Licht bei Stromausfall: Was zu Hause wirklich hilft, wenn es tagelang dunkel bleibt

Am 3. Januar 2026 um 6:13 Uhr brannte in Berlin-Lichterfelde eine Kabelbrücke über den Teltowkanal. Die Senatsverwaltung meldete am selben Tag 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom, in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Ein Teil bekam die Versorgung noch in der ersten Nacht zurück. Die letzten Haushalte waren erst am 7. Januar um 14:10 Uhr wieder am Netz. Ohne Strom fielen dort auch Heizung, Internet und Mobilfunk aus, berichtete die Tagesschau.
Über Heizung ist seitdem viel geschrieben worden. Über Licht fast nichts, und dabei lohnt sich ein Blick in den Kalender. Die Sonne ging in Berlin in dieser Woche laut timeanddate gegen 8:16 Uhr auf und kurz nach 16 Uhr unter. Wer bis zum Schluss ohne Strom war, verbrachte von gut 104 Stunden Ausfall rund 66 im Dunkeln. Das sind fast drei volle Tage, an denen jede Treppe, jeder Topf und jeder Medikamentenschrank nur so hell war wie das, was man vorher in die Schublade gelegt hatte.
Dass kaum jemand darauf vorbereitet ist, hat einen guten Grund: Das deutsche Netz fällt fast nie aus. Die Bundesnetzagentur hat für 2024 eine durchschnittliche Unterbrechung von 11,7 Minuten pro angeschlossenem Verbraucher ermittelt, für das ganze Jahr. Wer so selten im Dunkeln sitzt, kauft keine Stirnlampe. Und dann sind es plötzlich vier Tage.
Wie viel Licht man eigentlich braucht
Überraschend wenig, jedenfalls zum Nicht-Hinfallen. Die Norm für Sicherheitsbeleuchtung, DIN EN 1838, verlangt auf der Mittellinie eines Fluchtwegs am Boden ein einziges Lux. Das reicht, um Stufenkanten und Türklinken zu erkennen, wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Was die Norm sonst noch fordert und wann ein Wohnhaus überhaupt Sicherheitsbeleuchtung braucht, steht in unserem Artikel zur Notbeleuchtung nach DIN EN 1838.
Für alles andere braucht man mehr. Kochen, Medikamente dosieren, ein Buch lesen, ein Kind wickeln: Das gelingt nicht bei einem Lux, sondern erst bei einem Vielfachen. Wie weit normale Innenräume davon entfernt sind, zeigt unsere Lux-Tabelle für Natur und Innenraum.
Hier hilft eine alte Einheit weiter. Die Candela, die Einheit der Lichtstärke, ist nach der Kerze benannt und bewusst so gewählt, dass eine Haushaltskerze ungefähr eine Candela hat. Strahlt eine solche Quelle gleichmäßig in alle Richtungen, sind das rechnerisch rund 12,6 Lumen. Eine Stirnlampe auf 100 Lumen liefert also ungefähr so viel Licht wie acht Kerzen, nur gebündelt dahin, wo man hinschaut, und ohne Flamme.
Warum Kerzen das schlechteste Hauptlicht sind
Kerzen stehen auf jeder offiziellen Liste. Die Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BBK, Stand Dezember 2025) nennt "Kerzen und Feuerzeug", die Verbraucherzentrale empfiehlt Kerzen neben Taschenlampen und batteriebetriebenen Leuchten. Das ist nicht falsch. Streichhölzer und ein paar Stumpen gehören in jeden Haushalt.
Als Hauptlicht halte ich Kerzen trotzdem für die schlechteste Wahl, und der Grund steht in der Schadensstatistik. Die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer zählten 2024 rund 320.000 Brandschäden. In den Wochen rund um Weihnachten kommen nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) jedes Jahr etwa 6.000 Brände zusätzlich hinzu, 2024 mit 31 Millionen Euro Schaden und im Schnitt 4.900 Euro pro Fall. Am häufigsten fangen Adventskränze und Weihnachtsbäume Feuer, meist weil jemand die Kerzen aus den Augen gelassen hat.
Jetzt stelle man sich dieselben Kerzen in einer Wohnung vor, in der es kalt ist, in der Decken und Kleidung auf Sesseln liegen, in der Leute müde werden und einschlafen. Und in der die Feuerwehr womöglich schwerer zu erreichen ist, weil das Mobilfunknetz gerade nicht funktioniert. Das ist genau die Lage, in der eine Kerze am meisten Unheil anrichten kann. Wer Kerzen nutzt, stellt sie in ein Glas oder eine Laterne auf eine feste Unterlage, nie in die Nähe von Stoff, und löscht sie, bevor er den Raum verlässt.
Warum die Stirnlampe die Taschenlampe schlägt
Die Taschenlampe hat einen Konstruktionsfehler, der erst im Stromausfall auffällt: Sie belegt eine Hand. Wer mit einer Hand leuchtet, kann nicht gleichzeitig Wasser in einen Topf gießen, eine Tablette aus dem Blister drücken oder sich am Treppengeländer festhalten. Die Stirnlampe leuchtet dorthin, wohin man schaut, und lässt beide Hände frei. Für jeden Menschen im Haushalt eine eigene ist deshalb meine wichtigste Empfehlung.
