Luxmeter-App: Wie genau misst das Smartphone wirklich?

Eine Forschungsgruppe der Universität Maribor stellte ein Huawei Mate 20 lite in einen abgedunkelten Raum, unter eine LED-Tischlampe. Das Referenzgerät, ein Testo 435, zeigte 400 Lux. Das Handy zeigte 787. Dann installierten die Forscher nacheinander elf verschiedene Luxmeter-Apps, darunter Phyphox, "Lux Meter" von My Mobile Tools und "Photometer PRO". Jede einzelne zeigte 787 Lux. Dieselbe Zahl, elfmal, und alle elf lagen um fast 100 Prozent daneben.
Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Beitrags: Bei einem Android-Handy messen nicht die Apps, sondern der Sensor. Die App zeigt nur an, was das Telefon ihr liefert. Wer wissen will, wie weit er einer Luxmeter-App trauen kann, muss also über das Handy reden, nicht über die App. Die Studienlage dazu ist ziemlich eindeutig, und sie sagt: Zum Vergleichen taugt das Handy oft gut, als Messgerät nur nach Kalibrierung, und für Prüfungen am Arbeitsplatz nicht.
Kurz gesagt
- Ein Smartphone misst Helligkeit mit einem Sensor, der eigentlich die Display-Helligkeit regeln soll. Das Ergebnis kann stark danebenliegen: In der Maribor-Studie lag ein Handy bei 400 Lux Referenz um rund 99 Prozent zu hoch, ein anderes um 1 Prozent.
- Ohne Kalibrierung lagen drei Android-Apps auf zwei Handys in einer Studie von 2024 im Mittel 28 bis 38 Prozent über dem Referenzwert. Mit einem einzigen Korrekturfaktor schrumpfte die Abweichung auf unter ein Prozent.
- Für Fragen wie "Welcher Fensterplatz ist heller?" oder "Hat sich die Lampe verbessert?" reicht ein Handy.
- Für die Prüfung eines Arbeitsplatzes verlangt die ASR A3.4 ein Messgerät "mindestens der Klasse C". Ein Smartphone erfüllt das nicht.
Was im Handy tatsächlich misst
Das Licht-Messelement eines Android-Smartphones ist ein Umgebungslichtsensor, der meist an der Vorderseite sitzt, nahe der Hörmuschel oder in der Aussparung für die Frontkamera. Ein Hersteller von Sensorbauteilen beschreibt diese Position als typisch, weil der Sensor Licht von vorn braucht, um die Bildschirmhelligkeit anzupassen (Sense The World, Tech Hub, 27.01.2026). Er ist auf die Frage gebaut: "Soll das Display heller oder dunkler werden?" Die Frage "Wie viele Lux liegen auf dem Schreibtisch?" war nie sein Auftrag.
Daraus folgt eine Handvoll praktischer Dinge. Die Vorderseite muss zur Lichtquelle zeigen, das Handy liegt flach auf der Arbeitsfläche, das Display nach oben. Ihr eigener Schatten und Ihre Hand dürfen den Sensor nicht verdecken. Und die Maribor-Autoren benennen eine Grundschwäche: Der Sensor erfasse indirektes Licht nicht gut, schreiben sie. Sobald Tageslicht und Deckenleuchte gemischt auf den Tisch fallen, wird es unzuverlässig.
Bei iPhones ist die Lage anders. Die Studie hält fest, dass iPhones keinen Lichtsensor für diese Zwecke bieten und stattdessen die Kamera nutzen. Deshalb zeigte dasselbe iPhone 11 Pro Max in der Tabelle je nach App 136, 141, 290 oder 400 Lux an, bei einer Referenz von 400. Eine App von Lightray Innovation namens Photone traf den Wert, verlangt dafür aber einen Diffusor, den man aus einem weißen A4-Blatt selbst basteln kann. Die Forscher klebten dazu einen 1,5 Zentimeter breiten Papierstreifen über Front- und Rückkamera.
Was die Studien gefunden haben
Keine einzelne Studie beantwortet alles, aber mehrere Arbeiten aus verschiedenen Ländern zeigen dasselbe Muster. Die Studien stehen hier nach Jahr, ältere zuerst, die Namen vorangestellt.
Gutierrez-Martinez et al. 2017. Das Team der Universität Alcalá in Spanien verglich in Applied Sciences (7(6), 616, doi:10.3390/app7060616) drei Wege, mit dem Handy Licht zu messen: den Umgebungslichtsensor, die Kamera und ein externes Bluetooth-Luxmeter. Die Maribor-Autoren fassen die Arbeit so zusammen: Ein großer Teil galt der Kalibrierung, weil die Abweichungen zunächst bei rund 60 Prozent lagen. Mit Kalibrierung sank der Fehler auf bis zu 10 Prozent. Wurde der Messbereich in Abschnitte geteilt (0 bis 100, 101 bis 500, 501 bis 700 Lux) und jeder einzeln kalibriert, blieb höchstens 2 Prozent.
