Im Juni 2018 beschrieb ein Hausbesitzer im Elektrikforum ein Treppenhaus, das sich nicht entscheiden konnte. Zuerst ging das Licht zwar an, aber "sobald man den Schalter losslies sofort wieder aus". Er baute einen Taster nach dem anderen aus, drehte die Sicherungen wieder ein, und danach war das Licht "auf daueran". Er tauschte eine Feinsicherung im Treppenhausrelais. Danach blieb das Licht an, und man hörte, so schrieb er, "das klacken der Zeitschaltuhr/Zeitrelais ohne das das licht ausgeht".

Das Relais fand er schließlich in einer schuhkartongroßen Box außerhalb des Sicherungskastens. Anhand eines Fotos im Netz bestimmte er es als MM50, gebaut in den 1960er-Jahren. Die Antworten im Forum waren kurz: Das Relais sei vermutlich hinüber, und so lassen solle er es nicht, weil die Spule verbrennen könnte.

Ich mag diesen Fall. Ein Relais, älter als die meisten Leute im Haus, und ein Klacken, das nach Reparatur klingt und nichts repariert: Viel mehr braucht es für Dauerlicht im Treppenhaus selten. Für alle, die gerade unter einer Lampe stehen, die seit Tagen brennt: Die Ursache lässt sich meist eingrenzen, bevor jemand den Verteilerkasten aufschraubt.

Wie ein Treppenlichtautomat arbeitet

Die Taster im Treppenhaus schalten das Licht nicht selbst. Sie geben nur einen kurzen Impuls an ein Gerät, das meist im Verteiler im Keller oder Erdgeschoss sitzt. Die Fachleute sagen Treppenlicht-Zeitschalter, im Haus heißt es Treppenhausautomat, Minutenlicht oder, in der Deutschschweiz, 3-Minuten-Automat. Das Gerät schaltet die Leuchten ein und nach einer eingestellten Zeit wieder aus.

Früher erledigten das ein Uhrwerk oder ein pneumatischer Kolben, der langsam Luft abließ. Heute arbeiten die Geräte elektronisch, enthalten laut Wikipedia aber meistens immer noch ein ganz gewöhnliches Spulenrelais. Dieses Relais ist die Stelle, an der die meisten Dauerlicht-Geschichten enden.

Noch eine Vorbemerkung, damit niemand einen Defekt meldet, der keiner ist: Wenn das Licht kurz vor dem Ausgehen flackert oder sich herunterdimmt, ist das Absicht. Seit 1996 verlangt die DIN 18015-2 für Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern eine solche Ausschaltvorwarnung, damit man rechtzeitig nachdrücken kann.

Ursache 1: Der Automat steht auf Dauerlicht

Das ist die langweiligste Erklärung und nach meinem Eindruck aus den Foren die häufigste. Fast jeder Treppenlichtautomat hat am Gehäuse einen kleinen Kipp-, Schiebe- oder Drehschalter mit zwei oder drei Stellungen: Automatik, Dauer ein und bei manchen Dauer aus. Bei Eltakos TLZ12-8 ist es der große Drehschalter vorne, bei Hagers EMN001 ein Handschalter mit den Stellungen Automatik oder Dauerbeleuchtung.

Gestellt wird dieser Schalter ganz legal, wenn jemand im Treppenhaus streicht, Möbel trägt oder die Leuchten tauscht und das Licht nicht alle drei Minuten ausgehen soll. Zurückgestellt wird er danach eher selten. In einem Reddit-Thread zu einem Treppenlichtautomaten, der "dauer an" war, lautete die Auflösung entsprechend nüchtern: Am Automaten sitze ein Kippschalter, der "entweder auf Dauerlicht steht oder auf Tasteransteuerung".

Wer Zugang zum Verteiler hat, schaut nach, ob der Schalter auf dem Symbol für Dauerlicht steht. Er sitzt vorne am Gerät und ist erreichbar, sobald die Verteilertür offen ist, abschrauben muss man nichts. Mieter ohne Schlüssel zum Verteilerraum melden es der Hausverwaltung und schreiben genau diesen Verdacht dazu.

