Im Dezember 2021 stand ein Mann im Elektrikforum vor einer Kette aus 100 Glühlämpchen, jedes mit 0,5 Watt und 2,5 Volt. Eine Lampe in der Mitte war defekt. Er nahm sein Multimeter, hielt es an die beiden Fassungskontakte des toten Lämpchens und las 230 Volt ab. Seine Verwunderung: Die 99 anderen Lampen müssten doch Spannung "verbrauchen", da sollte weniger ankommen. Die Antwort aus dem Forum war trocken. Ein defektes Lämpchen ist eine Unterbrechung, an der die volle Netzspannung anliegt, und das Messgerät hatte den Stromkreis mit seinem hohen Innenwiderstand gerade selbst wieder geschlossen.

Dieser kleine Vorfall erklärt ziemlich genau, warum Lichterketten so sperrig zu reparieren sind. Ein einziges Bauteil entscheidet über den Rest, und die Spannung an der Fehlerstelle ist dort am höchsten, wo man sie am wenigsten erwartet.

Kurz gesagt

  • Ein Abschnitt oder die ganze Kette dunkel liegt bei Reihenschaltung an einer einzigen Unterbrechung: defekte Lampe, Wackelkontakt im Sockel, korrodierter Kontakt oder Kabelbruch.
  • Prüfen Sie von außen nach innen: Steckdose, Netzteil und Stecker, dann Sicherung (falls vorhanden), dann Lampen und Sockel.
  • Reparierbar sind Ketten mit Steckfassung, Ersatzlampen oder austauschbarer Sicherung. Nicht sinnvoll sind vergossene LED-Ketten, Drahtketten mit Batteriefach und alles mit defektem Netzteil.
  • Das Netzteil und jede 230-Volt-Kette öffnen Sie nicht. Bei sichtbar beschädigtem Kabel am Stecker oder am Netzteil ist Schluss.

Warum bei einer Kette gleich ein ganzer Abschnitt ausgeht

Alte Glühlämpchenketten bestehen oft aus einer Reihenschaltung. Der Strom fließt durch eine Lampe nach der anderen, fällt eine aus, ist der Kreis offen und alles ist dunkel. Hersteller haben dafür eine Notlösung eingebaut. Laut Wikipedia sitzt in jedem Lämpchen eine Strombrücke aus eloxiertem Aluminiumdraht, die bei durchgebranntem Glühfaden den Stromfluss übernimmt, damit nur diese eine Lampe dunkel bleibt und die defekte auffindbar ist. Teurer ist ein Varistor, der dasselbe leistet.

Der Haken steht im selben Artikel: Fällt eine Lampe aus, steigt die Spannung an den übrigen. Das verkürzt deren Lebensdauer und kann zu übermäßiger Erwärmung führen. Deshalb sollten defekte Glühlämpchen bald ersetzt werden. Bei aktuellen Ketten trägt eine Lampe eine Markierung, etwa einen weißen Ring. Sie hat keine Strombrücke und dient als Überlastungssicherung, wenn mehrere Lampen der Kette ausfallen.

Bei LED-Ketten ist die Lage anders und weniger einheitlich. Der Shop led-lichterketten.eu beschreibt es so: LEDs sind in Reihe und dann parallel in Gruppen geschaltet. Fällt eine LED aus, geht in der Regel die Gruppe aus, und die übrigen Gruppen leuchten weiter. Mehrere dunkle LEDs hintereinander bedeuten dort eine Unterbrechung in einer Gruppe oder in deren Leitung. Ein Teilnehmer in einem mikrocontroller.net-Thread zu einer gerissenen LED-Kette beschreibt den Aufbau als "Leiter": mechanisch eine Kette, elektrisch laufen drei Strippen durch, darunter je ein Plus und ein Minus. Das heißt: Wie die Kette intern verschaltet ist, weiß man ohne Schaltplan nur zum Teil. Wer das Muster der dunklen Stellen deutet, rät also immer ein bisschen.

Der Blogger hinter chaosclub.org nennt zwei typische Schadbilder bei LED-Ketten. Entweder sind drei, vier oder sieben LEDs hintereinander dunkel, dann blockiert eine einzelne LED im Segment den Strom. Oder einzelne LEDs sind aus, weil Feuchtigkeit hineingekommen ist, dann leuchtet nichts, aber der Strom wird noch durchgeleitet. Als häufigste Ursachen für das Ende solcher Ketten nennt er gebrochene Kabel und Korrosion an den LED-Anschlüssen. Das ist die Erfahrung eines Bastlers, keine Statistik, deckt sich aber mit dem, was led-lichterketten.eu zeigt: Bei einer 1000er-Kette für den Außenbereich waren die Anschlussbeinchen der LEDs nach fünfmal sechs Wochen am Baum weggerostet, weil Regenwasser an der Leitung entlang bis zur LED lief.