Cerqueira et al. 2017. Neun Smartphones und vierzehn Apps gegen ein Luxmeter, bei 300, 500, 750 und 1000 Lux und drei Lichtfarben (2700, 4000 und 6500 Kelvin). Titel der Arbeit: "Is It Smart to Use Smartphones to Measure Illuminance for Occupational Health and Safety Purposes?" (doi:10.1007/978-3-319-60525-8_27). Ergebnis laut Maribor-Zusammenfassung: statistisch signifikante Unterschiede zwischen Handy-Anzeige und Luxmeter.
Messalam und Abdoli-Eramaki 2018. An der Ryerson University in Kanada wurden 70 Smartphones aus 21 Modellen mit je drei Apps getestet. Die Messungen waren laut Maribor-Zusammenfassung "approximate and unpredictable", sogar bei gleichen Modellen, und Android-Handys lagen im Schnitt näher am Referenzwert als iPhones.
Goldschmidt 2016. Eine Messreihe im akkreditierten Labor von DIAL, dem Hersteller der Planungssoftware DIALux, zeigte Abweichungen von bis zu 113 Prozent. iPhones lagen im Mittel 60 Prozent unter dem Referenzwert, die anderen Handys im Mittel 60 Prozent darüber. Vier baugleiche iPhone 5 lieferten mit derselben App unterschiedliche Werte.
Vujica Herzog et al. 2022. Die Maribor-Studie selbst (DAAAM International Scientific Book 2022, doi:10.2507/daaam.scibook.2022.03) testete zehn Handys von 2012 bis 2021 gegen das Testo 435. Dessen Sonde ist laut Studie nach "Klasse C gemäß DIN 5032-7" ausgewiesen. Bei 400 Lux Referenz lag das Samsung Galaxy A51 um 1 Prozent daneben, das Xiaomi Redmi Note 10 und die iPhones bis etwa 10 Prozent, das Huawei Mate 20 lite um 99 Prozent. Das Huawei P10 lite lag bei 56 bis 60 Prozent Abweichung, das P20 lite bei 13 bis 27 Prozent, obwohl beide laut Studie denselben Sensor nutzen.
Dazu passt der ernüchterndste Satz der Studie: Die Genauigkeit ließ sich weder dem Alter noch dem Preis noch der Marke zuordnen. Ein teures neues Handy ist nicht automatisch ein besseres Luxmeter.
Rodriguez et al. 2024. Die jüngste Arbeit stammt aus Ergonomics in Design (33(3), 126 bis 134, doi:10.1177/10648046241263631). Zwei Handys, drei Android-Apps, 20 bis 1000 Lux. Unkalibriert lagen die Mittelwerte zwischen 28,36 und 37,58 Prozent über der Referenz. Ein einziger Korrekturfaktor bei der mittleren Beleuchtungsstärke drückte die Abweichung auf 0,84 Prozent, eine Potenzfunktion auf minus 0,17 Prozent. Die Autoren schreiben, ein richtig kalibriertes Smartphone könne ein einfaches Luxmeter ersetzen.
Kalibrieren: Warum es hilft und wo es aufhört
Eine Beobachtung aus Maribor erklärt, warum Kalibrierung so gut wirkt. Bei einer Referenz von 204, 400, 758, 1080 und 1567 Lux lag das Huawei Mate 20 lite jedes Mal bei 97 bis 100 Prozent Abweichung, das Xiaomi Redmi Note 4 jedes Mal bei 28 bis 31 Prozent. Der Fehler ist also oft ein fester Faktor. Wer den kennt, kann ihn herausrechnen.
Das funktioniert aber nur unter einer Bedingung. Maribor testete dieselben Handys auch bei Tageslicht und gemischtem Licht. Die Abweichungen waren dort anders als bei LED-Licht und ließen sich laut Studie nicht auf die anderen Lichtquellen übertragen. Der Kalibrierfaktor, den Sie mit der Schreibtischlampe ermitteln, gilt dann nicht am Fenster. Ein Faktor gilt für eine Lichtart.