Ursache 2: Jemand hat den Taster zu lange gedrückt

Viele neuere Automaten haben eine Komfortfunktion, die man leicht für einen Fehler hält. Beim Eltako TLZ12-8plus heißt sie Taster-Dauerlicht: Wer länger als eine Sekunde drückt, schaltet laut Bedienungsanleitung auf Dauerlicht, und das bleibt 60 Minuten an, wenn es niemand mit einem Druck von mehr als zwei Sekunden wieder ausschaltet. In einer anderen Betriebsart dieses Geräts wird vergessenes Dauerlicht erst nach zwei Stunden abgeschaltet.

Das erklärt einen Abend, an dem das Licht nach dem Einkaufentragen eine Stunde brennt. Es erklärt keine Woche. Wer den Verdacht hat: eine gute Stunde abwarten oder einmal kräftig länger als zwei Sekunden auf einen Taster drücken. Geht das Licht dann aus, war es keine Störung.

Ursache 3: Ein Taster klemmt

Weil die Taster im Treppenhaus parallel geschaltet sind, genügt ein einziger klemmender Taster, damit der Automat einen Dauerbefehl bekommt. Ob das Licht dann dauerhaft brennt oder nach Ablauf der Zeit trotzdem erlischt, hängt von der Schaltung ab. Wikipedia unterscheidet Vierleiter- und Dreileiterschaltung, und bei der verbreiteten Vierleiterschaltung ist das Gerät "nachtastbar", ein Tastendruck startet die Zeit also neu. Ein dauerhaft gedrückter Taster startet sie in diesem Fall immer wieder.

Also einmal durchs Haus gehen, jeden Taster drücken und loslassen. Eine Wippe, die schief sitzt oder nicht zurückfedert, ist der Hauptverdächtige. Der Hausbesitzer aus dem Elektrikforum ging übrigens genauso vor, nur mit Schraubenzieher. Das ist Arbeit für eine Elektrofachkraft, weil hinter jedem Taster 230 Volt liegen.

Ursache 4: Zu viele beleuchtete Taster

Diese Ursache ist heimtückisch, weil sie oft nach einer Verschönerung auftritt. Damit man die Taster im Dunkeln findet, haben viele eine kleine Glimmlampe oder LED eingebaut. Diese Lämpchen hängen parallel zum Taster und bekommen ihren Strom über die Tasterleitung, also genau über die Leitung, auf der der Automat auf einen Druck wartet.

Der Automat muss deshalb einen kleinen Dauerstrom durchlassen, ohne ihn als Tastendruck zu verstehen. Wikipedia nennt dafür typische Grenzen von 50 oder 150 Milliampere. Eltako gibt für seine Treppenlicht-Zeitschalter "Glimmlampenstrom bis 50 mA" an, abhängig von der Zündspannung der Glimmlampen, Theben bewirbt für den ELPA 3 eine "hohe Glimmlampenlast bis zu 100 mA". Wie viele Lämpchen das sind, hängt vom Einzelstrom ab.

Die Grenzen stehen nicht zufällig im Datenblatt. Werden bei einer Renovierung mehr oder andere beleuchtete Taster eingebaut, als der Automat verträgt, ist die Tasterleitung dauerhaft belastet, und das Gerät kann nicht mehr sicher zwischen Orientierungslicht und Tastendruck unterscheiden. Dauerlicht ist eine mögliche Folge, ein Licht, das sich gar nicht mehr einschalten lässt, eine andere. Wer seit dem Tausch der Schalterprogramme Ärger hat, sollte hier anfangen.

Ursache 5: Das Relais ist verschweißt

Hier kommt das Klacken aus dem Elektrikforum ins Spiel. Hört man das Relais nach Ablauf der Zeit schalten und das Licht bleibt trotzdem an, dann öffnet der Kontakt nicht mehr. Häufig hat er sich beim Einschalten festgebrannt.

Der Grund dafür ist oft eine gut gemeinte Modernisierung. Wer die alten Glühlampen im Treppenhaus durch LED ersetzt, spart Strom, belastet aber den Schaltkontakt auf eine Art, die man in der Wattzahl nicht sieht. Die Netzteile in LED-Lampen ziehen im Moment des Einschaltens für sehr kurze Zeit einen Strom, der ein Vielfaches ihres Betriebsstroms beträgt.