Die Fehlersuche in sinnvoller Reihenfolge

Immer zuerst: Stecker ziehen. Die Anleitung von iFixit, nach eigenen Angaben über 780.000 Mal aufgerufen, beginnt mit genau diesem Satz, und sie hat recht damit.

1. Die Stromquelle. Funktioniert die Steckdose? Bei Batterieketten sind es die Batterien, bei USB-Ketten das Netzteil. Led-universum rät, bei Ketten mit Trafo für 12 oder 24 Volt auch den Trafo zu testen. Ein Trick ohne Werkzeug: Probieren Sie ein anderes, sicher funktionierendes Netzteil mit derselben Spannung und Polung und gleichem Stecker, aber nur, wenn es wirklich passt. Eine Gleichstromkette mit vertauschten Polen leuchtet nicht, das erwähnt auch chaosclub.org.

2. Steckverbinder und Stecker. Viele Ketten lassen sich zusammenstecken, und jede Steckstelle ist ein potenzieller Wackelkontakt. Trennen, anschauen, auf grünliche Korrosion achten, wieder zusammenstecken. Hier steckt oft die Lösung bei Ketten, die den Sommer im Keller verbracht haben.

3. Die Sicherung. Manche Stecker haben ein verschiebbares Kästchen mit zwei kleinen Glassicherungen. Halten Sie sie gegen das Licht: Ist der Draht zwischen den Metallkappen unterbrochen, ist sie durch. iFixit nennt durchgebrannte Sicherungen als einen der Hauptgründe dafür, dass eine ganze Kette ausfällt, und empfiehlt Ersatz mit dem identischen Typ (die Anleitung ist für den US-Markt, 3 Ampere bei 125 Volt). In Deutschland gilt dasselbe Prinzip, aber nehmen Sie den Wert, der auf der alten Sicherung oder dem Stecker steht. Eine stärkere Sicherung einzusetzen ist keine Reparatur, sondern eine Einladung für den nächsten Defekt.

4. Lampen und Sockel. Bei steckbaren Lämpchen nehmen Sie eine nach der anderen heraus. Sind die beiden Kontaktdrähte noch an ihrem Platz, nicht verdreht, nicht abgebrochen? Sitzt das Lämpchen tief genug im Sockel? Led-universum nennt verbogene oder abgebrochene Stifte als häufigen Grund. Verschmutzte Kontakte lassen sich laut iFixit mit einer kleinen Feile oder Drahtbürste reinigen, natürlich im ausgesteckten Zustand. Ersatzlampen müssen in Spannung und Leistung passen.

5. Das Kabel. Wenn nichts davon hilft, liegt es oft an einer Leitungsunterbrechung, am häufigsten in Knicknähe am Stecker, an Fassungen oder dort, wo die Kette am Baum eng gebogen war. Led-universum empfiehlt an dieser Stelle ehrlicherweise, über eine neue Kette nachzudenken.

Die Sache mit dem Messgerät

Der Elektrikforum-Fall zeigt auch, warum "mal schnell durchmessen" bei Glühlämpchenketten nichts hilft. Eine bloße Durchgangsprüfung sagt nichts über die Funktion, wenn eine Strombrücke den Glühfaden überbrückt, die Lampe aber nicht leuchtet. Und das Messen am Netz ist bei 230-Volt-Ketten nichts für Laien. Meine Einschätzung: Wer die Schaltung nicht kennt, sollte eingeschaltete 230-Volt-Ketten nicht mit dem Multimeter untersuchen.

Für Glühlämpchenketten gibt es spezielle Prüfgeräte. iFixit zeigt den "LightKeeper Pro", der in einer leeren Fassung eine defekte Lampe überbrückt, bis die ganze Kette wieder leuchtet und die defekte Lampe dunkel bleibt. Praktisch, aber ein Werkzeug für eine bestimmte Bauart.

