Fensterbeleuchtung Weihnachten: Batterie oder Netzstecker?

Der älteste bekannte Schwibbogen der Welt galt lange als Werk des Johanngeorgenstädters J. C. Teller, datiert auf 1778. Dann entdeckte man 2003 unter einer jüngeren Farbschicht eine andere Jahreszahl: 1740. So steht es im Wikipedia-Artikel zum Erzgebirgischen Schwibbogen. Der Bogen aus Metall hat also fast 40 Jahre mehr auf dem Buckel als gedacht, und er stammt aus einer Zeit, in der Lichter im Bogen noch Kerzen mit echter Flamme waren. Strom, Kabel und Fensterdichtung kamen viel später dazu.
Heute stellt sich im Fenster eine ganz alltägliche Frage. Hängt der Stern an Batterien oder an der Steckdose? Die Antwort hängt an drei Dingen: wie viele Stunden das Licht pro Tag brennen soll, wo die nächste Steckdose ist und ob Sie bereit sind, jeden Dezember Batterien zu wechseln. Hier die Rechnung dazu.
Kurz gesagt
Für ein einzelnes Fenster ohne Steckdose in Reichweite sind Batterien (oder ein Akku mit USB) in Ordnung, vorausgesetzt, das Licht hat einen Timer. Brennt es 24 Stunden am Tag, sind Batterien nach wenigen Tagen leer. Sobald mehrere Fenster leuchten sollen oder das Licht länger als sechs Stunden täglich brennt, ist das Netzteil billiger und bequemer. Die Stromkosten sind in beiden Fällen klein, die Batteriekosten nicht. Das Kabel gehört nach Angaben des TÜV-Verbands nicht in den Fensterspalt, und Glühlampen-Schwibbögen haben am Vorhang nichts verloren.
Die Rechnung über die Saison
Ein Rechenbeispiel, in dem alles Annahme ist, wenn nicht anders gekennzeichnet: Das Licht brennt vom ersten Advent bis Dreikönig, rund 40 Tage, und zwar sechs Stunden pro Abend. Das sind 240 Stunden.
Batterie. Lights4fun gibt für eine 50er-Mikro-LED-Kette mit drei AA-Zellen etwa 100 Stunden Leuchtdauer an (Produktseite, Herstellerangabe). Das ist eine Lichterkette, kein Fensterstern, aber die Größenordnung gilt für die meisten kleinen LED-Fensterlichter. 240 Stunden brauchen demnach etwa 2,4 Batteriesätze, also drei Sätze oder neun Zellen. Setze ich 50 Cent je Alkaline-AA an (mein Preis, kein Katalogwert), sind das 4,50 Euro pro Fenster und Saison. Bei fünf Fenstern sind es 22,50 Euro.
Brennt dasselbe Licht rund um die Uhr, geht es schneller. 100 Stunden sind nach gut vier Tagen vorbei, 40 Tage brauchen zehn Sätze, also 30 Zellen und rund 15 Euro für ein einziges Fenster.
Netzteil. Nehme ich für einen LED-Stern oder eine Silhouette mit Netzteil 3 Watt an (ebenfalls meine Annahme), sind das über 240 Stunden 0,72 Kilowattstunden. Bei 40 Cent je Kilowattstunde kostet das 29 Cent. Ohne Timer, also 24 Stunden täglich, sind es 2,88 kWh und 1,15 Euro. Einen Schwibbogen mit sieben Glühbirnen à 3 Watt (21 Watt, Werte aus dem Beitrag zur LED-Umrüstung) kostet bei 240 Stunden 5,04 kWh, also gut zwei Euro.
Die Verbraucherzentrale rechnet in ihrem Beispiel ähnlich: eine LED-Kette mit 8 Watt, vier Wochen täglich zwölf Stunden, 53,3 Cent je kWh, macht 1,56 Euro, die Glühlampenversion mit 80 Watt 15,56 Euro. Die Gesamtrechnung für Haus und Garten steht in Weihnachtsbeleuchtung und Stromkosten.