Wie groß der Unterschied ist, steht im Datenblatt des Eltako TLZ12-8. Derselbe 16-Ampere-Kontakt schaltet Glühlampen bis 2.000 Watt, aber LED-Lampen nur bis 100 Watt, also ein Zwanzigstel. Das Schwestermodell TLZ12-8plus schafft LED bis 600 Watt, weil es im Nulldurchgang der Netzspannung schaltet, laut Eltako "zur Schonung der Kontakte und Lampen", und hält einen Einschaltstrom von bis zu 120 Ampere für 5 Millisekunden aus. Selbst dafür schränkt der Hersteller ein, dass es "herstellerabhängig zu einer Beschränkung der maximalen Anzahl der Lampen" kommen kann, besonders bei sehr kleinen Leistungen wie 2-Watt-LEDs.

Theben, der zweite große Hersteller, schreibt es in seinem Grundlagentext zu LED noch deutlicher: Mehrere LEDs mit geringer Nennleistung könnten in der Summe höhere Einschaltströme haben als eine einzelne LED mit derselben Gesamtleistung. Wer also zwölf kleine LED-Lampen an einen alten Automaten hängt, der für Glühlampen ausgelegt war, hat nach der Rechnung auf dem Papier wenig Last und in der Praxis das Gegenteil. Nach meiner Einschätzung ist das die häufigste Ursache für ein kaputtes Relais nach einer LED-Umrüstung, und sie lässt sich vermeiden, wenn beim Lampentausch gleich der Automat mitgeprüft wird.

Ein verschweißtes Relais kann niemand im Haus selbst reparieren. Der Automat wird getauscht. Das ist ein Termin für die Elektrofachkraft.

Was das Dauerlicht kostet

Ein paar Tage Dauerlicht sind ärgerlich, aber kein Vermögen. Über Monate sieht das anders aus. Die folgende Rechnung ist meine eigene, mit dem Durchschnittspreis für Haushaltsstrom 2026 von 37,0 Cent pro Kilowattstunde laut BDEW. Der Allgemeinstromtarif eines Hauses kann davon abweichen.

TreppenhausLeistungDauerlicht pro JahrKosten pro Jahr
8 LED-Leuchten à 10 W80 W701 kWhrund 260 Euro
8 Glühlampen à 60 W480 W4.205 kWhrund 1.560 Euro
8 LED-Leuchten, normaler Betrieb mit etwa einer Stunde Licht pro Tag80 W29 kWhrund 11 Euro
Bei LED ist der Fehler also vor allem eine Frage der Ordnung. Bei alten Glühlampen ist er richtig teuer. Und bei beiden verkürzt Dauerbetrieb die Lebensdauer der Leuchtmittel.

Wer bezahlt

Im Mietshaus sind zwei Dinge zu trennen, der Strom und die Reparatur.

Der Strom für die Beleuchtung von Treppenhaus, Fluren, Keller und Zugängen gehört nach § 2 Nr. 11 der Betriebskostenverordnung zu den Kosten, die der Vermieter umlegen darf, wenn der Mietvertrag das vorsieht. Die Reparatur des Automaten oder der Taster ist dagegen Instandhaltung und bleibt beim Vermieter. Das Amtsgericht Münster hat das am 16.10.2012 (Az. 7 C 4687/11) schon für die Anschaffung von Leuchten und Leuchtmitteln so entschieden.

Grauzone ist der Mehrverbrauch durch einen Defekt, den niemand behebt. Das Gesetz verpflichtet Vermieter bei den Betriebskosten zur Wirtschaftlichkeit (§ 556 Abs. 3 BGB). Meine Einschätzung, keine Rechtsberatung: Wer als Mieter das Dauerlicht nachweisbar gemeldet hat, etwa per E-Mail mit Datum, hat eine gute Grundlage, einen deutlich gestiegenen Allgemeinstrom in der Abrechnung zu hinterfragen. Ohne Meldung ist diese Grundlage dünn.

