Schwibbogen auf LED umrüsten: Welche Volt-Zahl in den Sockel gehört und warum eine einzelne Birne nicht reicht

Woher der Schwibbogen kommt, weiß niemand so genau, wie die Verkaufstexte es behaupten. Die gängige Erzählung: Bergleute im Erzgebirge hängten am Heiligabend ihre brennenden Grubenlampen im Halbkreis über den Stolleneingang, und aus dieser Geste wurde der Lichterbogen. Als erster Metallbogen gilt einer, den 1740 ein Schmied in Johanngeorgenstadt fertigte (so die englische Wikipedia). Dagegen steht eine Forschungsthese, die Sylva-Michèle Sternkopf am 18. Dezember 2020 im Online-Magazin für Erzgebirgisches Kunsthandwerk wiedergibt: Der Kunsthistoriker Dr. Igor Jenzen führe die Motive auf ein Saturnfest zur Fürstenhochzeit 1719 zurück, mit hell erleuchteten Arkaden und Fackelbögen, nicht auf Bergmannselend. "Endgültig beweisen kann es niemand", heißt es in dem Beitrag.
Beim Strom ist es dagegen eindeutig. Viele Schwibbögen hängen nicht an einem kleinen Netzteil, sondern direkt an der Steckdose, und die 230 Volt verteilen sich auf alle Birnen. Daraus folgen alle Regeln der Umrüstung: Man tauscht nie eine Birne, sondern alle, und die Zahl, die in den Sockel eingraviert ist, entscheidet über jeden Kauf.
Das Prinzip: 230 Volt durch Anzahl der Kerzen
Die Erzgebirge-Shopping-Fehlersuche beschreibt es so: Die Lampen sind in Reihe geschaltet, deshalb legt schon eine lockere oder defekte Birne den ganzen Bogen lahm. Die benötigte Spannung pro Birne ergibt sich, indem man 230 Volt durch die Zahl der Brennstellen teilt. Der Shop nennt als Standardfälle 46 V für 5 bis 6 Positionen, 34 V für 7 bis 8 und 23 V für 9 bis 10.
Der Engelheim-Shop führt die Zuordnung genauer auf, und die Rechnung geht fast glatt auf:
| Brennstellen | Spannung je Birne | Summe |
|---|---|---|
| 5 | 46 V (Engelheim nennt für kleine Bögen mit 5 Brennstellen 55 V) | 230 V (bei 55 V: 275 V) |
| 7 | 34 V | 238 V |
| 10 | 23 V | 230 V |
| 15 bis 16 | 16 V | 240 bis 256 V |
| 20 | 12 V | 240 V |
Wo die Zahl steht: Laut Engelheim auf dem Typenschild des Bogens, auf der Originalverpackung oder in den Metallsockel der alten Birne eingraviert. Der Sockel ist in den meisten Fällen E10, den Unterschied zu E14 und E27 erklärt Lampensockel im Überblick.
Reihe oder Trafo: Der Ausdreh-Test
Nicht jeder Bogen ist gleich aufgebaut. Weihnachtshaus.eu und Erzgebirge-Shopping beschreiben denselben einfachen Test: Drehen Sie bei gezogenem Stecker eine Birne heraus und stecken Sie den Bogen wieder ein. Gehen alle anderen Kerzen aus, sind die Lampen in Reihe geschaltet, und der Wechsel auf LED ist einfach. Brennen die übrigen weiter, steckt im Bogen ein Trafo oder Netzteil, und dessen Ausgangsspannung muss zur Volt-Zahl der Birnen passen.
Der Test hat einen Haken: Nach einer Elektro-Info von Scharnberger & Hasenbein (Dezember 2025) kann bei einer defekten oder fehlenden Birne an Kontakt oder Gewinde je nach Steckerstellung die volle Netzspannung anliegen. Dazu später mehr. Wer unsicher ist, liest die Gravur und zählt die Kerzen, statt zu testen. Passen 230 Volt geteilt durch Kerzenzahl ungefähr zur Gravur, ist es eine Reihenschaltung. Steht dort 8, 12 oder 14 Volt bei einem Bogen mit zehn Kerzen, hängt ein Trafo dran.
Alle oder keine: Warum Mischbetrieb nicht geht
Engelheim schreibt unmissverständlich: Bei einer Reihenschaltung müssen immer alle Glühbirnen gleichzeitig durch passende LED-Ersatzlampen ersetzt werden, ein Mischbetrieb aus alten Glühlampen und neuen LEDs funktioniere nicht und würde die LEDs zerstören. Der Hersteller der 34-V-Kerzen auf weihnachtshaus.eu formuliert dasselbe als Packungshinweis: Alle Kerzen eines Bogens müssen zusammen getauscht werden.
