LED-Kerzen: Batterie schnell leer? Laufzeit selbst nachrechnen

Die Produktseite eines Händlers für Wachs-LED-Kerzen gibt als technische Daten an: 3,0 Volt, 0,06 Watt, 2 AA-Batterien je Kerze, Leuchtdauer "up to 600 hours". Wer das nachrechnet, stolpert. 0,06 Watt bei 3 Volt sind 20 Milliampere. Eine Mignonzelle schafft bei so geringer Last grob 2.500 Milliamperestunden, die Kerze müsste also nach etwa 125 Stunden leer sein, nicht nach 600. Das ist meine Rechnung mit einer angenommenen Zellenkapazität, aber sie zeigt, wie weit Werbeangabe und Leistungsschild auseinanderliegen können (lights4fun.de, Produktseite "3er Set Wachs LED Kerzen", abgerufen am 12.10.2026).
Möglich ist, dass die Flackerschaltung im Mittel weniger zieht als die 0,06 Watt auf dem Papier. Belegt ist das nicht. Für die Frage, warum die Batterien in Ihrer Kerze so schnell leer sind, genügt etwas anderes: Man kann die Laufzeit mit zwei Zahlen selbst abschätzen, und die Zahlen stehen in den Datenblättern.
Kurz gesagt
Laufzeit in Stunden ist ungefähr Batteriekapazität in mAh geteilt durch den Strom der Kerze in mA. Eine Knopfzelle CR2032 hat rund 230 bis 235 mAh, eine AA-Zelle mehr als das Zehnfache. Teelichter mit Knopfzelle sind daher bauartbedingt kurzatmig, Stumpenkerzen mit zwei AA halten Wochen. Dauerbetrieb statt Timer verkürzt jede Laufzeit auf ein Viertel der Kalendertage. Das sind die drei Hebel, an denen es meistens liegt.
Was in den Datenblättern steht
Energizer gibt für die CR2032 eine typische Kapazität von 235 mAh bis 2,0 Volt an, gemessen mit 15 Kiloohm bei 21 Grad. Das entspricht 0,19 mA, und bei dieser Last hält die Zelle laut Datenblatt 1.245 Stunden (Energizer, Datenblatt CR2032, abgerufen am 12.10.2026). Ein Händlerdatenblatt für die Varta CR2032 nennt 230 mAh, an anderer Stelle desselben Blatts stehen 220 mAh (Heinz Hesse KG, Datenblatt "VARTA Knopfzelle CR2032, V2032", abgerufen am 12.10.2026).
Der Haken: 0,19 mA ist die Last eines Taschenrechners. Eine flackernde LED zieht ein Vielfaches. Ich habe keine Messung eines konkreten Teelichts gefunden und will keine erfinden. Als Rechenbeispiel, ausdrücklich meine Annahme: Bei 5 mA wären 235 mAh nach 47 Stunden aufgebraucht, bei 10 mA nach 23 Stunden. In der Praxis sinkt die nutzbare Kapazität bei höherer Last zusätzlich, das Datenblatt liefert dazu nur die Pulsmessung mit rund 6,8 mA für zwei Sekunden, keine Dauerlast. Die Rechnung ist also eher zu optimistisch.
Bei der AA-Alkaline Energizer E91 listet das Datenblatt ein Diagramm der Kapazität über dem Entladestrom, mit klar fallender Kurve von 25 bis 500 mA. Je kleiner die Last, desto näher kommt man dem Nennwert (Energizer, Datenblatt E91, abgerufen am 12.10.2026). Für zwei AA in einer Kerze mit 20 mA ist das die günstige Seite der Kurve.
Was Händler und Stiftung Warentest angeben
Die Stiftung Warentest hat im November 2015 ein Set aus zehn LED-Baumkerzen von Innocom mit AA-Zellen und Fernbedienung geprüft. Der Hersteller gab 180 Stunden je AA-Zelle an, die Prüflinge hielten laut Test länger. Die Prüfer schätzten die Kosten für 1.000 Betriebsstunden auf 6 bis 12 Euro, gerechnet mit 20 Cent je AA-Zelle (test.de, "Lichterketten: Besinnlich mit LED-Weihnachtsbeleuchtung", Produkteintrag Innocom, abgerufen am 12.10.2026). Das Beispiel ist elf Jahre alt, die Preise sind heute andere, aber die Größenordnung zeigt: Kerzen mit AA-Zellen kosten pro Stunde grob einen halben bis gut einen Cent. Eine Stiftung-Warentest-Gesamtwertung für LED-Kerzen im Sinne eines Testsiegers habe ich nicht gefunden.
Ein anderer Händler gibt für seine Stumpenkerze mit zwei AA 200 Stunden Brenndauer an und rechnet vor, das entspreche einem Monat bei täglichem Gebrauch. Das Gerät läuft mit einem Timer, der die Kerze täglich 6 Stunden einschaltet und dann 18 Stunden pausiert (led-kerzen.de, Produktseite "LED Stumpenkerze Flamme", abgerufen am 12.10.2026). 200 Stunden geteilt durch 6 Stunden sind gut 33 Tage, das passt.