So gehen Sie in der Praxis vor, wenn Sie ein Handy kalibrieren wollen. Messen Sie einmal parallel mit einem Handy und einem Luxmeter, das Sie sich leihen können, etwa von einem Elektriker oder Fotografen im Bekanntenkreis. Bei Android-Handys reicht die Messung unter der Lampe, die Sie später prüfen wollen. Dividieren Sie den Referenzwert durch die Handy-Anzeige, das ist Ihr Faktor. Viele Apps haben dafür ein Kalibrierfeld, die Maribor-Autoren nennen es etwa für "Lux Meter" von My Mobile Tools. Ohne Referenzgerät gibt es nichts zu kalibrieren. Eine App, die sich per Knopfdruck "kalibriert", ohne zu fragen, wogegen, tut nur so.
Welche App? Eher Nebensache
Zwei Beispiele, mit Stand 05.11.2026 laut Store-Eintrag. Phyphox kommt von der RWTH Aachen und steht bei Google Play mit 4,7 Sternen aus 8650 Bewertungen und mehr als einer Million Downloads. Sie ist ein Sammelwerkzeug für Handy-Sensoren, kann Messungen mit Zeitverzögerung starten, damit Ihr Schatten nicht stört, und exportiert die Daten als Tabelle. Die Maribor-Autoren nannten sie "most universally useful". Im deutschen App Store gibt es zum Beispiel "LUX - Luxmeter" des Entwicklers koji torishima, kostenlos mit In-App-Käufen. Der Eintrag nennt Anwendungen wie Wohnzimmer, Büro und Pflanzen, Min/Mittel/Max-Werte und einen Vergleich mit Richtwerten. Ob die Zahl stimmt, sagt der Store-Eintrag nicht. Das tut er bei keiner App.
Auf Android spielt die Wahl der App keine große Rolle, die Studie zeigte identische Werte. Auf dem iPhone entscheidet sie dagegen mit, und dort ist ein Diffusor Pflicht.
Was die ASR A3.4 zur Messung am Arbeitsplatz sagt
Wer prüfen will, ob ein Büroplatz ausreichend hell ist, landet bei der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 "Beleuchtung und Sichtverbindung" (Ausgabe Mai 2023, baua.de). Im Anhang 3 steht für "Schreiben, Lesen, Datenverarbeitung" ein Mindestwert der Beleuchtungsstärke von 500 lx, für "Ablegen, Kopieren" 300 lx. Mehr zu den Werten finden Sie im Beitrag zur Beleuchtung in Büroräumen.
Für die Messung enthält Abschnitt 9.3 "Orientierende Messung" den entscheidenden Satz im Wortlaut:
"Sofern zur Auswahl oder zur Prüfung von Beleuchtungseinrichtungen orientierende Messungen im Betrieb durchgeführt werden, sind Beleuchtungsstärkemessgeräte zu verwenden, die mindestens der Klasse C gemäß DIN 5035 Teil 6, Ausgabe 2006-11 entsprechen."
Die Klasse beschreibt die Güte eines Messgeräts. Die Klasseneinteilung für Beleuchtungsstärkemessgeräte regelt heute die DIN 5032-7 (aktuelle Ausgabe 2024-12), die laut DIN Media die Güte "durch nur einen Wert, die Klasse des Photometers" beschreibt. Nach einer Übersicht des Kalibrierdienstleisters MicroPrecision, der sich auf einen Prüfsystem-Hersteller beruft, begrenzen die Klassen die Abweichung der spektralen Empfindlichkeit vom Auge auf 2 Prozent (Klasse L), 3 Prozent (A), 6 Prozent (B) und 9 Prozent (C). Das ist die Abweichung der Sensorkurve und nicht der Gesamtfehler einer Messung, aber sie zeigt, wie ein Gerät aufgebaut sein muss, damit es bei LED, Leuchtstoffröhre und Tageslicht ähnlich misst. Genau diese Eigenschaft fehlt dem Handy-Sensor offenbar: Maribor sah, dass sich die Abweichung bei einem Wechsel der Lichtquelle verändert.
Ein Smartphone, das keine solche Klasse ausweist, erfüllt die ASR-Vorgabe nicht, auch nicht mit gut kalibrierter App. Wenn Sie als Arbeitgeber eine Beleuchtung prüfen, kaufen oder leihen Sie ein Gerät der Klasse C oder besser.
Die ASR gibt außerdem zwei Messregeln mit, die auch für Sie zu Hause gelten. Räume mit Tageslicht sollen "bei natürlicher Dunkelheit" gemessen werden. Geht das nicht, wird erst bei eingeschalteter, dann bei ausgeschalteter künstlicher Beleuchtung gemessen, und die Differenz ergibt den Anteil der Lampen. Die Messpunkte sollen "möglichst gleichmäßig" auf der Bezugsebene verteilt sein, bei einem Schreibtisch also nicht nur an der besten Stelle.