Der Grund liegt in der Elektrik, nicht im Marketing. Eine 3-Watt-Glühbirne und eine 0,2-Watt-LED ziehen bei gleicher Nennspannung sehr verschiedene Ströme, in einer Reihe fließt aber überall derselbe. Eine der beiden Sorten bekommt dann einen Strom, für den sie nicht gebaut ist (diese Erklärung ist meine Einordnung, die Händler nennen nur das Ergebnis). Kaufen Sie deshalb den Satz für den ganzen Bogen auf einmal: sieben Stück für sieben Kerzen, zehn für zehn.
Was die LED-Kerze kostet und spart
Die Händler nennen für die LED-Kerze übereinstimmend rund 0,2 Watt gegenüber 3 Watt bei der Glühbirne, das sind etwa 7 Prozent oder 65 Prozent Ersparnis je nach Rechenweise (die Zahlen stammen von Engelheim und weihnachtshaus.eu, es sind Herstellerangaben). Die 34-V-Kerze mit E10-Sockel und 45 mm Höhe kostet bei weihnachtshaus.eu 1,30 Euro das Stück, das Sortiment reicht von 1,30 bis 3,95 Euro.
Eine Beispielrechnung mit eigenen Annahmen, die nicht aus einer Quelle stammen: Ein Bogen mit sieben Kerzen verbraucht mit Glühbirnen 21 Watt, mit LEDs 1,4 Watt. Bei acht Stunden täglich über vier Wochen (224 Stunden) und 40 Cent je Kilowattstunde sind das 1,88 Euro gegen 13 Cent. Der Strom ist also nicht das Argument, die Umrüstung kostet mit rund neun Euro für sieben Kerzen ein Vielfaches davon. Die eigentlichen Gründe stehen bei Engelheim: Die LED erzeugt keine nennenswerte Wärme, das schont das Holz, das sich über den Glühbirnen nach Jahren braun färben kann, und die Lebensdauer ist länger. Bei einem Reihenbogen, der mit einer einzigen durchgebrannten Birne ganz ausgeht, ist das der Punkt, den man spürt (meine Einordnung). Wer die Stromkosten der gesamten Weihnachtsbeleuchtung vergleichen will, findet die Rechenbeispiele der Verbraucherzentrale in Weihnachtsbeleuchtung: Was sie kostet.
Variable Spannung: Die Universal-LED
Einige Händler führen LED-Kerzen für 8 bis 48 Volt. Laut Erzgebirge-Shopping passen sie damit in Bögen mit 5 bis 30 Brennstellen, ohne dass man die Spannung zuordnen muss. Weihnachtshaus.eu bietet eine Variante "10 V bis 55 V universal" an. Das ist praktisch, wenn die Gravur unlesbar ist. Ich habe keine unabhängige Messung dazu gefunden, es bleibt eine Herstellerangabe. Prüfen Sie im Zweifel, ob der angegebene Bereich Ihre Volt-Zahl tatsächlich einschließt, und kaufen Sie bei fest gravierter Spannung lieber den passenden Typ.
Bögen mit Trafo: Hier lauert die Falle
Hat Ihr Bogen einen Trafo, liegt am Ausgang eine kleine Wechselspannung an, im Beispiel eines Bastlers 12 Volt AC. Die Volt-Zahl der LED-Kerze muss dann zum Trafo passen, sagt weihnachtshaus.eu. Was passiert, wenn man davon abweicht und auf eigene Faust Einzel-LEDs verbaut, hat Oliver Pankoke im Dezember 2020 auf seinem Blog dokumentiert. Er nahm für seinen Bogen mit elf Zinken an, der Trafo liefere Gleichspannung, und baute zwölf LEDs mit je rund 3 Volt in Gruppen zu vier. Ergebnis laut seinem Bericht: alle LEDs flackerten, ein Elektrolytkondensator explodierte nach etwa fünf Sekunden wegen falscher Polung, zwei LEDs gingen kaputt, vermutlich durch 4 statt 3 Volt. Der Trafo lieferte 12 Volt Wechselspannung, nicht Gleichspannung.