Beim Kauf zählt weniger die Maximalhelligkeit auf der Packung als die kleinste Stufe. Am Beispiel der Petzl Actik Core, deren Daten der Hersteller offen angibt: Auf voller Leistung hält sie zwei Stunden. Auf der Standardstufe mit 100 Lumen sind es mit dem mitgelieferten Akku sieben Stunden, mit drei AAA-Batterien zehn. Auf der kleinsten Stufe mit 7 Lumen läuft sie 100 Stunden. Für einen mehrtägigen Stromausfall ist die kleine Stufe die eigentliche Funktion und die große das Extra.
Dabei hilft es zu wissen, wie solche Laufzeiten gemessen werden. Nach dem amerikanischen Standard ANSI FL1, an den sich viele Hersteller halten, läuft die Uhr, bis die Lampe nur noch zehn Prozent ihrer Anfangshelligkeit liefert. "100 Stunden" heißt also nicht 100 Stunden gleich helles Licht, sondern 100 Stunden, bis vom Anfangswert nur noch ein Zehntel übrig ist. Die Helligkeit selbst wird nach 30 Sekunden bis zwei Minuten Betrieb gemessen, nicht im ersten Aufblitzen.
Eine Laterne für den Raum
Die Stirnlampe leuchtet einen Fleck aus, keinen Raum. Für den Abend am Tisch, an dem mehrere Leute sitzen, braucht es eine Leuchte, die in alle Richtungen strahlt: eine Akku- oder Batterielaterne. Am besten hängt man sie hoch, etwa an einen Haken über dem Tisch, damit sie nicht blendet und das Licht von der Decke zurückgeworfen wird. Eine helle Decke verteilt das Licht erstaunlich gut, eine Laterne auf dem Boden dagegen macht vor allem Schatten.
Auch hier zählt die Laufzeit auf kleiner Stufe. Wer es genau wissen will, schaut ins Datenblatt, und wer eine Laterne ohne Laufzeitangabe findet, lässt sie liegen. Einen Überblick über Laternen, Stirnlampen und Akku-Strahler mit Laufzeiten haben wir im Vergleich von LED-Akkuleuchten fürs Camping zusammengestellt. Was dort für das Zelt gilt, gilt für die dunkle Küche genauso.
Notlicht aus der Steckdose
Es gibt eine Geräteklasse, die für genau diesen Fall gebaut ist und die trotzdem kaum jemand kennt: Leuchten, die dauerhaft in einer Ladeschale oder Steckdose sitzen und bei Stromausfall von selbst angehen. Der Hersteller IVT beschreibt das Prinzip für seine Akkuleuchten so: "Befindet sich die Akkuleuchte während eines Stromausfalls in der Ladeschale, schaltet sie sich automatisch ein", und zwar nach etwa einer Sekunde. Die Laufzeiten reichen je nach Modell von vier Stunden (IVT PL-828, 350 Lumen) bis 20 Stunden (IVT PL-850, 240 Lumen, mit Bleiakku).
Solche Geräte gibt es auch als kleine Steckdosenleuchten für den Flur, oft kombiniert mit Nachtlicht und Bewegungsmelder. Hell sind sie nicht besonders. Sie sind dafür im richtigen Moment da, nämlich in der Sekunde, in der der Strom wegbleibt. Wer nachts um drei im Treppenhaus steht, wenn das Licht ausgeht, sucht nicht erst nach der Stirnlampe. Eine Notleuchte an der Treppe und eine in der Nähe des Sicherungskastens halte ich für die sinnvollste Ergänzung zur Schubladen-Ausrüstung. Der Sicherungskasten ist nämlich der erste Ort, den man bei einem Ausfall prüfen soll: Die Verbraucherzentrale rät, zuerst nachzusehen, ob nur die eigene Sicherung herausgesprungen ist.
Batterien, die im Schrank nicht sterben
Die beste Lampe hilft nichts, wenn die Batterien nach drei Jahren in der Schublade leer oder ausgelaufen sind. Für den Vorrat kommen im Grunde drei Sorten infrage, und sie taugen unterschiedlich gut.
Lithium-Einwegbatterien sind für den Vorratsschrank gemacht. Energizer gibt für seine Ultimate-Lithium-Zellen im AA-Format eine Lagerfähigkeit von bis zu 20 Jahren an und einen Einsatzbereich von minus 40 bis plus 60 Grad. In einer ungeheizten Wohnung im Januar ist das kein Luxus.
Akkus mit geringer Selbstentladung (NiMH, bekannt vor allem als eneloop) halten laut Herstellerangaben nach einem Jahr noch rund 90 Prozent und nach zehn Jahren noch rund 70 Prozent ihrer Ladung. Sie sind die richtige Wahl für alle, die ihre Lampen auch im Alltag benutzen und regelmäßig nachladen.