Der Timer ist der größte Hebel, wenn man ihn richtig einstellt
Hier liegt die häufigste Ursache für leere Batterien nach einer Woche. TED Lights beschreibt zwei Bedienarten. Bei Teelichtern und Tafelkerzen startet der Timer automatisch nach dem Anzünden. Bei Stumpenkerzen und großen Rustik-Modellen sitzt unten ein Schieber mit den Stellungen EIN, AUS und TIMER, bei manchen Modellen gibt es zusätzlich 4, 6, 8 und 10 Stunden (TED Lights, "Wie funktioniert der Timer mit LED-Kerzen?", abgerufen am 12.10.2026).
Steht der Schieber auf EIN, brennt die Kerze rund um die Uhr, und 200 Stunden sind nach gut acht Tagen vorbei. Auf TIMER sind es dieselben 200 Stunden verteilt auf einen Monat. Das ist der Unterschied zwischen "schnell leer" und "hält die Adventszeit". Wer also einen Satz Kerzen kauft, sollte den Schalter vor dem Aufstellen prüfen und sich merken, dass der Sechs-Stunden-Zyklus ab dem Einschalten läuft. Stellen Sie die Kerze abends an, dann brennt sie in der Regel jeden Abend zur selben Zeit.
Eine eigene Anleitung für den Timer an Lichterketten finden Sie im Beitrag Lichterkette mit Zeitschaltuhr, und die Stromkosten der klassischen Weihnachtsbeleuchtung mit Netzstecker haben wir unter Weihnachtsbeleuchtung und Stromkosten gerechnet.
Alkaline, Lithium, Akku: was sich lohnt
Alkaline ist der Standard und für Kerzen mit AA-Zellen völlig in Ordnung. Energizer nennt für die E91 einen Betriebsbereich von minus 18 bis plus 55 Grad und zehn Jahre Lagerfähigkeit (Datenblatt E91).
Lithium-AA wie die Energizer L91 halten laut Datenblatt von minus 40 bis plus 60 Grad, die Lagerfähigkeit liegt bei 25 Jahren, und das Datenblatt führt ein eigenes Diagramm der Kapazität über der Temperatur (Energizer, Datenblatt L91, abgerufen am 12.10.2026). Für eine Kerze, die drinnen bei 20 Grad steht, ist das Überausstattung. Sinnvoll wird es bei Kerzen im Fenster oder draußen. Welche Batterien sich für den Notvorrat lohnen, steht im Beitrag zum Licht bei Stromausfall.
Akkus statt Batterien haben in einer Wachskerze mit zwei AA zwei Tücken. Erstens liefert eine NiMH-Zelle 1,2 statt 1,5 Volt, zwei Zellen also 2,4 statt 3,0 Volt. Die Kerzen sind auf 3,0 Volt ausgelegt (Spannung laut lights4fun-Angabe). Meine Einschätzung: Sie leuchten mit Akkus oft sichtbar dunkler oder flackern anders. Probieren Sie es mit einer Kerze, bevor Sie alle umrüsten. Zweitens sind Akkus für Dauerläufer im Schrank weniger geeignet als Batterien, weil sie nachgeladen werden müssen.
Kerzen mit eingebautem Akku und Ladestation
Fertige Akku-Teelichter lösen das Problem anders. Im Test von sir-apfelot.de steckt in jedem Teelicht ein NiMH-Akku mit 2,4 Volt und 80 mAh. Der Hersteller verspricht mindestens 8 Stunden ohne Helligkeitsverlust, geladen wird in 6 bis 8 Stunden auf einer Ladestation mit USB-Anschluss, die Zellen sollen etwa 500 Ladezyklen schaffen. Die Station zieht im Standby rund 0,8 Watt, das sind laut Test etwa 2,50 Euro im Jahr (sir-apfelot.de, "Im Test: wiederaufladbare LED-Teelichter mit Akku im 12er-Set", abgerufen am 12.10.2026).
Nachgerechnet: 80 mAh in 8 Stunden entsprechen höchstens 10 mA. Das passt zu den 5 bis 10 mA, mit denen oben gerechnet wurde. Ein Lunartec-Set gibt 12 Stunden Leuchtdauer bei 6 Stunden Ladezeit an (Lunartec, Produktseite "6 Akku-LED-Teelichter", abgerufen am 12.10.2026). Nach Herstellerangaben liegen günstige Modelle bei 8 bis 20 Stunden pro Ladung, Mittelklasse bei 40 bis 80, Premium bei bis zu 350 Stunden (by KENN, "Wie lange brennen wiederaufladbare Teelichter?", abgerufen am 12.10.2026). Das sind Herstellerzahlen, nachgemessen habe ich sie nicht.
Meine Einschätzung: Wer täglich vier bis sechs Stunden Kerzenlicht will, kommt mit Akkus am günstigsten weg, wenn die Ladestation einen festen Platz hat. Wer die Kerzen nur an drei Adventsabenden braucht, hat mit Batterien weniger Aufwand. Die Ladestation im Dauerstandby kostet dazu rund 2,50 Euro im Jahr, das sollte man einrechnen.