Was sich lohnt und was nicht

Lohnt sich:

  • Glühlämpchen- oder LED-Ketten mit Steckfassungen und passenden Ersatzlampen
  • Austausch einer Sicherung im Stecker
  • Reinigen oxidierter Kontakte, neu Aufstecken von Steckverbindern
  • bei Ketten mit Schutzkleinspannung (Netzteil, 12 oder 24 Volt) das Auslöten einzelner LEDs, wenn Sie löten können
Lohnt sich nicht:
  • Das Netzteil. Led-lichterketten.eu schreibt, ist der Transformator defekt, sei meist das Lebensende der Kette erreicht. Ersatzteile gibt es kaum, und ein baugleiches Netzteil mit den richtigen Daten ist oft teurer als eine neue Kette.
  • Batterie- und Drahtketten. Dieselbe Quelle: Eine Reparatur ist nicht vorgesehen.
  • Ketten, bei denen Wasser im Spiel war. Chaosclub.org, das ausdrücklich die Reparatur zeigt, beklagt ebenfalls die Qualität heutiger Ketten: Alte Ketten von VEB Narva seien nach über 30 Jahren noch funktionsfähig, LED-Ketten würden selten älter als zehn Jahre, einfache vielleicht fünf. Das ist eine Einzelmeinung, sie passt aber zu dem, was man in den Regalen sieht.
Wer löten will: Led-lichterketten.eu schränkt ausdrücklich ein, dass dies nur bei SELV-Ketten mit Netzteil oder Trafo gelten soll. Direkt an 230 Volt hat ein Hobbylötkolben nichts zu suchen. Spezielle Originalersatz-LEDs sind kaum zu bekommen. Chaosclub.org nimmt dafür LEDs aus Solarketten, weil eine kurze Solarkette billiger ist als einzelne LEDs. Das bleibt eine Bastlerlösung und kein Standardweg.

Und noch eine Frage, die in den Suchvorschlägen auftaucht: Geht das auch ohne Löten? Bei Kabelbrüchen außerhalb von Fassung und Netzteil geht es nach meiner Einschätzung mit Klemmverbindern, wenn das Kabel zugänglich ist und die Kette an Schutzkleinspannung hängt. iFixit zeigt eine Lösung mit Wire-Nut-Kappen, ergänzt um Silikon oder Wachs gegen Feuchtigkeit. Für Außenketten ist das kein Dauerzustand. Dort gehört die Verbindungsstelle in ein Gehäuse mit ausreichender Schutzart (siehe IP-Schutzarten erklärt).

Eine kaputte Lampe einfach drinlassen?

Das hängt von der Bauart ab, und hier gehen die Quellen auseinander. Bei vielen LED-Ketten laut led-universum und led-lichterketten.eu: ja, gefahrlos, es sieht nur nicht schön aus. Bei Glühlämpchen in Reihe: nein, die übrigen Lampen bekommen mehr Spannung. iFixit warnt deshalb, nicht mehr als ein oder zwei Fassungen auszubauen und die Leitung zu verbinden, weil sonst die Spannung an den anderen steigt. Wer nicht weiß, welche Bauart er in der Hand hält, geht vom Glühlampen-Szenario aus und ersetzt die Lampe.

Sicherheit: Hier hört der Spaß auf

  • Netzteil nie öffnen. Es ist meist vergossen, und selbst wenn nicht, gibt es dort Netzspannung. Chaosclub.org weist selbst darauf hin, dass kurzgeschlossene oder überlastete Netzteile "das geliebte Heim in Brand setzen" können.
  • 230-Volt-Ketten ohne Trafo nur reparieren, wenn Sie wissen, was Sie tun. Wikipedia erwähnt, dass früher viele Ketten direkt am Netz hingen und heute aus Sicherheitsgründen viele mit Netzanschlussgerät und Kleinspannung verkauft werden.
  • Beschädigte Isolierung, Schmorgeruch, angeschmolzene Fassungen: Kette nicht mehr einstecken. Dasselbe gilt für ein Kabel, das nahe am Stecker oder am Netzteil gebrochen ist. Dieser Bereich ist nicht zugfest zu flicken.
  • Kein Klebeband als Dauerlösung am Kabel und keine stärkere Sicherung.
  • Draußen ist die Messlatte höher: Wikipedia nennt für Außenketten eine passende Schutzart, etwa IP44. Was dahintersteckt, steht im Beitrag zur Lichterkette außen mit IP44.

