifen und Leisten kann ein LED-Lichtschlauch nicht im Nachhinein gekürzt werden.“ Dort bestellt man die Länge, in Schritten von 5 oder 12,5 Zentimetern, und bekommt den Schlauch ab Werk konfektioniert. Die Ratgeberseite test-stiftung.de formuliert es anders: Viele Modelle seien kürzbar, aber nur an den dafür vorgesehenen Stellen, unsachgemäßes Kürzen könne die Funktion beeinträchtigen. Hochwertige Modelle böten saubere Schnittmarkierungen und passende Endkappen, ein genanntes Beispiel lässt sich alle 20 Zentimeter anpassen. Und der Shop LED-Homeshop kürzt den Schlauch nach Kundenwunsch selbst und versiegelt ihn wieder.

Beides stimmt, es sind verschiedene Produkte. Mein Rat: Wenn auf dem Schlauch keine Schnittmarkierung zu sehen ist und im Karton keine Endkappe liegt, ist er nicht zum Kürzen gedacht. Ein offenes Ende heißt bei einem Schlauch für außen: Wasser. Die Endkappe ist das Teil, das die Schutzart an der Schnittstelle wiederherstellt, und ohne sie hilft auch ein IP67 auf der Verpackung wenig.

Verlängern und Verbinden: was der Hersteller erlaubt

Hier gibt es keine allgemeine Regel, nur die Angabe auf der Packung. Das sagt auch Lumineo in seinen FAQ: Bei vielen Lichterketten sei es möglich, mehrere Sets miteinander zu verbinden, man solle aber immer in den Produktinformationen prüfen, ob das möglich ist und wie viele Ketten maximal gekoppelt werden dürfen. Das ist nicht höflich-vage gemeint, sondern genau die Information, die man braucht.

Es gibt zwei Arten von Systemen. Geschlossene Ketten wie die IKEA STRÅLA haben ein fest verbundenes Kabel und ein Netzteil, Koppeln ist nicht vorgesehen. Erweiterbare Systeme haben Steckverbinder, und hier gilt die Rechnung mit dem Trafo. Bei Konstsmide etwa trägt der Start-Trafo des 24-Volt-Systems IP44 und leistet 60 Voltampere, wie die Produktangaben bei Otto ausweisen (ich habe das im Artikel zur wasserdichten Außenlichterkette ausführlicher aufgegriffen). Alles, was an diesen Trafo angeschlossen wird, darf zusammen diese Leistung nicht überschreiten.

Wie viele Ketten das sind, rechnen Sie mit den Angaben der Ketten selbst, und zwar so (meine Rechnung): Die Summe der Leistungsangaben aller Ketten muss unter der Nennleistung des Trafos bleiben. Zwei Ketten mit je 3,6 Watt belasten einen 60-VA-Trafo also nur zu etwa einem Achtel. Das ist die rechnerische Grenze, nicht die des Herstellers. Nennt die Anleitung eine kleinere Zahl, gilt die kleinere.

Dass die Steckverbinder tatsächlich die Schwachstelle sind, zeigt die Norm: DIN EN 60598-2-20 für Lichterketten hat einen eigenen Anhang für Steckverbinder, mit denen man Ketten verlängert und zusammenschaltet. Und bei den IKEA-Rückrufen für Außenketten war es die Steckverbindung, nicht die Kette, die die Norm zur Begrenzung des Wassereintritts nicht erfüllte. Details dazu im Artikel über Lichterketten für außen mit IP44.

Für draußen heißt das: Jede Steckstelle gehört hängend verlegt, nicht auf den Boden, und die Steckverbinder brauchen mindestens IP44, wie die Kette selbst. Fehlt die Angabe, ist die Steckstelle das Loch in der Wasserdichtigkeit.