Wann die App reicht und wann nicht
Die Maribor-Autoren schreiben in ihrem Fazit, die meisten Smartphones lieferten "good, meaningful data" für Zuhause, Fotografie und Pflanzenwuchs. Genaue Messungen verlangten dagegen ein professionelles Luxmeter. Die Einschätzung unten stützt sich darauf und auf die Studien oben.
Die App reicht, wenn Sie vergleichen wollen. Welche Fensterbank ist heller, wie stark sinkt die Helligkeit einen Meter vom Fenster entfernt, ist der Schreibtisch nach dem Lampentausch heller geworden. Bei gleichem Handy, gleicher Haltung und gleicher Lichtart sind Verhältnisse oft brauchbarer als Absolutwerte, weil der feste Fehlerfaktor wegfällt (so die Beobachtung konstanter Abweichungen in Maribor). Auch der Wert für einen Dämmerungsschalter lässt sich so grob eingrenzen, wie im Beitrag zum Einstellen des Lux-Werts beschrieben. Für Zimmerpflanzen gilt dasselbe: Das Handy zeigt, ob eine Ecke deutlich dunkler ist. Welche Lux-Werte eine Art braucht, ist eine andere Frage, die Zahlen dazu stehen im Beitrag zur Zamioculcas bei wenig Licht und im Überblick der Lux-Tabelle für Natur und Innenraum. Lux bewertet Licht nach dem Auge, nicht nach dem, was Pflanzen nutzen.
Die App reicht, wenn Sie kalibriert haben und eine Lichtart prüfen. Ein Beispiel ist die Abstandsfrage bei einer Lichttherapielampe. Wie lange und in welchem Abstand sie eingesetzt wird, steht im Beitrag zur Tageslichtlampe. Ob Ihr Handy den Herstellerwert trifft, sehen Sie nur im Vergleich mit einem Referenzgerät.
Ein Messgerät brauchen Sie, wenn etwas davon abhängt. Ein Arbeitsplatz, bei dem es um die ASR geht, eine Reklamation gegenüber einem Vermieter oder Lieferanten, ein Gutachten, ein Streit, bei dem jemand eine Zahl in der Hand haben will. Dann zählt eine Zahl, die Dritte nachvollziehen können, und die kommt von einem klassifizierten, am besten kalibrierten Gerät.
Mein Fazit
Das Handy ist ein brauchbarer Taschenbegleiter und ein schlechter Zeuge. Es sagt Ihnen verlässlich, dass es in der Ecke dunkler ist als am Fenster, und unzuverlässig, um wie viel. Was mich an der Studienlage überrascht, ist weniger die Streuung als die Reproduzierbarkeit: Der Fehler ist oft konstant, und genau das macht die Kalibrierung so wirksam. Wer ein Referenzgerät auftreibt, kann sein Handy für ein bis zwei Lichtarten zu einem brauchbaren Werkzeug machen. Wer keines hat, sollte die Zahl auf dem Display als Größenordnung lesen und nicht als Messwert.
Quellen
- Gutierrez-Martinez, J.-M. et al. (2017): Smartphones as a Light Measurement Tool: Case of Study. Applied Sciences 7(6), 616. doi:10.3390/app7060616
- Cerqueira, D., Carvalho, F., Melo, R. B. (2017): Is It Smart to Use Smartphones to Measure Illuminance for Occupational Health and Safety Purposes? In: Advances in Safety Management and Human Factors (AHFE 2017). doi:10.1007/978-3-319-60525-8_27
- Vujica Herzog, N., Dobaj, P., Buchmeister, B., Spindler, L. (2022): Comparison between Lux Meter Apps and Illumination Measuring Devices. DAAAM International Scientific Book 2022, S. 31 bis 46. doi:10.2507/daaam.scibook.2022.03 (enthält die Zusammenfassungen zu Goldschmidt 2016, Messalam und Abdoli-Eramaki 2018 und Odenwald)
- Rodriguez, Paviglianiti, Dumit, Pattini (2024): Dos & Don'ts in Measuring Illuminance With Smartphones. Ergonomics in Design 33(3), 126 bis 134. doi:10.1177/10648046241263631
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung, Ausgabe Mai 2023, Abschnitte 9.3 und Anhang 3
- DIN Media: DIN 5032-7, Ausgabe 2024-12, Einführungsbeitrag
- MicroPrecision: Getting the Right Light Meter Accuracy Class (Klassengrenzen f1')
- Sense The World: Where is the Proximity and Ambient Light Sensor Located in a Smartphone? (27.01.2026)
- Store-Einträge Phyphox (Google Play) und LUX - Luxmeter (App Store Deutschland), Stand 05.11.2026