Die Lehre daraus: Kaufen Sie fertige LED-Kerzen, die für Wechselspannung ausgelegt sind, statt Bauteile selbst zu verdrahten. Dazu passt ein Befund aus dem Elektrikforum: Im Dezember 2019 versuchte ein Nutzer, LED-Kerzen (angegeben für 8 bis 55 V Wechselspannung) an einem Labornetzteil mit Gleichspannung zu testen. Sie leuchteten nicht, nur die alten Glühbirnen. Wer Batteriebetrieb will, nehme laut einer Forenantwort (7 x 0,2 W = 1,4 W, eine 9-V-Blockbatterie mit rund 9 Wh reicht für etwa sechs Stunden) gleich batteriebetriebene LED-Kerzen mit eigenen Zellen.
Sicherheit: Hier liegen 230 Volt an
Zwei Hinweise sollten Sie ernst nehmen. Erstens: Bei Netzspannungs-Reihenbögen kann an Kontakt oder Gewinde der leeren Fassung je nach Steckerstellung 230 V anliegen (Scharnberger & Hasenbein). Zweitens: Reparaturen am Gerät selbst, also an Zuleitung, Schalter oder Verdrahtung, gehören laut Erzgebirge-Shopping zu einem Elektriker, sobald die Leitungen beschädigt oder lose sind. Praktisch heißt das: Vor jedem Tausch den Stecker ziehen, nie bei eingestecktem Bogen in die Fassung greifen und keinen Phasenprüfer in die kleinen Sockel stecken.
Wenn nach dem Umbau nichts leuchtet
- Alle Kerzen fest eingedreht? Eine lockere Birne unterbricht die Reihe, auch bei LED. Erzgebirge-Shopping nennt das als ersten Schritt.
- Richtige Volt-Zahl? Gravur des alten Sockels mit der neuen Kerze vergleichen.
- Mischbetrieb? Steckt noch eine Glühbirne im Bogen, tauschen Sie sie aus.
- Trafo-Bogen? Dann zählt die Trafo-Ausgangsspannung, nicht 230 V durch Kerzenzahl.
- Bogen schaltet nicht? Kabel, Schalter und Steckerleiste prüfen. Beschädigte Zuleitung: Elektriker.
Die alten Birnen
Engelheim weist darauf hin, dass alte Glüh- und Halogenlampen zum Wertstoffhof gehören, während LED-Lampen wie Hausmüll behandelt werden dürfen. Wer sich unsicher ist, findet Details in Leuchtmittel richtig entsorgen. Heben Sie eine Birne als Muster auf, bis der Bogen mit den neuen Kerzen läuft.
Kurz gesagt
Ein Schwibbogen mit Reihenschaltung teilt 230 Volt auf alle Kerzen. Lesen Sie die Volt-Zahl am Sockel ab (34 V bei sieben Kerzen, 23 V bei zehn, nach den Händlertabellen), kaufen Sie einen kompletten Satz LED-Kerzen mit E10-Sockel und tauschen Sie alle Birnen auf einmal. Mischbetrieb zerstört die LEDs, bei Trafo-Bögen muss die Spannung zum Trafo passen, und Bastellösungen mit Einzel-LEDs gehen schneller schief, als man denkt. Die Ersparnis liegt bei etwa 2 Euro Strom pro Saison, der Gewinn ist ein Bogen, der nicht durchbrennt und das Holz nicht bräunt.
Quellen: Engelheim, "Ersatzbirnen für Lichterkette und Schwibbogen" (engelheim.de/ersatz-gluehlampen), zur Zuordnung 12 bis 230 V, Mischbetriebsverbot, 0,2 W gegen 3 W · Erzgebirge-Shopping, "Schwibbogen funktioniert nicht?" (erzgebirge-shopping.com) und "Schwibbogen auf LED umrüsten", zu Reihenschaltung, Division 230 V, 8 bis 48 V · weihnachtshaus.eu, LED-Kerzen für Schwibbogen (Ausdreh-Test, 34-V-Kerze, 45 mm, 1,30 Euro) · Oliver Pankoke, "Schwibbogen Umrüstung Glühlampe zu LED" (oliver-pankoke.de, 24. Dezember 2020) · Scharnberger & Hasenbein, Elektro-Info "Reihenschaltung bei Lichterketten, Schwibbögen" (Dezember 2025) · Elektrikforum, Thread "Schwibbogen umrüsten auf LED" (12. Dezember 2019) · Sylva-Michèle Sternkopf, Kommentar im Online Magazin für Erzgebirgisches Kunsthandwerk "Die Kunst zum Leben" (18. Dezember 2020), Hypothese Igor Jenzen · Wikipedia (en), "Schwibbogen", zu 1740 Johanngeorgenstadt und Mettenschicht. Beispielrechnung zu den Stromkosten: eigene Annahmen.