Und der Vergleich, der mich überrascht hat: Ein Batteriesatz mit drei AA-Zellen speichert grob 11 Wattstunden, wenn man 2.500 mAh je Zelle annimmt (der Wert aus dem Beitrag LED-Kerzen: Batterie schnell leer; der Energizer-Datenblatt-Wert für die E91 liegt laut Diagramm bei geringer Last etwas höher). Für 1,50 Euro. Hochgerechnet kostet die Kilowattstunde aus der Batterie rund 133 Euro, aus der Steckdose 40 Cent. Das ist etwa der 330-fache Preis. Dass Batterien teurer sind als Netzstrom, weiß jeder. Dass der Abstand mehr als zwei Größenordnungen beträgt, merkt man erst, wenn man es ausrechnet.
Wann sich die Batterie trotzdem lohnt
Für ein einzelnes Fenster ohne Steckdose sind 4,50 Euro pro Saison kein Drama. Zwei Gründe sprechen außerdem für Batterie oder Akku.
Erstens: Es gibt kein Kabel, das quer durch den Raum liegt oder irgendwo an einer Fensterkante klemmt. Zweitens: Das Licht lässt sich beliebig aufhängen, auch am Dachfenster oder hoch im Treppenhaus.
Gegen Batterien spricht der Wechsel. Wer jede Woche an einem Dutzend Fenstern Zellen tauscht, hat die Ersparnis an Steckdosenkabel schnell wieder aufgebraucht. Und ein leerer Stern mitten im Advent fällt von der Straße aus auf.
Timer: der größte Hebel
Ein Timer verändert die Rechnung stärker als jede Wahl der Batterie. Ohne Timer brennt das Licht, bis die Zellen leer sind. Mit Timer läuft es sechs Stunden und ruht 18, ein bei Batterielichtern verbreitetes Muster: Die Relaxdays-Fenstersterne im OTTO-Sortiment werden zum Beispiel mit "6 h an, 18 h aus" beschrieben. In unserer Rechnung oben ist das der Unterschied zwischen drei und zehn Batteriesätzen.
Prüfen Sie vor dem Aufhängen, ob der Schalter auf "Timer" steht und nicht auf "EIN". Das ist der häufigste Grund für "Batterie nach einer Woche leer", genau wie bei den LED-Kerzen. Die Netzvariante bekommt ihren Timer über eine Zeitschaltuhr, wie sie im Beitrag Lichterkette mit Zeitschaltuhr beschrieben ist. Für ein Licht mit 3 Watt lohnt sie sich nicht wegen der 86 Cent, die sie über die Saison spart, sondern weil niemand abends daran denken muss.
Das Kabel am Fenster
Hier wird es heikel. Der TÜV-Verband schreibt in seiner Pressemitteilung "Brandrisiko bei Weihnachtsbeleuchtung senken" (9. Dezember 2022) klar: Lichterketten sollten nicht durch Türen und Fenster geführt und eingeklemmt werden. Ob die Aussage ausdrücklich auch Flachkabel meint, nennt die Mitteilung nicht. Mein Schluss: Ein Kabel, das bei jedem Schließen gequetscht wird, ist genau das, wovor sie warnt.
Der Gedanke, ein Flachkabel durch die Fensterdichtung zu führen, kommt aus einer anderen Ecke: dem Balkonkraftwerk. Ein Händlerblog nennt Flachkabel von drei bis sechs Millimetern Dicke, die an der unteren Fensterecke durch die Dichtung passen sollen. Weniger begeistert klingt ein Ratgeber für Balkonkraftwerke: Ein Kabel, das ein Jahr lang im Fensterfalz klemme, drücke die Dichtung platt, lasse Feuchtigkeit herein und Wärme heraus und scheuere an der Kante. Flachkabel seien eine ordentliche Übergangslösung, aber keine für zehn Jahre. Ein Anbieter von Fensterdurchführungen für Solarkabel schreibt in seinen Hinweisen, die Kabel dürften nur durch nicht oder selten geöffnete Fenster, scharfe Kanten seien zu vermeiden, und für Schäden an Rahmen oder Dichtung sei der Hersteller nicht verantwortlich.