Bleiben die gewöhnlichen Alkali-Batterien. Die sind billig und überall zu haben, aber ich würde sie nicht jahrelang in einer unbenutzten Lampe stecken lassen. Getrennt lagern, im Ernstfall einlegen.
Ein einfacher Rat, der viel Ärger spart: Alle Lampen im Haushalt sollten dieselbe Batteriegröße nehmen, am besten AA oder AAA. Dann passt jede Reservebatterie in jede Lampe, und man muss im Dunkeln nicht sortieren.
Das Handy ist keine Taschenlampe
Der naheliegendste Fehler ist der Griff zum Smartphone. Die Taschenlampen-Funktion ist bequem, zieht aber genau aus dem Akku, den man für Warnmeldungen, Nachrichten und den Anruf beim Netzbetreiber braucht. In Berlin fiel im Januar das Mobilfunknetz mit aus. Wenn es dann zwischendurch wieder Empfang gibt, will man ein geladenes Telefon haben, kein leeres.
Das BBK empfiehlt deshalb eine aufgeladene Powerbank und ein Radio mit Solarzelle oder Batterie. Die Warn-App NINA sollte vorher installiert sein, wichtige Telefonnummern stehen auf Papier. Das Telefon ist in dieser Lage ein Kommunikationsgerät, und die Lampe ist die Lampe.
Rechnung für vier dunkle Tage
Wie viel Licht man für einen Ausfall wie in Berlin braucht, lässt sich grob überschlagen. Die folgende Rechnung ist meine eigene Schätzung, keine offizielle Empfehlung.
Pro Tag braucht man im Winter ungefähr acht Stunden künstliches Licht: morgens zwei Stunden vor Sonnenaufgang, abends sechs Stunden zwischen Dunkelheit und Schlafengehen. Über vier Tage sind das 32 Stunden.
Eine Stirnlampe wie die Actik Core schafft auf der Standardstufe mit einem Satz AAA-Batterien zehn Stunden. Für 32 Stunden braucht eine Person also rund vier Sätze, das sind zwölf AAA-Batterien. Wer auf kleiner Stufe bleibt, wo immer es geht, kommt mit einem Bruchteil aus. Dazu eine Laterne für den gemeinsamen Tisch, die auf mittlerer Stufe mindestens 30 Stunden durchhält, und eine Notleuchte an der Treppe. Für einen Zwei-Personen-Haushalt sind das zwei Stirnlampen, eine Laterne, eine Steckdosen-Notleuchte und ein Päckchen Lithium-Batterien. Das ist weniger, als man denkt, und passt in einen Schuhkarton.
Kurz gesagt
Stromausfälle sind in Deutschland selten, aber wenn einer lang dauert, dann fast immer auch im Dunkeln, und im Winter sind das zwei Drittel des Tages. Die wichtigste Anschaffung ist eine Stirnlampe pro Person, gekauft nach der Laufzeit auf kleiner Stufe, nicht nach den Lumen auf der Packung. Dazu eine Laterne für den Raum, eine automatische Notleuchte an der Treppe und Batterien, die im Schrank nicht sterben. Kerzen dürfen dabei sein, aber als Stimmungslicht, das man nicht aus den Augen lässt, nicht als Beleuchtung für drei Tage.
Und einmal im Jahr lohnt sich ein Test: Sicherung raus, zehn Minuten im Dunkeln stehen, schauen, ob man alles findet. Das kostet nichts und zeigt schneller als jede Checkliste, was fehlt.
Quellen: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin: Pressemitteilung "Stromausfall im Berliner Südwesten" vom 03.01.2026 · Wikipedia: "Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz 2026" (Wiederversorgung am 07.01.2026, 14:10 Uhr) · tagesschau.de: "Tagelanger Blackout in Berlin: Was tun, wenn der Strom ausfällt?" · timeanddate.de: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang Berlin, Januar 2026 · Bundesnetzagentur: Versorgungsunterbrechungen Strom 2024 (Pressemitteilung vom 09.10.2025, SAIDI 11,7 Minuten, nach pv-magazine) · DIN EN 1838 (Sicherheitsbeleuchtung, 1 Lux auf der Mittellinie von Rettungswegen) · Wikipedia: "Candela" · BBK: "Checklisten zur Vorsorge für Krisen und Katastrophen" (Stand Dezember 2025) · Verbraucherzentrale: "Was tun bei Stromausfall? Gut vorbereitet und richtig handeln" (19.01.2026) · GDV: "Versicherer warnen vor Brandschäden in der Adventszeit" (27.11.2025) · Petzl: Produktdaten ACTIK CORE · all4shooters.com: "Was bedeutet die ANSI-Zertifizierung" (ANSI FL1, Messverfahren) · IVT Hirschau: Produktseite Notlichtleuchten · Conrad: Produktdaten Energizer Ultimate Lithium FR6 · Wikipedia: "NiMH-Akkumulator mit geringer Selbstentladung" und Panasonic-Händlerangaben zu eneloop