Warum Kerzen draußen schneller leer sind
Die Kerzen von lights4fun und led-kerzen.de sind laut Produktseiten nur für Innenräume gedacht. Draußen kann es unter den Betriebsbereich der Alkaline-Zelle von minus 18 Grad fallen, und Kälte kostet Kapazität, wie das Temperatur-Diagramm im L91-Datenblatt zeigt. Für Gartenlichter mit Akku und Frost lesen Sie Winterfeste Solarleuchten im Test. Wenn die Kerze unbedingt nach draußen soll, nehmen Sie ein Modell mit passender Schutzart, mehr dazu in Lichterkette außen mit IP44. Wer den Baum innen schmückt, findet im Beitrag Wie viele Lichter braucht der Weihnachtsbaum die Mengenrechnung für Ketten mit Netzstecker.
Knopfzellen und Kinder
Eine Sicherheitsfrage gehört zur Knopfzelle. Energizer weist im Datenblatt der CR2032 darauf hin, dass Verschlucken schon nach zwei Stunden zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen kann. Das Batteriefach sollte nur mit Werkzeug oder zwei gleichzeitigen Bewegungen zu öffnen sein. Bei Teelichtern, die Kinder gern in die Hand nehmen, lohnt sich deshalb der Blick aufs Batteriefach, bevor man sie auf den Tisch stellt.
Batterie leer? Reihenfolge der Prüfung
- Schieber auf TIMER oder auf EIN? Bei EIN: umstellen.
- Batterietyp vergleichen: AA-Kerze mit Lithium oder Alkaline, nicht mit NiMH-Akku testen.
- Knopfzelle gegen frische CR2032 tauschen. Ausgelaufene Zellen sofort entfernen.
- Kerze längere Zeit nicht benutzt: Zellen herausnehmen, getrennt lagern.
- Wenn es immer noch nur 20 Stunden hält: Kerzenmodell wechseln.
Fazit
Schnell leere Batterien in LED-Kerzen sind in den meisten Fällen keine Mängel, sondern Rechnung. Eine CR2032 mit 235 mAh reicht nach meiner Annahme von 5 bis 10 mA nur für ein bis zwei Tage Dauerlicht. Zwei AA mit Timer reichen für einen Monat, im Dauerbetrieb für gut eine Woche. Kontrollieren Sie den Schieber, rechnen Sie mit mAh und mA, und kaufen Sie Akkukerzen nur, wenn sie wirklich täglich brennen. Und wenn Sie einen alten Schwibbogen auf LED umstellen, hilft der Beitrag Schwibbogen auf LED umrüsten.
Quellen (alle abgerufen am 12.10.2026): Energizer, Datenblatt CR2032 (data.energizer.com), zu 235 mAh, 3,0 Volt, minus 30 bis plus 60 Grad, 1.245 Stunden bei 0,19 mA, 6,8 mA Puls und Verschluck-Warnung; Energizer, Datenblatt E91 AA Alkaline (data.energizer.com), zu 1,5 Volt, minus 18 bis plus 55 Grad, zehn Jahren Lagerfähigkeit und Kapazitätsdiagramm; Energizer, Datenblatt L91 Ultimate Lithium AA (data.energizer.com), zu minus 40 bis plus 60 Grad, 25 Jahren Lagerfähigkeit und Temperaturdiagramm; Heinz Hesse KG, Datenblatt "VARTA Knopfzelle CR2032, V2032" (heinz-hesse-kg.de), zu 230 und 220 mAh; Stiftung Warentest, test.de, Produkteintrag "Innocom 10er Set LED-Baumkerzen" im Test Lichterketten vom November 2015 (test.de), zu 180 Stunden je AA, 6 bis 12 Euro je 1.000 Stunden und 20 Cent je Zelle; lights4fun.de, "3er Set Wachs LED Kerzen, 6-Std.-Timer" (lights4fun.de), zu 0,06 Watt, 3,0 Volt, 2 AA, 600 Stunden und Indoor; led-kerzen.de, "LED Stumpenkerze Flamme, Batterie, Timer" (led-kerzen.de), zu 2 AA, 200 Stunden und Timer 6/18 Stunden; TED Lights, "Wie funktioniert der Timer mit LED-Kerzen?" (tedlights.com), zu Timerzyklus und Schieberstellungen; sir-apfelot.de, "Im Test: wiederaufladbare LED-Teelichter mit Akku im 12er-Set" (sir-apfelot.de), zu 80 mAh, 2,4 Volt, 8 Stunden, 6 bis 8 Stunden Ladezeit, 500 Zyklen und 0,8 Watt Standby; Lunartec, "6 Akku-LED-Teelichter mit Ladestation" (lunartec.de), zu 12 Stunden Leuchtdauer und 6 Stunden Ladezeit; by KENN, "Wie lange brennen wiederaufladbare Teelichter?" (bykenn.eu), zu den Brenndauer-Klassen.