Wann die Kette in den Elektroschrott gehört

Eine Lichterkette ist ein Elektrogerät. Nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) darf sie nicht in den Hausmüll. Das Bayerische Umweltministerium erklärt, dass dazu in der Regel alle Geräte zählen, die Strom brauchen, also solche mit Kabel für die Steckdose oder mit Batterien. Auch Mehrfachstecker und konfektionierte Stromkabel gehören als sogenannte passive Geräte dazu.

Abgeben können Sie die Kette bei der kommunalen Sammelstelle, dem Wertstoffhof, in Depotcontainern (meist für Kleingeräte) oder im Handel. Geschäfte mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche müssen kleinere Elektrogeräte mit einer Kantenlänge unter 25 Zentimetern kostenlos annehmen, auch ohne Neukauf, allerdings höchstens drei Geräte je Geräteart auf einmal. Ob eine zusammengerollte Kette dabei als Kleingerät zählt, ist Auslegungssache der Filiale. Der Wertstoffhof ist die sichere Variante. Mehr zur Rücknahme von Leuchtmitteln steht im Beitrag Leuchtmittel entsorgen.

Entsorgen ist richtig, wenn das Netzteil defekt ist, das Kabel beschädigt ist, Feuchtigkeit im Spiel war oder die Reparatur teurer wird als eine neue Kette. Im Kopf behalten sollte man außerdem, was der BUND 2019 in einer Stichprobe von vier Lichterketten fand: Bei dreien lagen Phthalate (DEHP bzw. DBP) massiv über den RoHS-Grenzwerten. Ein Argument, beim Neukauf auf Prüfzeichen zu achten, wie in der Kaufberatung zur Lichterkette am Weihnachtsbaum beschrieben.

Und wenn sie nur flackert?

Flackern ist eine andere Baustelle, meist Elektronik, Dimmer oder Netzteil, nicht ein Kabelbruch. Als Ausgangspunkt hilft der Beitrag zu LED flackert. Wenn die Kette beim Timer-Betrieb Aussetzer hat, lohnt sich ein Blick in die Anleitung zur Zeitschaltuhr an der Lichterkette, denn manche Ketten mögen weder bestimmte Timer noch Steckdosenleisten.

Fazit

Ich würde eine Kette reparieren, wenn der Fehler in fünf Minuten sichtbar ist: Sicherung, Steckverbinder, locker sitzende Lampe. Alles danach, also Netzteil, vergossene Verbindungen und feuchte Stellen, ist selten die Zeit wert. Der Elektrikforum-Fall bleibt mir als Faustregel im Kopf: Dort, wo eine Kette kaputt ist, steht die höchste Spannung. Wer das ernst nimmt, lässt das Multimeter am Netz weg, den Lötkolben von 230 Volt fern und trägt die Kette im Zweifel zum Wertstoffhof.


Quellen (abgerufen am 13.10.2026): Elektrikforum, "Reihenschaltung Lichterkette" (elektrikforum.de, Thread vom 19.12.2021), zu Kette aus 100 Lampen mit 0,5 Watt und 2,5 Volt und der Messung von 230 Volt am defekten Lämpchen; Wikipedia, "Lichterkette (Beleuchtung)" (de.wikipedia.org), zu Strombrücke, Varistor, markierter Sicherungslampe, Spannungsanstieg bei Ausfall, 230-Volt-Ketten, IP44 im Freien und zur BUND-Stichprobe 2019; iFixit, "Fixing Broken Christmas Lights" (ifixit.com, Stand 13.11.2024), zu Sicherungen, Lampentausch, Korrosion, Light-Keeper-Prüfgerät und zum Entfernen defekter Fassungen; led-universum, "Kann man eine LED Lichterkette reparieren?" (led-universum.de, 26.09.2022), zu Reihenschaltung, Wackelkontakten, Sicherungen und Ersatzlampen; led-lichterketten.eu, "Lichterketten reparieren" (led-lichterketten.eu), zu Gruppenschaltung, Netzteil, Batterieketten, SELV und Korrosion bei der Außenkette; chaosclub.org, "Alt? LED Lichterketten reparieren" (chaosclub.org, 29.11.2025), zu Schadbildern, Lebensdauer und Löten; mikrocontroller.net, "Gerissene LED Lichterkette reparieren" (mikrocontroller.net/topic/509634, 23.12.2020), zum Aufbau einer Drahtkette mit drei Leitungen; Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, "Wiederverwendung von Elektrogeräten" (abfallratgeber.bayern.de), zum Anwendungsbereich des ElektroG und zur Rücknahme im Handel.