Die umgekehrte Frage, wer haftet, wenn das Licht zu früh ausgeht und jemand stürzt, beschäftigt die Gerichte häufiger. Das Landgericht Coburg wies 2013 die Klage einer Frau ab, die bei ausgefallener Treppenhausbeleuchtung auf der letzten Stufe gestürzt war (Az. 11 O 235/11). Sie hätte sich auf die Dunkelheit einstellen und zum Beispiel den Handlauf benutzen müssen. Das Landgericht Düsseldorf hielt eine Zeitschaltung für ausreichend, wenn das Intervall reicht, um nicht auf jeder Etage nachdrücken zu müssen (Az. 14e O 120/12). Welche Beleuchtungsstärke im Treppenhaus eigentlich vorgesehen ist, steht in unserem Beitrag zur Treppenbeleuchtung im Mietshaus.

Die Reihenfolge für die Fehlersuche

Wenn ich morgen in einem Haus mit Dauerlicht stünde, würde ich so vorgehen:

  1. Eine gute Stunde warten oder einen Taster länger als zwei Sekunden drücken. Geht das Licht aus, war es die Komfortfunktion.
  2. Den Schalter am Automaten ansehen. Steht er auf Dauerlicht, zurück auf Automatik.
  3. Alle Taster einmal drücken und auf eine Wippe achten, die nicht zurückfedert.
  4. Fragen, was sich zuletzt geändert hat. Neue beleuchtete Taster sprechen für Ursache 4, neue LED-Lampen für Ursache 5.
  5. Hinhören, am besten zu zweit. Klackt der Automat nach Ablauf der Zeit und das Licht bleibt an, ist das Relais verschweißt, und der Automat muss getauscht werden.
Die Schritte 1 bis 4 kann jeder erledigen, der ins Treppenhaus kommt. Ab Schritt 5 gehört der Fall zu einer Elektrofachkraft, das schreiben die Hersteller auch ausdrücklich in ihre Anleitungen. Wer beim Tausch sowieso gerade dabei ist, kann über einen Automaten mit Nulldurchgangsschaltung nachdenken, wenn im Treppenhaus LED hängen. Und wer lieber ganz auf Bewegungsmelder umsteigt: Was dabei zu beachten ist, steht im Vergleich Präsenzmelder gegen Bewegungsmelder.

Hat die Lampe das umgekehrte Problem und glimmt nach dem Ausschalten weiter, liegt es meist an derselben Tasterbeleuchtung aus Ursache 4, nur von der anderen Seite. Das haben wir im Beitrag LED glimmt nach dem Ausschalten auseinandergenommen.

Kurz gesagt

Brennt das Treppenhauslicht nicht mehr aus, ist in den meisten Fällen nichts kaputt: Ein Schalter am Automaten steht auf Dauerlicht, oder jemand hat die Komfortfunktion ausgelöst. Bleibt es dabei, sind ein klemmender Taster, zu viele beleuchtete Taster oder ein Relais, das beim Einschalten von LED-Lampen verschweißt ist, die nächsten Verdächtigen. Das Klacken ohne Wirkung ist das eindeutigste Zeichen für das Relais. Die Reparatur zahlt im Mietshaus der Vermieter, den Strom am Ende meist alle.


Quellen: elektrikforum.de: "Treppenhauslicht erst blieb es nicht an jetzt geht es nicht aus" (Juni 2018) · Wikipedia: "Treppenlicht-Zeitschalter" (Stand 25.07.2024, mit Verweis auf DIN 18015-2, Abschnitt 4.3.3, und Theben-Katalog 2023) · Eltako: Bedienungsanleitungen TLZ12-8 (23 100 934-1, Stand 35/2023) und TLZ12-8plus (23 100 832-1) · Hager: Produktseite Treppenlichtzeitschalter EMN001 · Theben: Produktseite ELPA 3 und Grundlagentext "Herausforderung LED" · Reddit r/Elektroinstallation: "Treppenlicht Zeitschaltautomat ist dauer an" · BDEW: Strompreisanalyse 2026, Haushalte 37,0 ct/kWh · Betriebskostenverordnung § 2 Nr. 11 · BGB § 556 Abs. 3 · AG Münster, Urteil vom 16.10.2012, Az. 7 C 4687/11 (nach Interessenverband Mieterschutz) · LG Coburg, Az. 11 O 235/11, und LG Düsseldorf, Az. 14e O 120/12 (nach gerichte-und-urteile.de, 14.05.2025, und SHL Gruppe)