Für eine Weihnachtsbeleuchtung heißt das: Ein Netzteil mit Kabel nach draußen ist eine Notlösung für sechs Wochen, und es bleibt eine, an die sich ein Fensterhersteller nicht halten wird. Mein Rat: Wenn das Licht an die Außenseite soll, nehmen Sie Batterie oder Akku und lassen das Kabel drinnen. Wenn es innen am Glas hängt, liegt das Kabel ohnehin im Zimmer, und die Frage stellt sich nicht. Und wenn Sie draußen wirklich Netzstrom brauchen, nehmen Sie ein Außenset mit Schutzart und eine Außensteckdose, am besten hinter einem FI-Schalter, den auch der TÜV-Verband empfiehlt.
Akku und USB
Eine dritte Lösung liegt dazwischen. Fensterlichter mit USB-Anschluss laufen an einer Powerbank, manche haben einen eingebauten Akku. Der Vorteil: Sie kaufen die Energie einmal und laden sie auf.
Eine Rechnung dazu, wieder mit eigenen Annahmen: Eine Powerbank mit 10.000 mAh speichert nominal 37 Wattstunden (3,7 Volt mal 10 Amperestunden). Nutzbar sind davon wegen der Umwandlungsverluste vielleicht 70 Prozent, also gut 25 Wattstunden. Ein LED-Stern mit 0,5 Watt und sechs Stunden Brenndauer braucht 3 Wattstunden am Tag, die Powerbank reicht damit gut acht Tage. Ein Stern mit 2 Watt braucht 12 Wattstunden und ist nach zwei Tagen leer. Das ist eine gute Lösung für ein sparsames Licht und eine schlechte für ein helles.
NiMH-Akkus im Batteriefach sind eine Alternative, haben aber einen Haken, den die Rechnung zu den LED-Kerzen schon gezeigt hat: Sie liefern 1,2 statt 1,5 Volt je Zelle, und viele Lichter, die auf drei Alkaline-Zellen ausgelegt sind, leuchten mit Akkus dunkler (meine Einschätzung). Probieren Sie es an einem Licht, bevor Sie alle umrüsten. Kerzen ohne Kabel haben dieselben Fragen, wie sie der Beitrag LED-Christbaumkerzen kabellos beschreibt.
Bei Kälte lässt die Kapazität nach. Für Alkaline-AA nennt Energizer im Datenblatt der E91 einen Betriebsbereich von minus 18 bis plus 55 Grad. Ein Fensterlicht hinter Isolierglas bekommt kaum Frost ab, eines, das außen am Rahmen hängt, schon.
Lichtfarbe
Ein Wort zur Farbe, weil das Fenster die Visitenkarte der Wohnung ist. Warmweiß, also um 2.700 Kelvin, passt zu Kerzenlicht und Glühlampe, kaltweißes LED-Licht wirkt von der Straße aus wie ein Büro. Was die Zahl bedeutet, steht im Beitrag Farbtemperatur in Kelvin. Bei Batterielichtern gibt es die Wahl oft nur beim Kauf, achten Sie auf die Angabe "warmweiß" und, wenn vorhanden, auf die Kelvin-Zahl.
Der Schwibbogen mit Glühlampen
Zurück zum Erzgebirge. Die Tradition ist älter als die Elektrik. Nach Wikipedia belegt eine Rechnung von 1716, dass in der Johanniskirche Scheibenberg zur Christmette ein Lichterbogen aufgestellt wurde, das früheste Zeugnis dieser Besonderheit. Die oft erzählte Geschichte, die Form stelle das Mundloch eines Stollens dar, hält Wikipedia für eine Behauptung, nicht für einen Beleg. In den ersten bekannten Bögen waren zunächst christliche Motive dargestellt, später Sonne, Mond und Sterne. Der MDR (20. Dezember 2022) zitiert einen Nachfahren des Schöpfers des ältesten erhaltenen Bogens, der ihn als das wieder geöffnete Himmelstor liest.
Ein Bogen mit Glühlampen im Fenster ist heute etwas anderes als ein Bogen in der Kirche. Die Birnen werden heiß. ERGO nennt in seinem Brandschutz-Ratgeber für Glüh- und Halogenlampen an Lichterketten Temperaturen bis zu 70 Grad, die Zweige eines Baums entzünden könnten. Der TÜV-Verband warnt vor heißen Glühbirnen "in direkter Nähe zu trockenem Tannengrün, Geschenkpapier oder Gardinen" als erheblichem Brandrisiko. ERGO verweist auf die Schadensdatenbank des IFS (Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung), nach der offene Feuerquellen zu den häufigsten Ursachen für Wohnungsbrände gehören, und nennt 50 Zentimeter als Mindestabstand zwischen Kerzen oder Kranz und Gardinen.