Eigenbau-Lötstellen und Klemmen an 230 Volt: lassen

Bei Kleinspannungsketten (SELV) mit Netzteil ist eine Reparatur nach Meinung mancher Bastler noch vertretbar. Led-lichterketten.eu schränkt ausdrücklich ein, dass Löten nur bei Ketten mit Netzteil oder Trafo gelten soll. Direkt an 230 Volt hat ein Hobbylötkolben nichts zu suchen. Im Artikel zur Reparatur steht ein Fall aus dem Elektrikforum: Wer bei einer Reihenschaltung aus 100 Glühlämpchen das Multimeter an die Fassung des defekten Lämpchens hielt, las dort 230 Volt ab. Dort, wo eine Kette kaputt ist, steht die höchste Spannung. Eine Verlängerung selbst zu löten bedeutet, genau diese Stelle neu zu bauen.

Mein Rat: Eine 230-Volt-Kette mit Steckerzange und Isolierband zu verlängern, ist keine Bastelei, sondern ein Gerät ohne Prüfzeichen. Wer eine Verlängerung braucht, nimmt ein fertiges Verlängerungskabel mit passendem Stecker oder ein Kettensystem, das das ausdrücklich vorsieht.

Steckdosenleisten hintereinander: die Folge vom Verlängern

Das Problem, das beim Verlängern praktisch immer auftaucht: Die Steckdose ist zu weit weg. Die naheliegende Lösung ist eine zweite Steckdosenleiste an die erste.

Brennenstuhl weist darauf hin, dass Leisten laut VDE 0620 mit dem Hinweis „nicht hintereinander stecken“ gekennzeichnet sein müssen. Der Grund: Die Last verteilt sich nicht auf beide Leisten, sondern sammelt sich an der ersten. Eine überlastete Leiste könne sich schon nach wenigen Minuten auf bis zu 200 Grad erhitzen, was einen Schwelbrand auslösen kann, also ein Feuer ohne sichtbare Flamme. Die ESG nennt in ihrem Elektrosicherheits-Blog als Richtwert eine Maximallast von 3.680 Watt, die bei kaskadierten Leisten schnell überschritten werde.

Bei Lichterketten sind die Leistungen klein: ZDFheute nennt für LED-Ketten drei bis zehn Watt, auch zehn Ketten bleiben unter 100 Watt. Das ist ein echtes Argument gegen Panik. Es ändert nichts am Hinweis auf der Leiste, denn dort steht Verbot, nicht Rechenaufgabe. Außerdem hängt an derselben Dose oft mehr, zum Beispiel das Heizgerät. Jürgen Hell, Feuerwehrmann und Autor des Zivilschutz-Shop-Blogs, fasst es als Faustregel zusammen: Mehrfachsteckdosen nicht hintereinanderschalten und nicht überlasten. Und Lichterketten nur mit CE- oder GS-Kennzeichnung, für außen nur ausdrücklich zugelassene.

Und wenn die Kette einfach zu lang ist?

Am Baum ist zu viel Kette selten ein Problem: Die Lichter dichter setzen oder Zweige doppelt nehmen. Bleibt ein Rest, wickeln Sie ihn an einer unauffälligen Stelle auf und fixieren ihn, aber nicht direkt am Netzteil (meine Empfehlung). Und wenn nichts davon passt: Eine kürzere Kette kostet weniger als der Ärger mit einer umgebauten.

Quellen

IKEA, Montageanleitung STRÅLA (AA-2326335), Warnhinweise zum Koppeln und zum Sicherheitstransformator · Lumineo, FAQ „Häufig gestellte Fragen“ · Wikipedia, „Lichterkette (Beleuchtung)“, zu Strombrücke und markierter Lampe · Elektronik-Kompendium, „LED – Leuchtdioden“, zum Vorwiderstand · Furnica, „LED-Möbelstreifen einbauen“ (Schnittmarken, Netzteilreserve, Spannungsabfall) · leds24, „LED Lichtschlauch“ · test-stiftung.de, „LED-Lichtschlauch Test & Ratgeber“ · LED-Homeshop, „LED Lichtschläuche“ · Brennenstuhl, „Niemals mehrere Steckdosenleisten hintereinander stecken“ · ESG, „Hintereinanderschalten von Mehrfachsteckdosen gefährdet Elektrosicherheit“ · Zivilschutz-Shop, „Brandschutz in der Weihnachtszeit“ · weitere Quellen im Artikel zur Reparatur und zur Außenbeleuchtung.