Was folgt daraus für den Schwibbogen im Fenster? Mein Vorschlag, abgeleitet aus diesen Quellen und ausdrücklich nicht aus einer Herstellervorgabe: Stellen Sie einen Glühlampen-Bogen so auf, dass keine Gardine ihn berühren kann, auch nicht, wenn bei gekipptem Fenster der Wind hineinfährt, und halten Sie die 50 Zentimeter Abstand ein. Schalten Sie ihn aus, wenn Sie das Haus verlassen oder schlafen gehen, wie es der TÜV-Verband empfiehlt. Und wenn Sie die Wahl haben: Rüsten Sie auf LED um, wie im Beitrag Schwibbogen auf LED umrüsten beschrieben. LED-Lichter werden nicht warm, wie der TÜV-Verband schreibt, nur ein Trafo kann sich erwärmen. Den halten Sie von Gardinen fern und lassen ihn Luft bekommen.
Eine Entscheidungshilfe
- Ein Fenster, keine Steckdose in der Nähe, Licht mit Timer: Batterie. Rund 4,50 Euro je Saison, wenn die Rechnung oben stimmt.
- Mehrere Fenster oder mehr als sechs Stunden täglich: Netzteil mit Zeitschaltuhr. Der Strom kostet pro Licht unter einem Euro.
- Licht an der Außenseite des Fensters: Batterie oder Akku, das Kabel bleibt drinnen.
- Schwibbogen mit Glühlampen: auf LED umrüsten, sonst nur mit Abstand zur Gardine und nie unbeaufsichtigt.
- Sparsamer USB-Stern unter 1 Watt: Powerbank.
Fazit
Mit Batterien spart man beim Fensterlicht keinen Strom, man spart sich das Kabel. Der Strom für ein Netzteil kostet über die ganze Saison weniger als ein Satz Batterien. Wer die Wahl hat, nimmt das Netzteil, legt es auf eine Zeitschaltuhr und lässt das Kabel innen. Wo keine Steckdose liegt, genügt die Batterie mit Timer, aber ohne Timer ist sie die teuerste Lösung. Und ein Schwibbogen mit Glühbirnen gehört dorthin, wo er brennen darf: weit weg vom Vorhang.
Quellen: Wikipedia, "Erzgebirgischer Schwibbogen" (de.wikipedia.org, abgerufen 23.10.2026), zu 1740/2003, 1716 Scheibenberg, Motivgeschichte und Wikipedia-Einordnung der Stollen-Erzählung; MDR, Andreas Roth, "Ältester Schwibbogen in Johanngeorgenstadt verbirgt Rätsel der Weihnacht" (20.12.2022), zitiert nach Wikipedia · TÜV-Verband, "Brandrisiko bei Weihnachtsbeleuchtung senken" (09.12.2022), zu heißen Glühbirnen, Gardinen, Trafo, Kabeln in Fenstern und FI-Schalter · ERGO, "Brandschutz an Weihnachten" (ergo.de), zu 70 Grad, 50 Zentimetern Abstand und IFS-Schadensdatenbank · Verbraucherzentrale, "Energiesparende Lichterketten" (verbraucherzentrale.de), zum Rechenbeispiel 8 Watt gegen 80 Watt · Lights4fun, Produktseite 50er Micro-LED-Lichterkette mit 3 AA (ca. 100 Stunden) · OTTO, Kategorie beleuchtete Weihnachtssterne mit Batterie, zum Timer 6 h an/18 h aus · Energizer, Datenblatt E91 (data.energizer.com), zu Betriebstemperatur und Kapazitätsdiagramm · balkon-kraft-werke.de, "Balkonkraftwerk Außensteckdose" (13.08.2026), und solar-generatoren.de, Produktseite Solarkabel-Fensterdurchführung, zu Flachkabeln im Fensterfalz · sunsharetek.com, Einkaufsführer Balkonkraftwerk (11.06.2026), zur Flachkabel-Dicke von 3 bis 6 Millimetern


